Siegfried Gruhler, Patensohn Darron John und Florian Daniels haben bis zur Wiedereröffnung Anfang Oktober noch viel zu tun.Foto: Fahrland Foto: Schwarzwälder Bote

Lokal: Umbau mit Leader-Zuschüssen / Neuer Pächter

Die Bauarbeiten zur Sanierung der Wittershauser Kult-Gaststätte laufen auf Hochtouren. Ab Oktober wird der neue Pächter und Koch, Florian Daniels, frischen Wind in die "Linde" bringen.

Vöhringen-Wittershausen. Der Wirt hat nach 27-jähriger Pachtzeit Mitte März seinen wohlverdienten Ruhestand angetreten. Mit Eigentümer Siegfried Gruhler ist sich Nachfolger Florian Daniels einig, dass "der originale Charme", den die Gäste mit "Fuzzy Deutschland" verbinden, erhalten werden soll.

Der weit über die Dorfgrenzen bekannte Name des Gasthauses und die Klassiker auf der Speisekarte werden beibehalten. Beim Betreten soll man sofort erkennen, wo man sich befindet, "denn das hier ist gelebte Dorfgeschichte", schwärmt Daniels, der aus Blumberg stammt und in Bochingen wohnt. Er erhält einen Existenzgründerzuschuss und legt seine Prioritäten momentan auf die Fertigstellung der Küche und der Gasträume. Dunkles Holz und helle Wände sollen das Ambiente bestimmen. Die Stühle erhalten neue Polster, ein neuer Tresen wird wieder zum Dreh- und Angelpunkt. Die Elektrik wurde erneuert. In der Küche wird eine neue Absaugung installiert, die Fliesen werden mit Edelstahl verkleidet. Nebenan entsteht eine neue Kaltküche zur Vorbereitung von Salaten. Nur einen Billardtisch wird es im Nebenzimmer nicht mehr geben. Stattdessen sind eine Dartscheibe und ein Tischkicker angedacht. Die Wohnung im Obergeschoss wird in Betriebsräume umgewandelt. Hier entstehen ein Büro, Lager-, Pausen- und Besprechungsraum sowie Dusche und WC fürs Personal.

Gruhler arbeitet derweil unter dem Lindensaal im Keller. "Es macht mich stolz, dass dies die erste emissionsfreie Gaststätte im ganzen Landkreis war", kommentiert Gruhler den Anschluss ans örtliche Nahwärmenetz vor einiger Zeit. Nun hat sich der 66-Jährige dazu entschlossen, die "Linde" als dörfliche Begegnungsstätte zu erhalten und nimmt dafür "viel Geld in die Hand und ein Mords-Risiko in Kauf". Unter anderem müssen Brandschutz und Statik verbessert werden. Ein Leader-Zuschuss deckt 25 Prozent der förderfähigen Kosten. Sie betreffen die energetische Aufrüstung, die Kaltküche und die Bühne mit Lichttechnik, um die Gaststätte als kulturellen Treffpunkt zu nutzen. Auch das linke Dach wird erneuert.

Großen Wert legt Gruhler auf fachkundige hiesige Handwerksbetriebe. Er selbst arbeitet auf der Baustelle mit. Zehn Kilo hat er seit Baubeginn abgenommen. Patensohn Darron John geht ihm tatkräftig zur Hand. Auch von Familie und Bekannten wird Gruhler unterstützt. Zum Ausgleich greift der passionierte Musiker abends in die Tasten seines Klaviers oder Akkordeons.

"Wenn nicht jetzt, wann dann?", sagte sich sein neuer Pächter. Der Quereinsteiger Florian Daniels hat sich auf seinen beruflichen Neuanfang als Gastronom gründlich vorbereitet. Seit 17 Jahren verkehrt der 39-Jährige bei "Fuzzy Deutschland". Er beschreibt sich selbst als technikverliebten Logistiker und fanatischen Koch, der sich schon als Achtjähriger für die Küche interessierte. Obwohl er seither 2000 Kochbücher sammelte, lernte er Industriekaufmann und arbeitete als Einkaufs- und Logistikleiter. Seine private Kücheneinrichtung hat den Gegenwert eines großen Mittelklassewagens. Mit Hingabe experimentiert er bei der Herstellung exklusiver Kräutersalze und Gewürzmischungen. Rückblickend stellt der Feinschmecker fest: "Ich hätte schon damals Koch werden sollen." Nun sieht er den richtigen Zeitpunkt gekommen, seine Berufung zum Beruf zu machen und "etwas richtig Geniales aufzuziehen". Dabei wird er seine Stärken in Organisation, Kalkulation und Logistik geschickt einsetzen.

Vier Monate hat "Flori" an der Seite von "Fuzzy" in der Küche gebraten und gekocht, damit den Stammgästen Schnitzel, Zwiebelrostbraten und Wurstsalat schmecken werden wie eh und je.

Hinzu kommen neue Ideen, von einer zusätzlichen Wochenkarte mit regionalen und saisonalen Akzenten über Cocktailaktionen bis zur Aufwertung der Terrasse zur ersten Freiluftsaison im nächsten Jahr. Auch der Jugend und den Vereinen will er eine Anlaufstelle bieten.