Volker Grimminger (rechts) ist seit Dezember 2023 Chefcoach der Young Boys Reutlingen und schreibt seither mit dem Team eine Erfolgsgeschichte. Am Freitag gastiert man in Holzhausen. Foto: IMAGO/Eibner

Volker Grimminger, Trainer der Young Boys Reutlingen, spricht vor dem Gipfeltreffen in Holzhausen mit uns. Er wird die Partie entweder auf Krücken oder im Rollstuhl verfolgen.

Wenn sich am Freitagabend (18.30 Uhr) der FC Holzhausen und die Young Boys Reutlingen gegenüberstehen, wird auf jeden Fall Bewegung in den Titelkampf der Verbandsliga kommen.

 

Cheftrainer Volker Grimminger könnte mit den Reutlingern Historisches schaffen, und den erst 2006 gegründeten Club pünktlich zum 20. Jubiläum erstmals in die Oberliga führen. Der 46-Jährige, der vergangene Woche Dienstag an der Patellasehne operiert wurde, spricht vor dem Topspiel ausführlich mit unserer Redaktion.

Zweite Niederlage gegen Calcio

Hallo Herr Grimminger, nach der 0:1-Niederlage am Sonntag gegen Calcio Leinfelden-Echterdingen starten Sie mit einem ungewohnten Gefühl in die Woche. Kurz gefragt: Was hat Ihre Mannschaft am Sonntag schlechter als zuvor gemacht?

Ganz einfach: Wir haben unsere Chancen nicht genutzt. Das Spiel kann auch 8:1 für uns ausgehen, anders wie im Hinspiel, als wir blutleer aufgetreten sind. Vielleicht kommen auch die Nerven ein wenig ins Spiel, weil wir immer näher vor dem großen Ziel stehen. Oder aber es war ein wenig der Schlendrian dabei, weil Holzhausen nur Unentschieden gespielt hat.

Sie sprechen es an: Der FCH hatte am Samstag „nur“ ein 1:1 vorgelegt. Macht es das noch ärgerlicher?

Ich schaue nicht so sehr nach Holzhausen. Wir wollen einfach unseren Job machen. Selbst wenn wir in Holzhausen verlieren, kann der FCH nichts machen, wenn wir unsere anderen Aufgaben erledigen. Da liegt unser Fokus, das versuche ich auch der Mannschaft zu übermitteln.

Nun steht am Freitag ja das Topspiel an: Sie reisen mit acht Punkten und einem Spiel mehr an. Ist die Partie trotz der jüngsten Niederlage vielleicht schon eine Chance für die Vorentscheidung?

Ja, ich denke schon! Es ist ein kleiner Matchball. Wenn wir nicht verlieren, lassen wir uns das nicht mehr nehmen. Es treffen die besten und konstantesten Teams der Liga aufeinander. Es wird nach dem Hinspiel sicherlich auch hitzig werden. Wir freuen uns sehr auf die Partie, wegen solchen Begegnungen spielt man Fußball.

Was erwarten Sie für eine Partie? Im Hinspiel waren sie total dominant und siegten verdient mit 4:2.

Ich denke, es wird ähnlich werden. Sicher gibt es kein 0:0. Ein 6:5 wäre doch schön (schmunzelt). Spaß beiseite: Wir wären auch mit einem Punkt sehr zufrieden. Die Mannschaft kann aber gar nicht auf Remis spielen, bei uns geht es immer volle Post nach vorne.

An der Patellasehne verletzt

Hätten sie den FCH nach der Verletzung von Janik Michel so stabil in diesem Jahr erwartet?

Ja, ich dachte schon gleich danach, dass sie stärker werden können. Andere Spieler mussten nun mehr Verantwortung übernehmen und raus aus seinem Schatten kommen. Sie spielen in jedem Fall besser gegen den Ball. Mit Tim Steinhilber und Jovan Djermanovic haben sie zwei Knipser, das hätte ich so nicht erwartet. Wir werden auf jeden Fall gut vorbereitet sein.

Stichwort Verletzung, die Frage nach der Gesundheit hätte eigentlich gleich an den Anfang gehört: Wie geht es Ihnen denn aktuell und was ist überhaupt passiert?

Bei einem meiner Feriencamps haben wir am Schluss wie immer ein Spiel der Eltern und Trainer gegen die Kinder gemacht. Wir waren gerade auf dem Weg zum 4:0, da wollte ich einen Schritt machen und mein Fuß ist irgendwie nicht mitgekommen. Die Kniescheibe hat es bis Mitte Oberschenkel verschoben. Die Patellasehne ist gerissen, es war eine aufwendige Operation.

Noch am selben Abend saßen Sie mit einem Rollstuhl bei einem Spiel Ihrer Mannschaft an der Seitenlinie. Wie wird es am Freitag sein und inwieweit behindert die Verletzung ihr sehr aktives Coaching?

Ich werde entweder auf Krücken oder im Rollstuhl kommen. Normalerweise laufe ich immer gerne ein paar Schritte während dem Spiel, das wird nicht gehen. Aktuell darf ich den Fuß noch gar nicht belasten, also es ist nicht ideal.

Hoffnung auf ein Stadtderby

Noch einmal weg vom Spiel: Sie könnten mit Ihrer Mannschaft Geschichte schreiben. Wie nehmen Sie die Stimmung im Verein und der Stadt aktuell wahr?

Es herrscht große Aufbruchsstimmung. Es entsteht auch ein komplett neues Areal mit Kabinen und vielem mehr, das wird den Verein extrem aufwerten. Für die Stadt Reutlingen wäre es toll, wenn man kommende Saison zwei Oberligisten hätte. Die richtigen SSV’ler hassen uns natürlich, aber ein Oberligaderby wäre eine tolle Sache.