Die Vogelgrippe greift deutschlandweit um sich. Der Schwarzwald-Baar-Kreis blieb bislang verschont, dennoch verfolgen Züchter und Halter die Lage mit Sorge.
Die Vogelgrippe breitet sich in Deutschland weiter aus. Über eine halbe Million Nutztiere mussten getötet werden, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Der Süden Deutschlands blieb bislang weitestgehend verschont, doch von Entwarnung kann nicht die Rede sein. „Ich erwarte natürlich, dass die Seuche nach Süden fortschreitet“, sagte kürzlich Baden-Württembergs Agrarminister Peter Hauk (CDU) im Morgenmagazin von ARD und ZDF.
Im Schwarzwald-Baar-Kreis sind die Geflügelhalter in Alarmbereitschaft und verfolgen die Ausbreitung der Seuche. „Die Stimmung ist sehr beobachtend und bedrückend“, sagt Stefan Dörflinger für den Geflügelzuchtverein 1899 Villingen und Umgebung, unter dessen Dach rund 1000 Tiere bei zwölf Züchtern gehalten werden.
Gerade in den Herbstmonaten seien viele Ausstellungen, bei denen die Tiere ausgezeichnet werden. Das ganze Jahr über widmen sich die Züchter der Aufzucht und Pflege ihrer Tiere, um dort erfolgreich zu sein. In der Vergangenheit mussten solche Ausstellungen wegen der Vogelgrippe jedoch auch schon abgesagt werden, so Dörflinger.
Die Gefahr wird seitens des Landes- und Kreisverbands der Badischen Rassegeflügelzüchter natürlich gesehen und beobachtet, schildert Dörflinger. „Eine solche Ausbreitung und Übertragung geht schneller als man denkt.“
Auch Tanja Ganschow von „Borg n’Huhn“ verfolgt die Ausbreitung der Vogelgrippe in Deutschland. Die Villingerin besitzt zwanzig Hühner, die sie unter anderem an Kindergärten, Familien und Schulen vermietet. „Ich bin auf keinen Fall überbesorgt“, sagt die Hühnerhalterin, betont aber, die aktuelle Situation streng zu verfolgen, um immer „up to date“ zu sein.
Im Falle einer Ausbreitung der Vogelgrippe in der Region würde Ganschow ihre Tiere von den Mietern zurückholen. Da die Vermietung ohnehin nur bis Ende Oktober läuft, sind inzwischen jedoch alle Hühner wieder bei ihr auf dem Grundstück. Dort leben sie in einer geschlossenen Voliere, durch die nicht einmal ein Spatz gelange, und seit November zusätzlich in einem Stall.
Zu diesen Maßnahmen rät das Landratsamt
Die Vogelgrippe wurde zuletzt am 12. Januar 2022 im Schwarzwald-Baar-Kreis bei einem wildlebenden Greifvogel festgestellt, teilt Heike Frank, Pressesprecherin des Landratsamts Schwarzwald-Baar-Kreis auf Anfrage unserer Redaktion mit. Bei den vergangenen Seuchenzügen bei Wildvögeln sei das Ausbruchsgeschehen im Schwarzwald-Baar-Kreis jeweils auf das Gebiet rund um Donaueschingen begrenzt gewesen, so Frank, betont jedoch: „Eine sichere Vorhersage lässt sich daraus aber nicht ableiten.“
Um die eigenen Tiere vor der Vogelgrippe zu schützen, rät das Landratsamt zu einer Reihe von verschiedenen Biosicherheitsmaßnahmen. Dazu zählt unter anderem direkten oder indirekten Kontakt gehaltener Tiere mit Wildvögeln dringlichst zu vermeiden, die Haltungseinrichtungen nur mit spezifischer Kleidung zu betreten einschließlich die Schuhe zu wechseln und Futter, Einstreu und sonstige Gegenstände, die mit Geflügel in Berührung kommen können, für Wildvögel unzugänglich aufzubewahren. Darüber hinaus rät das Landratsamt dazu, Geflügel bei Auslauf- oder Freilandhaltung ausschließlich im Stall zu füttern und die Tiere nur mit Leitungswasser zu tränken.
Was passiert bei einem Verdachtsfall?
Sollte es dennoch zu einem Verdachtsfall im Schwarzwald-Baar-Kreis kommen, gibt es einen genauen Ablauf. „Bei einem Verdachtsfall in einem Haltungsbetrieb informiert der Landwirt das Veterinäramt“, schildert Frank. Ein Verdachtsfall bei Wildvögeln werde hingegen meist aus der Bevölkerung – beispielsweise durch Ornithologen, Jäger oder Spaziergänger – gemeldet und der Wildvogel dann vom Veterinäramt geborgen. Die Proben werden zunächst am Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg untersucht und im positiven Fall vom Friedrich-Loeffler-Institut bestätigt, so Frank.
Sollte sich die Vogelgrippe tatsächlich in der Region ausbreiten, kann das Landratsamt eine Stallpflicht erlassen.
Impfstoff aktuell noch nicht zugelassen
Schützen könnte die Tiere eventuell eine Impfung. „Die Impfung gegen Vogelgrippe steht weiterhin zur Diskussion“, sagt Stefan Dörflinger. Aktuell gebe es jedoch noch keinen zuverlässigen Impfstoff und damit auch keine Impfempfehlung für Hobbyhalter.
Symptome der Vogelgrippe
Die Seuche
„Man erkennt die Vogelgrippe bei Hühnern an hoher Sterblichkeit, Atemnot (Husten, Niesen), Mattigkeit, ausgeprägtem Rückgang der Legeleistung und Futter- beziehungsweise Wasserverweigerung“, schildert Stefan Dörflinger. Weitere deutliche Anzeichen seien Schwellungen oder bläuliche Verfärbungen im Kopfbereich (Kamm, Kehllappen), wässriger Durchfall, ein struppiges Gefieder und neurologische Symptome wie Gleichgewichtsstörungen oder eine starre Kopfhaltung (Sternguckerhaltung), erklärt er. Auch Tanja Ganschow weiß um die vielen Symptome und die hohe Sterblichkeit, betont aber auch, dass die Symptome nicht zwingend auf die Vogelgrippe hindeuten müssen, sondern auch andere Krankheiten die Ursache sein können.