Was die Flugenten Mona und Patrick Preisinger bei ihrem Flug über der Heimat doch alles sahen, war schon bemerkenswert. Foto: Schwarzwälder Bote

Fasnet: Traditionelle Veranstaltung am Freitag findet im Wohnzimmer statt / Schunkeln vorm Bildschirm

Auch in diesem Jahr durfte bei der Burgzunft Hammereisenbach der traditionelle Zunftball am Fasnetfreitag nicht fehlen.

Vöhrenbach-Hammereisenbach. Zwar nicht in der Gemeindehalle, aber wie viele andere Zünfte auch, hatten sich die Aktiven am Bildschirm verabredet, um den Abend gemeinsam zu verbringen. Jeder saß im Häs in seinem Wohnzimmer, das Überraschungspaket vor sich und wartete geduldig auf die Eröffnung des digitalen Zunftballs. Schon lange hatte man sich in dieser großen Runde nicht mehr gesehen und so war es umso schöner, als einer nach dem anderen auf dem Display grüßte.

Alle Erwartungen übertroffen

Was dann ablief, übertraf alle Erwartungen, denn das Programm war gespickt mit aktuellem Dorfgeschehen, Tänzen, Büttenreden und viel­een. Gerade so, als befände man sich in der Gemeindehalle, begrüßte der Vorsitzende Christopher Preisinger die Ehrengäste, sein Stellvertreter Damian Frank übernahm dabei jeweils die entsprechende Rolle zum Beispiel von Bürgermeister oder Ortsvorsteher und huschte an dessen Platz. Als Tagesschausprecher und Corona Kugel kündeten dann die Beiden die Show an. Meist zu zweit oder coronagerecht im Familienkreis hatten sich die Mitglieder ins Zeug gelegt, lauter neue Beiträge, die extra für diesen Abend einstudiert worden waren.

Wie etwa die beiden Flugenten Monja und Patrick Preisinger, die im Flug über die Heimat so allerhand zu sehen bekamen. Probleme mit der Radlerhose, die nur falsch herum angezogen war, oder der nicht richtig sitzende Mundschutz bis hin zur verpassten Autobahnabfahrt - es gab viel zu lachen, zumal die Akteure die ganze Zeit auf dem Bauch liegend losflatterten.

Weiter ging es mit dem Narrentanz in Corona Style, gut getrennt und mit Mundschutz, dafür in urigem Ambiente einer Werkstatt aufgenommen, andere suchten nach neuen Beschäftigungen für die Burgnarren in dieser fasnetlosen Zeit.

Aufwändig auch der tänzerische Rückblick der Schwestern Lisa und Saskia Willmann, die im ständig wechselnden Outfit eine Zusammenfassung der Tanzdarbietungen der letzten zehn Jahre der Burgzunftjugend zeigten. Da wurde erst mal deutlich, wie einfallsreich und unterschiedlich doch die Auftritte immer waren. Auch Ehrenmitglied Edgar Neininger meldete sich an diesem Zunftball zu Wort.

Aus Narrenbaum wird ein Bäumchen

Er bedauerte in seiner Büttenrede, wie gerne er doch den Narrenbaum gespendet hätte. Entsprechend aktueller Vorschriften wurde sogar ein corona bedingtes Narrenbaumstellen durchgeführt, sehr zur Verwunderung der Anwohner, die auch gleich noch nachgeahmt wurden.

Die stattliche Länge des Baumes schrumpfte dabei meterweise und am Ende blieb nur noch ein Bäumchen übrig. Auch "Hallendrache" Regina Honeck klagte im Büttengeschwätz über die Auswirkungen ihrer Kurzarbeit.

"Keine leeren Flaschen entsorgen, keine Gäste heimfahren, alles fällt gnadenlos aus", bedauerte sie, wie gerne würde sie das doch wieder einmal erleben.

Dorfgeschehen im Gesang verpackt oder Gesangssolistin Fabiola mit urigen Wortspielen, die Holzmocke Polka der beiden Schuhplattler und noch vieles mehr rundeten das zweistündige Programm ab und jeder war beeindruckt, auf welch amüsante Weise auch ein solcher online Zunftball ablaufen kann.

"Ich freue mich, dass wir einen so gelungenen Zunftball durchführen konnten", freute sich der Christopher Preisinger, wenngleich er selbstverständlich auch lieber eine Premiere als neuer Vorsitzender der Burgzunft in der Gemeindehalle vor großem Publikum gefeiert hätte.

Und wie beim echten Zunftball blieben die Narren noch lange Zeit beisammen, schunkelten und sangen, jeder für sich im Wohnzimmer und doch gemeinsam am Bildschirm.

Die Burgzunft hatte sich selbst bewiesen, dass man auch in Coronazeiten viel Unterhaltsames auf die Beine stellen kann.

Und wie immer wird es auch dieses Jahr eine CD vom Zunftballprogramm geben, die für fünf Euro im Landmarkt in Hammereisenbach gekauft werden kann.

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