Helmut Opitz berichtete über das Rebhuhn, den Vogel des Jahres 2026. Foto: Axel Dach

Helmut Opitz, NABU-Vizepräsident a.D., hat auf Einladung des NABU Lahr in der Volkshochschule Lahr zum Rebhuhn, dem Vogel des Jahres 2026, anschaulich berichtet.

Helmut Opitz sprach zunächst im Allgemeinen über das Rebhuhn, das zur Familie der Hühnervögel gehört. Auf Nachfrage erzählte er, dass auch in der offenen Feldflur unserer Region das Rebhuhn inzwischen zu den Vögeln gehöre, deren Bestände drastisch zurückgegangen seien. Dabei war der gedrungene Hühnervogel mit seinem rostbraunen Gesicht und dem typischen „Bauchfleck“ früher ein vertrauter Anblick in der Ortenau.

 

„Heute dürften rund 90 Prozent der Bestände verschwunden sein“, sagte der Vogelexperte Helmut Opitz. Genaue Zahlen für unsere Region gebe es zwar nicht, doch ein kleiner Restbestand sei noch vorhanden – ein letztes leises Zeichen dafür, dass die Landschaft hier noch nicht völlig verarmt sei. Auch bundes- und europaweit ist die Entwicklung dramatisch, denn seit 1980 sind die Bestände des Rebhuhns europaweit um rund 90 Prozent eingebrochen. Auf der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands gilt das Rebhuhn inzwischen als „stark gefährdet“.

Dass das Rebhuhn zum Vogel des Jahres 2026 gewählt wurde, ist deshalb auch ein Weckruf. Bereits 1991 sei das Rebhuhn zum Vogel des Jahres gewählt worden, berichtete Opitz, doch genutzt habe das nicht viel, denn bis heute seien die gleichen Probleme wie damals vorhanden. Der starke Rückgang insgesamt hat nach Einschätzung von Opitz klare Ursachen, denn die Kulturlandschaft sei vielerorts zu „aufgeräumt“ und nicht mehr strukturreich genug. Feldraine, Brachen, niedrige Hecken und Altgras, die früher wie ein Netzwerk aus Verstecken und Nahrungsquellen für das Rebhuhn wirkten, fehlen zunehmend.

Stattdessen prägen große Schläge und Monokulturen das Bild. Für das Rebhuhn bedeutet das weniger Nahrung, weniger Rückzugsräume und kaum Deckung vor Feinden. Pestizideinsätze und ein zunehmender Druck durch Fressfeinde wie beispielsweise Fuchs, Marder oder Greifvögel mangels fehlender Rückzugs-, Lebensraum- und Brutorte gefährden den Hühnervogel ebenfalls, also ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, das den Feldvogel vielerorts an den Rand des Verschwindens gebracht hat.

Zusätzliche Gefährdung durch Jagderlaubnis

Opitz gab zu bedenken, dass auf das Rebhuhn, einer aussterbenden Art, sogar laut Bundesjagdschutzgesetz in bestimmten Monaten geschossen werden dürfe. Hierdurch sei zwar das Rebhuhn nicht ausgerottet worden, jedoch zusätzlich gefährdet. Opitz machte deutlich, dass die Lage für das Rebhuhn in unserer Region noch nicht ganz so hoffnungslos sei wie in manchen Regionen Nord- und Ostdeutschlands, wo die Landwirtschaft noch intensiver betrieben werde.

„Es ist noch nicht alles verloren“, betonte er. Doch das Rebhuhn sei ein Gradmesser, denn wo es verschwindet, geraten meist auch andere Feldarten unter Druck, die ähnliche Ansprüche an ihren Lebensraum haben. Sein Rückgang steht damit stellvertretend für den Verlust an Artenvielfalt in der Feldflur.

Hoffnung machen Maßnahmen, die vergleichsweise einfach umzusetzen wären wie beispielsweise mehr Brachen, mehrjährige Blühflächen entlang von Wegen und Feldern, das Stehenlassen von Altgras, niedrig wachsende Hecken und ein späterer Zeitpunkt für die Mahd. Auch Zwischenfrüchte zwischen den Hauptkulturen sowie Klatschmohnstreifen könnten helfen, berichtete Opitz. Entscheidend sei zudem, Äcker nicht sofort nach der Ernte vollständig zu pflügen, damit Insekten und Pflanzen Rückzugsräume behalten.

Damit solche Veränderungen wirken, brauche es vor allem gemeinsames Handeln. Landwirtschaft, Gemeinden, Naturschutz, Jägerschaft und auch Bürger sollten an einem Strang ziehen. Projekte wie „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ zeigen, wie Kooperation gelingen kann. Hier nannte er als Beispiel Tübingen.

Opitz könne in unserer Region zwar noch Rebhühner beobachten, jedoch möchte er die genauen Orte nicht nennen, damit die wenigen Rückzugsorte des Rebhuhns vor unnötiger Störung durch den Menschen bewahrt werden können. Denn für das Rebhuhn zähle heute jeder geschützte Meter Feldrand. Opitz sehe großes Potenzial für das Rebhuhn in unserer Region im Naturschutzgebiet Waldmatten auf der Gemarkung Schwanau-Nonnenweier.

Weitere Infos

Wer mehr über das Rebhuhn und den Schutz dieses Vogels erfahren möchte, kann sich auf der NABU Seite Baden-Württemberg unter baden-wuerttemberg.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/rebhuhn informieren. Ein Porträt des Vogels des Jahres 2026 findet man unter nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/portraets/rebhuhn/.