Brandneu ist Wolfgang Kleisers Plastik "Feierabend". Doch an den Ruhestand denkt der aktive 85-Jährige keineswegs. Foto: Kouba Foto: Schwarzwälder Bote

Kunst: Bildhauer Wolfgang Kleiser stellt neue Arbeiten unter dem Motto "Mensch und Form" in Hüfingen aus

Der Hammereisenbacher Bildhauer Wolfgang Kleiser stellt seit März Skulpturen, Plastiken und Zeichnungen im Hüfinger Stadtmuseum aus. Man muss sich beeilen, denn nur noch bis Fronleichnam, 3. Juni, ist "Mensch und Form" zu erleben.

Der Hammereisenbacher Bildhauer Wolfgang Kleiser stellt seit März Skulpturen, Plastiken und Zeichnungen im Hüfinger Stadtmuseum aus. Man muss sich beeilen, denn nur noch bis Fronleichnam, 3. Juni, ist "Mensch und Form" zu erleben.

Oberes Bregtal/Hüfingen. Corona machte die Vorgaben und daher konnte man bisher nur virtuell im Museum unterwegs sein. Ab sofort sind die Ausstellungsstücke nach Anmeldung (per E-Mail oder einer WhatsApp und unter Telefon 0172/ 7 21 07 78) vor Ort zu betrachten.

Kleiser ist weithin bekannt. Gerade seine sakralen Werke zieren Kirchen in Süddeutschland bis Bremerhaven. Erste Sporen verdiente der Künstler, Jahrgang 1936, bei seinem Vater. Verschiedene Kurse in Karlsruhe, Freiburg oder Amsterdam folgten. Seit 1961 wirkt Kleiser selbstständig. Stolz kann er auf Ausstellungen im Bernauer Hans-Thoma-Museum, der Stiftskirche in Mosbach, der Herz-Jesu-Kirche in Mannheim oder der evangelischen Stadtkirche in Karlsruhe sein. Bedeutend waren sakrale Ausgestaltungen im deutschen Südwesten und seine ausdrucksstarken Kreuzwege wie in Schwetzingen, Freiburg und Böblingen.

Retrospektive würdigt das umfassende Werk

Bildhauersymposien ergänzten seine künstlerische Tätigkeit, und wertvoll wurden Einzelstücke wie die Bronze-Portraits der Eltern von Erwin Teufel oder ein 2,80 Meter hohes Kreuz für eine Kirche in Mostar in Herzegowina. In Vöhrenbach hinterließ er seine künstlerisch-genetischen Abdruck mit einer Stele auf dem Rathausplatz. Seit Anfang seiner Laufbahn beschreitet er einen konsequent eigenen Weg "con variazioni", der den Betrachter anhand charakteristischer Stilelemente äußern lässt: "Das ist ein Kleiser."

Zum 85. Geburtstag des Bildhauers richtete das Furtwanger Künstlerehepaar Ariane Faller-Budasz und Mateusz Budasz eine Retrospektive ein, die eine umfassende Würdigung Kleisers darstellt. Geschickte Anordnung der Exponate, Nutzung von natürlicher Helligkeit und Kunstlicht und perspektivische Einblicke verschaffen eine lebendige Sichtweise.

Jedes Objekt kommt zur Geltung, und wer Gespür entwickeln kann, wird in die Lage versetzt, den kreativen Kraftakt des Künstlers nachzuvollziehen. Und Energie ist notwendig, denn sein Hauptmaterial ist Holz, darunter harte Eiche, die zum Teil aus alten Schwarzwälder Häusern stammt, um archaisch wirkende Skulpturen entstehen zu lassen. Unverkennbar sind Beziehungsfiguren von Frau und Mann oder biblischen Bezüge wie die Darstellung von Maria und Joseph mit Jesus in der Krippe. Humor beweist Kleiser mit Skulpturen mit Corona-Maske.

Ein eigene Rubrik bilden die Zeichnungen

Eine eigene Rubrik bilden die Zeichnungen, die mit kräftigem Strich und nicht ohne künstlerischen Witz erscheinen. In jüngster Zeit widmet sich Wolfgang Kleiser Ton-Modellen. Hinter dem momentanen Schwerpunkt steht zunächst die Idee zum Entwurf. Dann folgt die Entwicklung vom flächigem Motiv zur dreidimensionalen Plastik. Hat das Modell die gewünschte Form erhalten, wird es bei 980 Grad Celsius gebrannt. Danach erfolgt die Farbgebung, die ein besonderer kreativer Akt ist. Kleiser experimentiert mit Acrylfarben, "quasi dickem Wasser".

Durch Abreiben, Abwaschen und weiterer Farbgebung wird ein Prozess in Gang gesetzt, der viel Geschick und Geschwindigkeit voraussetzt. Letztlich entstehen interessante Farbtöne, die das Objekt metallisch erscheinen oder zarte Impressionen ausstrahlen lassen. Teils total deckende Farben lassen den Ton nicht mehr erkennen. Kleiser liebt das progressive Wirken, das durch die dauernde Veränderung des Tonmaterials möglich wird.

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