Welche Auswirkungen hat die grassierende Vogelgrippe auf die Geflügelzüchter vor Ort? Benjamin Blickle, der in Winterlingen Gänse züchtet, ist alarmiert, aber nicht ängstlich.
„Die Vogelgrippe war schon während meiner Ausbildung in Meßstetten immer mal wieder Thema“, erinnert sich Benjamin Blickle, der in Winterlingen 700 Gänse aufzieht, die sich auf Weiden frei bewegen können und ein schönes Leben führen. Dass sich dies auf die Fleischqualität auswirkt, wissen die Kunden der Familie Blickle, und nicht wenige bangen nun, angesichts täglicher Meldungen über die grassierende Vogelgrippe, um ihre Weihnachts- oder Martinsgans.
Die schnatternde Schar von Benjamin Blickle ist nicht befallen, und der Landwirt hatte in 20 Jahren, in denen er schon Gänse züchtet, auch noch nie mit der Vogelgrippe zu tun. „Aber ganz wohl ist mir nicht“, sagt er. „Diesmal scheint es mit der Ausbreitung doch schlimmer zu sein als sonst.“
Tagsüber genießen die Gänse das Leben draußen
Nachts lässt Benjamin Blickle seine Gänse ohnehin im Stall, aber tagsüber dürfen sie bisher noch raus. „Sollte das Veterinäramt eine Aufstallpflicht verhängen, müssten wir etwas machen, um den Tieren genug Raum zu verschaffen, denn der Stall ist voll. Nachts ist das okay, aber tagsüber?“ Das täte auch der Qualität nicht gut, befürchtet Blickle.
Zu Martini – der Gedenktag von Sankt Martin wird am 11. November gefeiert – verringere sich der Bestand etwas, erklärt Blickle, denn die Martinsgans wird traditionell an diesem Tag aufgetischt, weil Gänse im vierten Jahrhundert nach Christus das Versteck des späteren Heiligen durch ihr Schnattern verraten haben sollen. Der bescheidene Mann hatte sich im Gänsestall versteckt, um der Weihe zum Bischof von Tours zu entgehen.
In Blickles Stall verstecken sich keine Männer, aber die Gefahr, dass Gänseherden im Freien durch Kontakt mit erkrankten Zugvögeln infiziert werden könnten, ist ihm wohl bewusst. „Wir beobachten die Entwicklung genau“, versichert er. „Bis jetzt wurde noch keine Aufstallpflicht verhängt, aber das kann sich schnell ändern.“
Geschlachtet werden die Tiere ohnehin
Geschlachtet werden seine schneeweißen Vögel ohnehin bis Weihnachten, wenn die Kunden wieder Schlange stehen werden nach den leckeren, gut gewachsenen Tieren. Sie nicht für die Kunden, sondern für die Tierbeseitigung schlachten zu müssen, täte Blickle freilich sehr weh, wie er betont – weil er doch eine starke Bindung zu ihnen hat.
Viel besser als Kartoffelsalat mit Würstchen
„Wirtschaftlich ist die Geflügelhaltung bei uns eher zu vernachlässigen, macht keine zehn Prozent vom Umsatz aus“, sagt Blickle, der in den vergangenen Jahren viel in Milchviehhaltung investiert und den Bestand an Kühen erhöht hat. „Als der Milchpreis am Boden war und der Bestand kleiner, waren die Gänse ein ordentliches Zubrot“, sagt er. Heute sei ihre Haltung „eher ein Hobby von mir, aber so lange sich meine Mutter und meine Schwester um die Vermarktung kümmern, machen wir das weiter“.
Seine Kunden freut es, und Bestellungen für Weihnachtsgänse sind auch schon eingegangen. Sie hoffen nun, dass Blickles Gänse gesund bleiben – und sie nicht am Christfest auf Kartoffelsalat mit Würstchen umschwenken müssen.