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Vögel erobern den Neckar Sind Nilgänse eine Bedrohung für Horb?

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Hier die fünf Küken mit ihrer Mama aus dem letzten Jahr am Neckarufer. Foto: Rieber

Die aus Afrika eingeschleppten Vögel erobern mittlerweile auch den Neckar und stehen im Ruf, andere Arten zu verdrängen. Ob von den Tieren aber wirklich eine Bedrohung für die Horber Natur ausgeht, lesen sie in unserem (SB+)Artikel.

Horb - Manchmal genügt schon ein Blick aus dem Fenster der Redaktion, um ein neues Thema zu finden. Auf dem Dachfirst des Nachbarhauses auf der gegenüberliegenden Seite des Mühlkanals stehen zwei Nilgänse. Da es bitter kalt ist, balancieren sie auf einem Bein, während sie das andere tief in ihr wärmendes Gefieder gezogen haben. Doch bald kommt Bewegung ins Bild, das Paar erkundet ein Dachbodenfenster weiter oben, eine dort sitzende Taube ergreift hektisch die Flucht.

An manchen Orten gibt es eine große Population

Volkmar Rieber vom NABU Horb beobachtet die Ankunft der ursprünglich aus Afrika stammenden Vögel mit gemischten Gefühlen. "Ich war leicht entsetzt, als ich die bei uns entdeckt habe." Das erste mal habe er die Nilgänse vor fünf oder sechs Jahren in Heidelberg beobachtet. "An den Neckarwiesen war alles voll mit Nilgänsen. Nah am Ufer hat sich niemand mehr aufgehalten, weil da alles vollgeschissen war."

Vor ungefähr drei Jahren habe er dann zum ersten Mal ein Nilgans-Paar in Horb beobachtet. Dieses Paar hätte dann 2020 versucht, in der Nähe des Wehres ein Nest zu bauen. Rieber weiß nicht genau, ob dieser Versuch angesichts der Baustelle gelungen ist, jedenfalls glückte den Tieren die Fortpflanzung. Ende Mai habe er die weibliche Nilgans mit fünf Jungtieren im Neckar schwimmen sehen. Er könne somit einen "ersten Bruterfolg" bestätigen.

Dies hat aber nun nicht zu bedeuten, dass die Population in Horb exponentiell wächst. Vielmehr sei zu erwarten, dass die Jungtiere, wenn sie einmal größer sind, von ihren Eltern verjagt werden. "Die trennen sich dann und suchen sich ein anderes Gebiet", erklärt Rieber. Dies sei ein evolutionär geprägtes Verhalten, um Inzucht zu vermeiden. Doch natürlich ist es möglich, dass dementsprechend weitere Nilgänse aus anderen Abschnitten des Neckars nach Horb einwandern. "Die Nilgänse breiten sich am ganzen Neckar aus, das wird bald ein ganz normaler Anblick sein."

Wünschenswert, wenn ihre Zahl klein bleibt

Dennoch, eine regelrechte Plage wie in Heidelberg erwartet Rieber nicht. Dazu fehle es an entsprechend großen Grasflächen, auf denen die Gänse weiden können. Für Rieber ist es durchaus wünschenswert, wenn die Population der Nilgänse relativ klein bleibt. Schließlich stehen die sich teilweise aggressiv verhaltenden Halbgänse im Ruf, einheimische Wasservögel zu verdrängen.

Daher sei es wichtig, die Nilgänse und auch andere Wasservögel nicht zu füttern. Denn das würde nicht nur Ratten anlocken, sondern auch zu einer unnatürlichen Vermehrung der gefütterten Tiere führen. "Die vermehren sich dann auch wie die Ratten." Andere Vögel wie das grünfüßige Teichhuhn oder der Zwergtaucher könnten so verdrängt werden.

Wer nun, ohne sie zu füttern, die Nilgänse beobachten möchte, hat gute Chancen, sie an der flachen Uferzone in der Nähe der kleinen Brücke über den Mühlkanal anzutreffen. Scheu seien die Tiere nicht, versichert Rieber. "Die laufen einem durch die Beine durch."

 Name und Herkunft

Sowohl der Deutsche Name "Nilgans" als auch die lateinische Bezeichnung "Alopochen aegyptiaca" verweist auf den natürlichen Lebensraum des Vogels, nämlich den Nil in Ägypten, wo sie heute allerdings selten geworden ist. Die Nilgans ist vor allem im Subsahara-Raum heimisch, ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich jedoch auch über das Niltal bis in die Länder des Nahen Ostens. Dabei meidet sie tropische Waldgebiete und ist vor allem in Savannen und Steppenlandschaften in der Nähe von Flüssen und Seen anzutreffen. Auch in Deutschland breitet sie sich hauptsächlich in der Nähe verschiedener Gewässer aus.

Invasive Art?

Nach Europa gelangte die Nilgans, als sie im 17. Jahrhundert für die Haltung in Parks eingeführt wurde. Seit den 1960ern breitet sie sich von den Niederlanden ausgehend in Europa aus. Seit den 1990ern wird in Deutschland eine starke Verbreitung registriert. Ob von den Vögeln wirklich eine Gefahr für die heimische Artenvielfalt ausgeht, ist umstritten. So führt die EU die Nilgans seit 2017 in ihrer Unionsliste der invasiven Arten. Der deutsche Jagdverband fordert eine Ausweitung ihrer Bejagung. Der NABU sieht die ökologische Schädlichkeit der Tiere als nicht erwiesen an.

 Größe und Aussehen

Ausgewachsene Nilgänse sind 71 bis 73 Zentimeter groß. Ihre Flügelspannweite variiert zwischen 134 und 154 Zentimetern. Charakteristisch bei ausgewachsenen Exemplaren sind dunkle Flecken um die Augen sowie auf der Brust. Männchen und Weibchen unterscheiden sich im Aussehen nur geringfügig.

 Nahrung

Die Nilgans ernährt sich hauptsächlich von Pflanzen. Dabei frisst sie vor allem Gras und Samen, weshalb sie oftmals in der Nähe von Wiesen vorkommt. Auch Wasserpflanzen stehen bei ihnen auf dem Speiseplan. Ebenso vertilgen sie kleinere Tiere wie Insekten, Würmer und Krebse.

 Fortpflanzung

Die Brut der Nilgans beginnt im März oder April und dauert bis zu 30 Tage. Meist werden dabei sechs bis zehn Eier ausgebrütet. Bei der Wahl ihrer Nester sind die Tiere flexibel. So brühten sie in Gewässernähe sowohl auf dem Boden als auch in Bäumen, Häusern oder Erdlöchern. Während der Balz und der Brut sind die Nilgänse äußerst aggressiv und verteidigen energisch ihr Territorium.

 Winterzeit

Trotz ihrer tropischen Heimat ist die Nilgans kein Zugvogel und bleibt daher auch über den Winter in Deutschland.

Quellen: mdr.de, jagdverband.de, artensteckbrief.de, nabu.de

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