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Vöhrenbach Umweltministerium bestätigt Wolfssichtung

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Der Saarländer Patrik Wagner hat bei seinem Schwarzwald-Urlaub am Montag bei Vöhrenbach offenbar einen Wolf gesichtet und schickte diesen spontanen Schnappschuss an die Redaktion des Schwarzwälder Boten. Foto: Wagner

Vöhrenbach - Ein Wolf wurde in Vöhrenbach gesichtet. Das bestätigte das Umweltministerium Baden-Württemberg am Mittwoch. Doch die Rückkehr des einst ausgerotteten Raubtieres erfreut nicht alle Menschen im Oberen Bregtal.

Es ist Montagmorgen, der erste Weihnachtsfeiertag, als ein Urlauberpaar in Vöhrenbach etwas sieht, von dem bislang nicht allzu viele Zeuge werden durften: Ein Wolf überquert seelenruhig die Straße. Auf der anderen Seite angekommen, dreht er sich um, lässt dem erstaunten Paar gerade genug Zeit, um ihn zu fotografieren. Statt scheu und zurückhaltend wirkt er eher neugierig. "Wölfe verhalten sich Autos gegenüber oft anders als gegenüber Menschen", erklärt Laura Huber-Eustachi das Verhalten des Tieres. "Sie verbinden das Fahrzeug nicht automatisch mit Menschen und können daher relativ ruhig agieren."

Huber-Eustachi arbeitet für die in Freiburg ansässige Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA). Dort ist ein vierköpfiges Team mit weiteren Hilfskräften und Praktikanten dafür zuständig, die Routen des einst als ausgerottet geltenden Raubtieres zu verfolgen, Hinweisen nachzugegehen und mögliche Sichtungen zu verifizieren.

Foto ist eine wissenschaftliche Rarität

In den seltensten Fällen gibt es so wie in Vöhrenbach ein Foto, das das Tier zeigt. Unsere Zeitung hat die Aufnahme des Urlaubers aus dem Saarland am Mittwoch publiziert und ist damit auf großes ­Interesse von Lesern wie Experten gestoßen.

"Das Bild ist schon etwas Besonderes", sagt Huber-Eustachi. "Normalerweise versuchen wir, Kontakt mit dem jeweiligen Beobachter aufzunehmen." Man lasse sich dann ganz genau das Verhalten des Tieres und die Situation beschreiben, um mögliche Rückschlüsse zu ziehen. Bei der jüngsten Sichtung wurde das Dokumentations- und Beratungszentrum des Bundes zum Wolf (DBBW) hinzugezogen, gemeinsam analysierten die Experten das Foto. Dass es sich um einen Wolf handelt, war schnell klar – obwohl die Bestimmung laut Micha Herdtfelder von der FVA nicht einfach ist.

"Es gibt kein einzelnes Merkmal, das ausreicht, um einen Wolf sicher zu identifizieren, da es immer Hunderassen gibt, die dieses Merkmal auch haben." Die Experten betrachten daher viele einzelne Besonderheiten: Körperpartien, Fellzeichnung, Form und Färbung der Schnauze. "Da kommt vieles zusammen", erklärt Herdtfelder. "Es ist die Summe der Merkmale." Immer mehr Hinweise zu möglichen Wolfssichtungen laufen seit 2016 beim FVA ein. Damals, am ­15. Mai, wurde ein lebender Wolf bei Bad Dürrheim gesichtet. Es ist der erste nachgewiesene Fall dieser Art in Baden-Württemberg – seit 150 Jahren hatte man in dieser Region keine Wölfe mehr gesichtet.

Huber-Eustachi weiß aus Erfahrung, dass in der kommenden Zeit wieder mehr Hinweise beim FVA einlaufen werden. "Wenn bekannt ist, dass ein Wolf unterwegs ist, wird eine Sensibilisierung geschaffen", erklärt sie. Daher sei es wichtig, jede mögliche Sichtung zu verifizieren. "Das sind oft auch Verwechslungen. Oftmals ist es eben ein Verdacht und schlussendlich nur ein Hund."

Wie schnell der Wolf als Bösewicht herhalten muss, zeigt ein noch nicht lange zurückliegender Fall aus Rötenbach in der Nähe von Titisee-Neustadt (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald). Dort entdeckte laut FVA ein Jäger am Dienstag ein gerissenes Rehbockkitz und meldete es der Anstalt. Medienberichten zufolge könnte ein Zusammenhang zwischen der Sichtung des Wolfes in Vöhrenbach und dem gerissenen Tier in Rötenbach bestehen.

Doch auf Nachfrage erklärt Herdtfelder, dass es keinerlei Hinweise auf einen Wolfsangriff gibt. Der Jäger meldete sich vor Veröffentlichung der Fotos. "Uns gehen 100 bis 200 Risse im Jahr ein", erklärt er. "Wir versuchen dann immer anhand der Informationen, die uns vorliegen, die Todesursache zu bestimmen." Man untersuche – sofern es ihn gibt – den Tötungsbiss, die Spuren um den Kadaver sowie Fraßspuren. Letztere sind laut Herdtfelder ein Zeichen dafür, dass ein Wildtier wie ein Wolf oder Luchs der Täter ist, da sie ihre Beute nicht liegen lassen. Im Fall Rötenbach finden sich keinerlei solche Spuren, erklärt der Mitarbeiter der Forschungsanstalt.

