Der Kormoran ist ein äußerst erfolgreicher Jäger. Und, nachdem er in Westeuropa vor rund 100 Jahren als ausgestorben galt, ist er mittlerweile wieder so zahlreich vertreten, dass er Berufsfischern, Angelvereinen und Naturschützern Kopfschmerzen bereitet?
In Bad Liebenzell gibt es drei nennenswerte Gewässer: die Nagold, den Stadtsee und den Ententeich im Kurpark. Um den dortigen Fischbestand kümmert sich der Fischerverein Bad Liebenzell. Vorsitzender Alexander Leins ist mit dem Thema Kormoran bestens vertraut. „Wir haben sie immer mal wieder“, sagt er.
In Schwärmen
Doch warum ist gerade der Kormoran so schwierig? Schließlich ist eine Artenvielfalt gewöhnlich ein gutes Zeichen und erstrebenswert. „Der Kormoran ist ein sehr hungriger Vogel“, erklärt Leins. Die knapp gänsegroßen Vögel fressen rund ein halbes Kilo Fisch pro Tag. Hinzu kommt, dass Kormorane oft im Schwarm einfallen. Da kann man sich ausrechnen, wie sich der Appetit von 25 dieser Tiere über mehrere Tage auf den Fischbestand des Stadtsees auswirken würde.
„Gott sei Dank hatten wir noch nie so eine große Gruppe, die alles leergefressen hat, bei uns“, sagt er erleichtert. Am Bodensee machen immer wieder Schwärme halt, die mehrere Hundert Tiere groß sind. Hinzu kommt, dass dort mehr als die Hälfte der rund 1800 in Baden-Württemberg heimischen Brutpaare leben. Und dort klagen insbesondere die Berufsfischer schon seit Langem über sinkende Fischbestände durch Kormoranfraß.
Bis in die höchsten politischen Ebenen Berlins dringen die Rufe nach einem bundesweiten Bestandsmanagement, das mehr Abschüsse und einfachere Vergrämung erlaubt. Und dort waren sich die acht Sachverständigen, die kürzlich im Bundesausschuss für Umwelt und Naturschutz das Für und Wider erläuterten, einig: dass sie sich nicht einig sind.
Aufgrund ihrer Jagdkünste werden Kormorane seit vielen Hundert Jahren von Menschen zur Kormoranfischerei – analog zur Falknerei– eingesetzt. Doch eben aufgrund ihrer Jagdkünste wurden sie Anfang des 20. Jahrhunderts als vermeintlicher Nahrungskonkurrent stark bejagt und nahezu ausgerottet. Daher ist es eine gute Nachricht, dass der Kormoran nicht mehr als bedroht gilt und die Bestände mit deutschlandweit rund 24 000 Brutpaaren seit Jahren stabil hoch sind.
Jedoch sei – unabhängig von der gewerblichen Fischerei – wiederum das ein Problem für gefährdete Fischarten, heißt es im Ausschuss. Denn ein Kormoran fragt vor seiner Mahlzeit nicht nach, ob der anvisierte Fisch eventuell auf der Roten Liste steht.
Dem stimmt auch Leins zu: Man habe in dem vom Verein bewirtschafteten Gebiet der Nagold einen schützenswerten und selbstreproduzierenden Bestand an Äschen, die als „stark gefährdet“ gelten. Diese sind besonders prädestiniert, um von Kormoranen gefressen zu werden, da sie sich gern in den offenen Bereichen fließender Gewässer aufhalten.
Inseln aus Totholz
„Wir sind zwar Angler, aber in erster Linie sind wir Naturschützer“, sagt Leins, und verrät sein Rezept für den Schutz der Äschen: „Renaturierung und Inseln aus Totholz, damit sich die Fische verstecken können.“
Man stehe diesbezüglich regelmäßig in Kontakt mit befreundeten Angelvereinen. Und die Erfahrungen hätten gezeigt, dass Kormorane begradigte Flussabschnitte mit wenig Versteckmöglichkeiten für Fische bevorzugen.
Daher würden Kormorane in den Gewässern um Bad Liebenzell nur kurz Halt machen und ziemlich bald an Gewässer weiterziehen, die einen einfacheren Jagderfolg versprechen.