Auf ihrem Weg nach Afrika legten neun Störche einen Zwischenstopp in Freudenstadt ein.
Nahezu jedes Jahr wird Freudenstadt im Spätsommer von Störchen besucht. Während in den Vorjahren meist das Rathausdach als Nachtquartier der Vögel diente, suchten diesmal neun Störche dafür, sauber aufgereiht, das Dach des Stadthauses aus.
Für viele Menschen war es ein Erlebnis, als die Störche über dem Marktplatz einschwebten. In aller Ruhe nahmen sie auf dem Dach des Stadthauses Platz. Dann stand eine intensive Federsäuberung an. Tags darauf machten sich die Störche mit dem Einsetzen der Thermik wieder auf den Weg. An Tagen mit gutem Aufwind schaffen die Weißstörche zwischen 150 und 300 Kilometer Luftlinie. Auf ihrem Weg nach Afrika bewältigen sie bis zu 10 000 Kilometer, was Aufzeichnungen von mit Sendern ausgestatteten Störchen belegen. Für ihre Reise nach Afrika, die im Segelflug bewältigt wird, benötigen die Störche zwischen zwei bis vier Monate.
Weiter über den Sudan bis nach Südafrika
75 Prozent der deutschen Störche sind auf der Ostroute unterwegs. Über den Bosporus in der Türkei geht es weiter über den Sudan bis nach Südafrika. Forscher begleiten die Störche seit Jahren mit Motorseglern. Dabei fanden sie heraus, dass die Störche in großen Trupps auf der Ostroute über Israel, Palästina und Jordanien teils jedes Jahr auf den Tag genau dieselben Gebiete sowohl beim Hinflug nach Afrika, wie bei der Rückkehr nach Europa überfliegen.
Störche aus Südwestdeutschland queren das Mittelmeer meist bei Gibraltar. Nachdem die Sahara überflogen wurde, wird die westafrikanische Sahelzone zwischen Senegal und Tschad zur winterlichen Heimat. Inzwischen fliegen viele Störche nur noch bis Südspanien, wo sie in den Wintermonaten genügend Futter, zum Teil auf großen Mülldeponien, finden. Einige Störche bleiben mittlerweile selbst im Winter in Deutschland, da sie an bestimmten Stellen genügend Futter vorfinden. Von Ende Februar bis Mitte März kehren die Vögel wieder in unsere Region zurück.