Die Unternehmen, die den Ortenaukreis ans Glasfasernetz bringen sollen, stehen in regelmäßiger Kritik. Wieso das Ganze nicht in Eigenregie machen? Weil es laut Landrat Frank Scherer „völlig unrealistisch“ ist.
„Immer wieder hört man aus der Presse oder an Infoständen von Anwohnern, dass der Glasfaserausbau doch nicht so schnell vorankommt wie geplant.“ Mit diesen Worten wandte sich Kreisrätin Jana Schwab (Liste Lebenswerte Ortenau) mit einem öffentlichen Brief an Landrat Frank Scherer. Darin stellte die junge Offenburgerin Fragen, denen der Landrat am Freitagmorgen Rede und Antwort stand.
„Der geförderte Glasfaserausbau hängt unter anderem von der Bereitstellung der Fördermittel durch Bund und Land ab, auf die wir keinen Einfluss haben“, begründet Scherer die Verzögerungen. In Schwabs Augen ist das jedoch nicht der einzige Grund: „Große Konzerne – also Vodafone, Deutsche Glasfaser oder Telekom – beauftragen Sub-Unternehmen mit dem Ausbau. Diese gehen dann während oder vor dem Bau oftmals pleite oder die Vergabekosten werden so niedrig angesetzt, dass sich erst gar niemand meldet.“
Ausbau in Eigenregie würde eine Milliarde Euro kosten
Zudem bestehe bei jenen Sub-Unternehmen laut Gewerkschaften der Verdacht auf Lohnprellerei und Schwarzarbeit, so Schwab. Wieso das Ganze also nicht selbst in die Hand nehmen? „Ein vollständiger Glasfaserausbau in Eigenregie würde den Kreis sowie die Städte und Gemeinden etwa eine Milliarde Euro kosten“, so Scherer und fügt an: „Aufgrund der grob geschätzten Gesamtkosten wäre ein Ausbau von Glasfaser ohne das Zusammenspiel aus Telekommunikationsunternehmen und gefördertem Ausbau völlig unrealistisch.“ Zumal der Kreis ohne die Marktteilnehmer keine Fördermittel beantragen könne. Zu den Vorwürfen – also, dass den Arbeitern kein Lohn gezahlt werde – sei im Ortenaukreis nichts bekannt, so der Landrat weiter.
Anders sieht das beim mutmaßlichen Baupfusch aus. „Im Rahmen des Ausbaus durch die Telekommunikationsunternehmen, der mittlerweile in 34 Kommunen gestartet wurde, treten wiederholt die gleichen Probleme auf: Unsaubere Wiederherstellung der Straßenoberflächen, sogenannte mindertiefe Verlegung von Leerrohren, Überbau bestehender Leitungen, ausländische Bauarbeiter in Verbindung mit Sprachproblemen oder mangelnde Kenntnisse über deutsche Baunormen“, zählt der Landrat auf. Dennoch zeigt er sich optimistisch: „Die aktuellen Planungen sehen eine 70-prozentige Glasfaserquote in der Ortenau bis 2027 vor“, so Scherer.
Info – Sicherheit für Pfleger
Auf Jana Schwabs Frage, wie es um die Sicherheit der Fachkräfte in den geplanten Klinik-Neubauten stehe, antwortet Landrat Frank Scherer: „Dem Ortenaukreis sowie dem Ortenau-Klinikum ist es ein wichtiges Anliegen, für Patienten und Beschäftigte eine sichere Umgebung zu errichten.“