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Vöhrenbach Gedenkkreuz erinnert an Verbrechen

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Initiator Wolf Hockenjos (von links), Pfarrer Martin Schäuble, Bildhauer Wolfgang Kleiser und Buchautor Rolf Ebnet vor dem Gedenkkreuz für die fünf ermordeten amerikanischen Flieger. Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Hartmut Ketterer

Vöhrenbach-Urach. Vor 70 Jahren gab es ein Verbrechen im Wald zwischen Urach und Schollach. Fünf gelandete amerikanische Flieger wurden erschossen. Diese von der Neustädter NS-Kreisleitung angeordnete Tat stieß in beiden Gemeinden auf großes Entsetzen.

Wolf Hockenjos, früherer Leiter des Forstamtes Villingen-Schwenningen und langjähriges Mitglied des Skiclubs Urach, regte nun an, ein Gedenkkreuz für die ermordeten Flieger aufzustellen. Diese Initiative stieß auf ein unerwartetes großes Echo.

Am Samstag folgten gegen 19 Uhr Interessierte beider Gemeinden an den jeweiligen Kirchen startend zur Kreuzsegnung. Nach einer halben Stunde Fußmarsch hatte man den Tatort beim Kirchweg auf einer Waldlichtung erreicht.

Gut 100 Personen versammelten sich um das vom Hammereisenbacher Bildhauer Wolfgang Kleiser geschaffene Gedenkkreuz aus Douglasienholz. Hockenjos begrüßte die große Anzahl von Bürgern. Als Vertreter des Schwarzwald-Baar-Kreises war Kreisarchivar Joachim Sturm sowie seitens des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald Martin Barth zugegen.

Ebenfalls vor Ort war Eisenbachs Bürgermeister Alexander Kuckes, Schollachs Ortsvorsteher Peter Kleiser, sein Kollege Martin Schneider aus Urach, Klaus Panther für den Schwarzwaldverein und Buchautor Rolf Ebnet, extra aus Amerika angereist.

Mit Dankesworten drückte Barth aus, dass die Würdigung dieses Ereignisses jetzt mit der Aufstellung eines Gedenkkreuzes stattfindet. Früher gab es lediglich zwei kleinere Kreuze auf Schollacher, wie auf Uracher Seite. Joachim Sturm führte aus, dass die Nazis nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Land schmerzliche und unfassbare Taten vollzogen. So war auf der kalten Herberge ein Zwangsarbeitslager mit 200 Menschen. Darauf gibt es keinen Hinweis mehr. Sturm erklärte auch, dass die Landratsämter damals nur kleine Rädchen in der Maschinerie der Nazis waren. Denkmale sind deshalb wertvoll.

Peter Kleiser, Ortsvorsteher von Schollach, führte aus, dass die Bevölkerung damals lange Zeit betroffen war. Der Uracher Ortsvorsteher Martin Schneider äußerte an die Versammelten, dass beten das einzige ist, was man für die Getöteten tun kann. Schneider dankte Hockenjos für die Initiative und allen die geholfen haben das Kreuz entstehen zu lassen.

Ergreifend und beeindruckend schilderte dann der 48-jährige Buchautor Rolf Ebnet, was ihn dazu bewog, ein Buch über die abgesprungenen Flieger zu schreiben. Von seiner Mutter hatte er von diesem Ereignis und den Folgen erfahren und dies fesselte ihn so sehr, dass er beschloss alle Details in einem Buch zusammenzutragen. Viele Zeitzeugen halfen ihm.

Mit den Eltern der getöteten Flieger in Amerika nahm er Kontakt auf. Zuerst gab es Zurückhaltung. Nach einer Bedenkzeit wurde Hilfe zugesichert, und die betroffenen Familien zeigten ihre Anerkennung, dass ein Buch über das Schicksal ihrer Söhne entstehen würde. Aus diesen Kontakten in Amerika ist inzwischen Freundschaft geworden, so Ebnet.

Ebnet führte aus, das der über Urach geflogene und angeschossene Bomber aus einer Fliegerstaffel mit 1000 Flugzeugen stammte. Vier Fallschirmspringer landeten in Linach, zwei Fallschirmspringer in Schollach und drei in Urach. Die Flieger in Linach kamen in Gefangenschaft und wurden im Mai 1945 entlassen. Weniger Glück hatten die Schollacher und Uracher Flieger. Die NS-Kreisleitung aus Neustadt beschloss ihren Tod. Im Wald, wo jetzt das Gedenkkreuz steht, wurden die fünf Flieger kaltblütig erschossen.

Gut an die Landung der Flieger konnten sich am Samstag auch die vor Ort anwesenden Zeitzeugen Landolin Fischer, Erich Heine, Getrud Knöpfle geborene Fischer und Franz Spitz erinnern.

Pfarrer Martin Schäuble, der das Kreuz segnete, betonte, wie wichtig es ist, auch nach 70 Jahren diesem dramatischen Ereignis zu gedenken. Den musikalischen Rahmen gaben der Gedenkfeier Wolfgang Willmann, Lothar Mai, Dieter Weißer und Detlef Dotter seitens des Musikvereins Urach.

Doch was ist aus den Tätern geworden? Kreisleiter Benedikt Kuner entzog sich der Verantwortung und nahm sich das Leben. Seine Mitgehilfen Gottlieb Werner und Heinrich Birnbreier wurden zum Tode verurteilt. Max Matthes und Josef Eisele wurden zu lebenslänglich, Arthur Faller zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.

 
 

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