Constantin Schreiber berichtet beim Neujahrsempfang der Volksbank Albstadt über das Glück im Unglück und verrät, wie er als Tagesschau-Sprecher und Journalist trotz zuweilen niederschmetternder Schlagzeilen optimistisch bleibt.
Constantin Schreiber ist auf vielen Kanälen unterwegs. Wäre die Formulierung nicht so abgedroschen, späche man von einem „Hans Dampf in allen Gassen“. Oder etwas moderner: von einem „Allrounder“.
Schreiber ist Journalist, Nachrichtensprecher und Bestsellerautor, im Privatleben passionierter Familienvater. Er gilt als ausgewiesener Kenner der arabischen Länder, hat mit seinen Büchern, das berichtete er in beim Neujahrsempfang der Volksbank Albstadt, schon die eine oder andere Diskussion ausgelöst.
Schutz vor einem Übermaß an schlechten Nachrichten – geht das überhaupt?
In der Festhalle ging es um einen anderen Aspekt seiner Arbeit: darum, wie man sich in Zeiten von „Fake News“, drei Jahren Krieg in der Ukraine und stetig neuen Dekreten von Donald Trump schützen kann vor einem Übermaß an schlechten Nachrichten. „Selten, fast nie, habe ich Gutes zu verkünden“, schreibt er dazu in seinem Buch „Glück im Unglück“. Er habe zu Zeiten der Coronavirus-Pandemie, mit viel Arbeit und ständigem Schichtdienst, deutlich gespürt: Nicht abreißende Horrornachrichten, sie machten auch etwas mit ihm. Und das, obwohl er bei schönen Dingen grundsätzlich gut von seinem Berufsalltag abschalten könne.
Constantin Schreiber hatte dazu ein denkwürdiges, fast schon historisches Erlebnis. Am 26. Februar 2022 sei ihm – nach einer Reihe zutiefst berührender Nachrichtenbeiträge in der „Tagesschau“ – etwas passiert, was ihm zuvor nie passiert sei.
„Ich war fix und fertig“, gestand er offen in seinem Vortrag. Unter dem Eindruck der zurückliegenden Sendung änderte er damals, ohne großes Grübeln, die bewährte Verabschiedungsformel – an und für sich ein Tabu bei der „Tagesschau“. Statt des obligaten „schönen Abends“ habe der den Zuschauern explizit einen „guten Abend“ gewünscht. Eine fein veränderte Bedeutungsnuance, die ihm jedoch passend erschien: „Alles andere wäre mir zu zynisch vorgekommen.“
Schreiber hat mit seiner vergleichsweise spontanen Aktion ein Vermächtnis geschaffen. Die Regularien für die Verabschiedung der Zuschauer werden bei der „Tagesschau“ seither weniger streng gehandhabt. Sie dürfen nach Ermessen des Moderierenden ausgestaltet werden und werden häufig an die gefühlte inhaltliche Schwere der Themen angepasst.
Klavierspielen macht glücklich – und das kann hilfreich sein
Schreiber selbst wurde damals eines klar: Es bedarf in Zeiten multipler Krisen kluger Kompensationsstrategien, um sich gegen – gefühlt permanent – schlechte Nachrichten zu schützen. Auch für ihn persönlich. Deshalb machte er sich aktiv daran, seine Resilienz zu trainieren, jene Kraft der Psyche, die hilft, Krisen und seelische Belastungen auszuhalten. Schreiber entdeckte das Klavierspiel wieder für sich: „Das macht mich wirklich glücklich!“Hilfreich sei es zudem, Talente und Werte zu leben, Frohsinn, Freundlichkeit, Liebe, Hoffnung, Humor und Ehrfurcht etwa. Und der 45-Jährige arbeitet kräftig an seiner inneren – positiven! – Einstellung. Eingedenk der Tatsache, dass sich 50 Prozent des Charakters formen lassen.
Der Gong steht im Keller des Funkhauses
Schreiber persönlich hilft zudem das Bewusstsein, dass nicht alles auf der Welt in seiner Hand liegt. Sprich: Manche Dinge kann man selbst einfach nicht ändern, sondern sollte sie nach Möglichkeit annehmen und akzeptieren. Im Gespräch mit Moderator Johannes Riedel plauderte der Gast zudem charmant und höchst unterhaltsam aus dem Nähkästchen der „Tagesschau“. Wer wusste schon, dass der Gong, der die bekannte Nachrichtensendung allabendlich einläutet, im Keller des Funkhauses steht und von Hand bedient wird?