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Vöhrenbach Der Biber erobert das Bregtal

Von
Helmar Heini entdeckte frisch verbisse Bäume. Foto: Wolf

Vöhrenbach-Hammereisenbach - Die Biber sind wieder da! Jahrzehnte lang galten sie in Mitteleuropa als beinahe ausgestorben – abgesehen von einem Rückzugsgebiet an der Elbe und Vorkommen im Rhone-Delta. Nun fühlen sie sich auch im Bregtal wieder wohl, wie frische Spuren unterhalb von Hammereisenbach zeigen.

"Den ersten konkreten Nachweis konnte ich Anfang des Jahres belegen", sagt Bettina Sättele. Die Biologin betreibt ein Fachbüro für Biberfragen und -management und ist seit 2001 für das Regierungspräsidium Freiburg als Biberexpertin tätig.

Der konkrete Nachweis: Das sind angenagte oder völlig umgelegte Bäume am Ufer der Breg. Selbst Spaziergänger tun sich nicht schwer, die typischen Spuren des größten europäischen Nagetiers zu entdecken.

Dass es sich seine früheren Lebensräume wieder zurückerobern kann, hat es dem Menschen zu verdanken. "Um 1960 wurden in Bayern Biber aus Skandinavien ausgewildert", berichtet Bettina Sättele. Vom Freistaat aus suchten sie sich neue Lebensräume entlang der Donau und gelangten auf diese Weise stromaufwärts bis nach Baden-Württemberg. Hier fühlen sie sich inzwischen auch an zahlreichen Zuflüssen wohl – nicht nur an der Breg.

Wie viel Exemplare des unter Naturschutz stehenden Tieres mittlerweile zwischen Wolterdingen und Vöhrenbach heimisch sind, weiß Bettina Sättele nicht. Sie geht davon aus, dass in Baden-Württemberg derzeit insgesamt etwa 1500 Biber leben (gegenüber etwa 12 000 in Bayern) – Tendenz steigend. Auch im Bregtal dürfte das Bibervorkommen zunehmen. Aufgrund der Spuren, die Sättele jüngst gefunden hat, geht sie von "mehr als einem Tier" aus. Sie hält es für möglich, dass sich ein Pärchen gefunden hat, das in seinem etwa einen Kilometer langen Kernrevier bereits im nächsten Jahr Nachwuchs haben könnte.

Den ziehen die Biber in ihren unterirdisch angelegten Bauten groß, deren Eingänge grundsätzlichen unter der Wasseroberfläche liegen. Auch auf Hammereisenbacher Markung hat Bettina Sättele schon Hinweise auf solche Bauten gefunden.

Konflikte zwischen Naturschutz und Landwirtschaft

Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Nutzung hat die Besiedlung des Bregtals durch Biber bisher noch nicht gehabt. An anderen Gewässern kommt es dagegen hin und wieder zu Konflikten zwischen Naturschutz und Landwirtschaft. Zum einen mögen die Nagetiere auch Obst. Sie verschmähen die Früchte ebenso wenig wie die Stämme – zum Leidwesen der bäuerlichen Betriebe. Zudem können Biberbauten zur Einschränkung der landwirtschaftlichen Nutzung in Ufernähe führen. "Die Röhren können unter dem Druck fahrender Maschinen einbrechen", erläutert Bettina Sättele.

Neben der regelmäßigen Überwachung der Lebensräume ist es daher ihre wichtigste Aufgabe, bei derartigen Konflikten zu vermitteln. Das kann im Ausnahmefall schon einmal dazu führen, dass sie von Bibern geschaffene Dämme, wie sie nur in kleinen Gewässern – und nicht an der Breg – vorkommen, verändern lässt. Häufig muss sie auch für Schutzstreifen entlang der Biber-Gewässer eintreten. Da sind die ersten zehn Meter von der Wasserkante gerechnet für Bauern tabu. Diese dürfen übrigens, auch wenn der Biber ihnen wirtschaftlichen Schaden zugefügt hat, nicht auf materielle Entschädigung hoffen. "Das gibt es nicht", sagt Bettina Sättele.

Ungeachtet dieser Streitfragen wegen unterschiedlicher Interessen gilt der Nutzen des Bibers als unumstritten. Indem er Burgen und Dämme baut und Bäume fällt, schafft er vielfältige Biotope: Tümpel und Teiche, Röhrichte und Nasswiesen. Davon profitieren andere Tiere wie Amphibien, Libellen und Fische. Selten gewordene Tier- und Pflanzenarten siedeln sich wieder an, die Artenvielfalt steigt.

Die Dämme der Biber halten zudem Schwebstoffe zurück und tragen so zur Reinigung der Gewässer bei. Wenn Biber Bäche aufstauen, verteilt sich das Wasser über eine größere Fläche und fließt langsamer in die Flüsse – das ist aktiver Hochwasserschutz.

Trotz der zunehmenden Aktivität dieser Nagetiere gehört viel Glück dazu, sie in der Natur entdecken zu können. Sie sind überwiegend nachts aktiv. Dies schließt nicht aus, dass man einen von ihnen am frühen Morgen und bei Einbruch der Dämmerung zu Gesicht bekommen kann.

Weitere Informationen:

Umfassende, anschauliche und zudem leicht verständliche Fakten über den Biber bietet das Landesamt für Umweltschutz Bayern unter: www.lfu.bayern.de/umweltwissen/doc/uw_105_biber_baumeister_der_wildnis.pdf

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Jürgen Liebau

Fax: 07723 4522

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