Volkmar Mair, der am vergangenen Freitag im Alter von 93 Jahren gestorben ist, besuchte seine Tochter Stephanie Mair-Huydts regelmäßig im Verlagssitz in Ostfildern – hier im Mai 2023. Foto: Ines Rudel

Volkmar Mair prägte 50 Jahre lang den weltgrößten Reiseverlag MairDumont mit Sitz in Ostfildern. Bis zuletzt führte er das Leben eines Abenteurers. Übernommen hatt er einst in jungen Jahren den Verlag aus Pflicht. Jetzt ist er im Alter von 93 Jahren gestorben.

Beim letzten Anruf im Sommer 2023 war Volkmar Mair gerade bei Unteruhldingen aus dem Bodensee gestiegen, fast täglich zog er da seine Schwimmrunden – und das mit 92 Jahren. Der Bodensee war der Lieblingsort Mairs, der über 50 Jahre die Geschicke der Mediengruppe MairDumont aus Ostfildern in der Nähe von Stuttgart bestimmte. Hier tankte er Kraft, noch im hohen Alter zog er mit dem Segelboot seine Runden, wenn Wind aufkam. Am vergangenen Freitag ist Mair im Alter von 93 Jahren am Bodensee gestorben, wie seine Familie am Montagnachmittag mitteilte.

 

Seine Tochter Stephanie Mair-Huydts, die 2010 von Mair die Führung des Unternehmens übernommen hatte, würdigte den Vater mit den persönlichen Worten: „Volkmar Mair war ein großartiger Unternehmer und ein wunderbarer Vater. Mit Mut und Leidenschaft hat er unseren Verlag aufgebaut und war gleichzeitig immer für die Familie da. Sein Leben und Wirken sind uns ein großes Vorbild und werden uns stets inspirieren. Er war ein Pionier des Reisens.“

Bis zuletzt war Volkmar Mair „brennend“ am Verlag interessiert

Bis zuletzt pendelte Mair zwischen dem Bodensee und Stuttgart und besuchte die Tochter im Verlag in Ostfildern – meist dienstags. „Ich freue mich immer auf sie und ich habe den Eindruck, dass ihr es ebenso geht“, sagte er. Sie konnten gut miteinander und sahen sich auch außerhalb des Verlags regelmäßig. „Brennend interessiert“ war er am größten Reiseverlag der Welt. Einfluss nahm er da schon längst nicht mehr.

Mair, am 6. Mai 1931 in Innsbruck geboren, übernahm mit nur 26 Jahren den Verlag – sein Vater Kurt Mair war überraschend im Alter von 55 Jahren gestorben. Kurt Mair hatte das Unternehmen in einem von Bomben beschädigten Stuttgarter Büro als Kartografisches Institut gegründet. Sein „Shell Autoatlas“, der 1950 erstmals für 8,50 Mark erschien, sollte noch Jahrzehnte später in den Handschuhfächern liegen.

Als der Vater starb, wollte Volkmar Mair eigentlich noch promovieren – doch das war passé. „So lange konnte ich nicht warten, ich wusste ja nicht, wie gut die Geschäftsleitung sein würde“, sagte er. „Die Frage, ob ich es mache, stellte sich nie. Das waren andere Zeiten. Da hat man sich in die Pflicht gestellt und gesagt, das musst du machen. Die Familienfrage war damals größer als heute.“ Jeden Tag habe er „vor lauter Aufregung Galle gespuckt“, hart sei die Zeit gewesen. Das Versprechen an den Vater zu promovieren, habe er dennoch erfüllt.

Sein Weg war riskanter, als es sich sein Vater wohl gewünscht hätte

Geschäftlich ging Volkmar Mair aber seinen ganz eigenen Weg – wohl riskanter, als es der Vater gemacht hätte. Um die neue Generalkarte oder den Shell-Atlas unter die Leute zu bringen, gab er für die erste Werbung sehr viel Geld aus. „Ich habe gedacht, entweder kommen die Bestellungen in Waschkörben oder wir sind pleite – aber ich war überzeugt, ich musste das machen.“ Der Shell-Atlas wurde zeitweise zum meistverkauften Buch in Deutschland.

Zu den zahlreichen Höhepunkten der ungewöhnlichen Karriere zählte auch die Zeit nach dem Mauerfall, als die Karten und Reiseführer des Verlags boomten, weil Millionen von DDR-Bürgerinnen und -Bürger endlich frei reisen konnten. 1989 verteilte Volkmar Mair mit seiner Tochter Stephanie und seinem Sohn Frank an der deutsch-deutschen Grenzkontrollstelle Rudolphstein Karten, die in der DDR Mangelware waren. 1991 brachte Mair den Marco Polo auf den Markt, der meistverkaufte aller Reiseführer. „Das war eine Sternstunde für den Verlag“, sagt seine Tochter. Marco Polo sei „der einzige Entdecker, der friedlich unterwegs war, der Ost und West verbunden hat“.

Volkmar Mair setzte weiter auf Expansion. 1998 übernahm er den Falk Verlag, 2004 übernahm er den DuMont Reiseverlag und benannte die Mediengruppe in MairDumont um. Als er 2010 den Verlag der Tochter übergab, übertrug er auch eine der großen verlegerischen Erfolgsgeschichten der Region Stuttgart. Jeder zweite in Deutschland gekaufte Reiseführer stammt von hier – allen voran Polo, Dumont und Baedeker, aber auch die Karten von ADAC, Falk oder Kompass.

Die Übergabe sei ihm nicht schwergefallen, sagt er. Schließlich habe er sein Tochter jahrelang mit den Aufgaben wachsen gesehen. „Ich wusste immer, sie ist taff – und dass das Ding bei ihr in guten Händen ist.“ Mit Freude und Interesse verfolgte er, wie seine Tochter gemeinsam mit dem kaufmännischen Geschäftsführer Markus Schneider das Familienunternehmen führte. Mair-Huydts trieb das Konzept der auf Zielgruppen maßgeschneiderten Reiseführer immer weiter. Rund 1000 Titel und vier Millionen verkaufter Bücher bot das Verlagsprogramm zuletzt, dazu noch zwei Millionen verkaufter Karten.

Bei den Abenteuer-Reisen waren die Kinder oft dabei

Für ihn sei die Tochter „die beste Verlegerin in der Reisebranche, das hängt auch damit zusammen, dass sie die Welt kennt und am Anfang ihrer Karriere oft im Ausland gearbeitet hat. Sie hat ein enormes Durchhaltevermögen, ihre Energie ist unglaublich“, sagte Mair.

Schon früh habe er mit ihr und ihrem Bruder Frank, der selbst später lange in der Geschäftsführung von MairDumont arbeitete, Berge wie den Wilden Kaiser bestiegen. Oder die Kinder auf seine Segeltörns mitgenommen, auch bei Sturm – „das waren muntere Touren“, wie er sagte.

Er selbst hat „zwei wilde Reisen“ gemacht, wie er es nannte – einmal segelte er um das Kap Horn, die andere ging an Bord eines russischen Eisbrechers an den Nordpol.

Jetzt hat er selbst seine letzte Reise angetreten. „Volkmar Mair war bekannt für seinen unerschütterlichen Optimismus und seine Begeisterungsfähigkeit. Bei allem Erfolg blieb er stets bescheiden und überzeugte durch seinen respektvollen Umgang und seine Menschlichkeit“, würdigten ihn seine Familie und das Unternehmen.