Welche Schätze verbergen sich auf den Dachböden im Kinzigtal? Dieser Frage geht unsere Redaktion in einer Serie nach. Beim Stöbern über dem Hotzenwaldhaus Kindheitserinnerungen.
Jeder Hof im Freilichtmuseum widmet sich einem Thema, wie der wissenschaftliche Leiter Thomas Hafen unserer Redaktion beim Rundgang erklärt. So sind auf jedem Dachboden auch diesem Thema geschuldete Ausstellungsgegenstände zu finden. Auf dem Lorenzenhof zum Beispiel geht es um Mobilität und auf dem Dachboden sind mehre Kutschen, Schlitten und Handkarren aufgestellt. Besonders beliebt aber ist der Dachboden des Hotzenwaldhauses – vor allem, aber nicht nur bei Kindern. Denn dort ist der „Dachboden der Kindheit“.
Am Eingang hängt ein fast lebensgroßer Holzmann in blauer Latzhose und mit Strohhut, der „Menne“, wie Hafen erklärt. „Der ,Menne’ erinnert an den Museumsgründer Hermann Schilli. Überall, wo er zu sehen ist, gibt es etwas für Kinder“, führt der wissenschaftliche Leiter aus. Und über dem Hotzenwaldhaus lässt sich davon jede Menge entdecken. Gleich nach dem Eintreten kommt der Besucher in einen großen Raum, der an ein früheres Klassenzimmer erinnert. Alte Schulbänke aus Holz stehen in der Mitte, davor eine Landkarte des Schwarzwalds, wie sie früher im Erdkundeunterricht aufgehängt wurden. Highlight des Raums ist aber ein kleines Karussell aus den 50er-Jahren. Fast ohne Pause sitzt ein Kind darin. „Das stand früher im Wartezimmer einer Klinik in Donaueschingen. Als diese aufgelöst wurde, haben wir das Karussell bekomme“, weiß Hafen. Die Schulbänke sind ebenfalls eine Spende von einer Grundschule in der Nähe von Königsfeld. „Wir in der glücklichen Lage, dass alles, was hier steht, Schenkungen sind“, so Hafen.
Und das Museum bekommt jede Menge alte Kostbarkeiten. Der „Dachboden der Kindheit“, ist vollgestopft davon und in jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken, wenn man die Augen offen hält. Kinderwagen aus den 1920er-Jahren stehen neben ähnlich alten, kleineren Versionen für Puppen, es folgt ein historischer, riesiger Schlitten mit rotem Samtbezug und wer den Kopf hebt, sieht an den Wänden aufgehängt historische Fahrräder. „Voll funktionstüchtig, aber wahrscheinlich nicht so bequem wie die heutigen Räder“, vermutet Hafen.
Egal wie alt sie sind, Kinder lieben Schaukelpferde
Eine weitere Besonderheit des „Dachbodens der Kindheit“ ist das Spiegelkabinett, ein Raum, dessen Wände mit Spiegeln gepflastert ist. In der Mitte steht ein einsames, altes Schaukelpferd. Die Idee für das Spiegelkabinett sei dem Museumsteam gekommen, weil sie eine große Menge Spiegel übrig hatten. Mit dem Holzpferd in der Mitte solle der Eindruck entstehen, dass hunderte Pferde im Raum sind. Doch die meisten Kinder achten gar nicht auf die Reflexionen, sondern nur auf das Spielzeug. Kleinkinder sind genau so fasziniert von dem historischen Spielzeug wie ältere Kinder. So mancher Elternteil muss schlichtend eingreifen und klären, wer das Pferd als erstes besteigen darf. „Die Begeisterung für Schaukelpferde kennt kein Alter“, meint Hafen.
Den Kleinen zu folgen fällt so manchen Erwachsenen schwer, denn die Decke hängt niedrig. Der Übergang zum „Truhenraum“ ist aber noch herausfordernder. Wer dort hin will, muss durch einen Reifen kriechen. Aber der sportliche Eintritt lohnt sich: Die umherstehenden Truhen laden zum Stöbern und Entdecken ein. Wer die Deckel anhebt, findet altes Spielzeuge aller Art, von Brettspielen über Skier und Modelleisenbahnen bis zu kleinen Handwerker-Sets. Der Großteil davon stamme aus den Jahren von 1900 bis 1940, berichtet Hafen. Die umherwuselnden Kinder sind vor Begeisterung kaum zu halten und rennen von einer Truhe zur nächsten. Ob Spielzeug modern ist oder 100 Jahre alt ist, scheint keinen Unterschied zu machen.
In einem Schrank sind sogar Gespenster versteckt
Ruhiger wird es im angrenzenden Märchenraum, in dem ein flauschiges Sofa und Sessel zum Hinsetzen, Lesen und Lauschen einladen. „Wir veranstalten hier immer wieder Märchenstunden und Vorleseabende“, erklärt Hafen den Zweck des Zimmers. In einem Schrank werden sowohl alte Märchenbücher als auch neuere Kinderbücher aufbewahrt. Grundsätzlich lohnt es sich, einen Blick in die umherstehenden Schränke zu werfen. In einem sind sogar Gespenster versteckt. Dass der „Dachboden der Kindheit“ fast immer die Beliebtheitsskala der Besucher anführt, liege aber nicht nur daran, dass Kinder und jüngere Erwachsene das Stöbern und Entdecken genießen.
„Für Ältere ist es eine Reise in die eigene Kindheit“, erklärt der wissenschaftliche Leiter. Und das bestätigt wie aufs Stichwort ein Senior, der beim Anblick der historischen Schulbänke Einzelheiten aus seiner Schulzeit berichten kann. „40 bis 80 Kinder in von Klasse eins bis acht einem Klassenraum. Da waren die Lehrer noch Dompteure“, berichtet er.
Offene Werkstatt
Im Hotzenwaldhof ist auch die Offene Werkstatt des Museum zu finden. Dort gibt es über die Ferien verschiedene n Mitmachangebote. Weitere Infos unter www.vogtsbauernhof.de.