Keine weiteren Vorfälle im Landkreis

"Darüber hinaus gibt es auch noch Fotofallenbilder, die diesen Vorfall zeigen. Das sieht man nur verschwommen, aber es deutet darauf hin, dass es ein kleines Tier war", stellt der Experte weiter klar. Ein Hund oder ein starker Fuchs komme infrage. "Es gibt keinerlei Hinweise auf einen Wolf", schlussfolgert er.

Fälle wie die in Rötenbach zeigen, wie wichtig die Untersuchungen sind – auch, um die Bevölkerung zu beruhigen. Zuletzt wurden im Nordschwarzwald einem Wolf mehrere Risse zugeschrieben. Im Schwarzwald-Baar-Kreis gebe es hingegen bislang keine mit der Sichtung zusammenhängende Vorfälle. Man informiere nun Verbände, Tierhalter und Jäger. Weiterer Handlungsbedarf bestehe bislang keiner. Allerdings, so Herdtfelder: "Wir sind aufmerksam und dankbar, wenn die Leute uns etwas melden."

Im Vöhrenbacher Rathaus nimmt man die neuesten Entwicklungen ernst. "Der Förster ist in das Thema involviert. Wir arbeiten auch mit den Naturschutzbehörden eng zusammen." Besorgte Bürger hätten sich aber am ersten Tag nach Erscheinen des Schnappschusses, der das Tier an einem Waldhang zeigt, nicht gemeldet.

Während sich Tierschützer darüber freuen, dass die Wölfe sich weiter verbreiten, stehen Landwirte und Jäger in der Region dem Ganzen skeptisch gegenüber. "Diese Nachrichten schaffen natürlich Gefühle der Unsicherheit", sagt Siegfried Jäckle, Vorsitzender des Vereins Forum Pro Schwarzwaldbauern.

Jäger sprechen von schwieriger Situation

Beim Thema Wolf treffen für Jäckle zwei "elementare Meinungen" aufeinander: "Das eine sind die ganzen berechtigten Thesen des Artenschutzes. Und das andere ist das Wirtschaften in der Landschaft." Hier herrsche ein Konfliktbereich, "der eine unheimliche Hilflosigkeit in der verantwortlichen Szene ausgelöst hat".

Während es in der Region zwar nur vereinzelt Schaf- und Ziegenhalter gibt, können auch Rinder, allen voran Kälber, Ziel eines Wolfsan­griffs werden. Jäckle, der selbst Mutterkuhhaltung betreibt, spricht von einer "völlig neuen Unsicherheit", in der vor allem die Politik zur Verantwortung gezogen werden müsse. Denn die Mutterkuhhaltung nehme weiter zu. Entsprechende Gesetze sollten die Lebensgrundlage von Tieren und Menschen gleichermaßen sichern.

Auch bei der Jägervereinigung Schwarzwald-Baar-Kreis spricht man von einer "schwierigen Situation". Kreisjägermeister Knut Wälde sieht vor allem die mangelnde Erfahrung im Umgang mit dem Wolf als eines der Kernprobleme. "Das Problem ist für uns Jäger, dass wir nicht wissen, wie das Wild auf diese Situation reagiert", sagt er.

Förster halten Augen offen

Sehen sich die Tiere plötzlich einem ihrer natürlichen Feinde ausgesetzt, der lange Zeit verschwunden war, könnten sich Rehe besser im Wald verstecken. "Man muss einsehen, wir zahlen Jagdpacht. Wir müssen eine gewisse Menge Wild schießen. Das ist vorgegeben", erklärt er. Wenn weniger Wild im Wald zu finden sei, gingen die Jagdpachten automatisch zurück.

In seiner Funktion als Landschaftsbeauftragter schlägt er indes einen ähnlichen Ton an wie Jäckle: Wenn die Landwirte nicht ausreichend geschützt werden, könnten einzelne Landstriche – etwa starke Hügel, an denen keine Zäune aufgestellt werden können – gemieden werden. Die Folge: Die Hänge verbuschen.

Indes halten auch Alfred Heinzelmann, Forstrevierleiter in Vöhrenbach, und sein Kollege Michael Willmann, der für Urach, Linach und Hammereisenbach zuständig ist, die Augen offen. "Sowas ist für uns Förster und die örtlichen Jäger von besonderem Interesse", meint Heinzelmann. Man achte daher nun bewusster auf Spuren wie etwa gerissene Rehe. Allerdings, ergänzt Willmann, müsse man sich der Größe des Gebiets und der Lauffreudigkeit von Wölfen bewusst sein. "Wenn ein Wolf bei Vöhrenbach gesichtet wurde, kann er heute schon am Feldberg sein." Richard Kugele, Forstrevierleiter in Furtwangen, resümiert: "Erst, wenn sich hier Wölfe richtig ansiedeln, müssen wir handeln."

 
 

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