Vitra baute den von Verner Panton bereits 1957 festgehaltenen Freischwinger – heute ist der „Panton Chair“ eine Design-Ikone. Foto: Beatrice Ehrlich

Das Vitra Design Museum Weil am Rhein widmet dem Architekten und Designer Verner Panton zum 100. Geburtstag als erstem eine zweite Ausstellung im Schaudepot.

Wie man wohnt, worauf man sitzt, liegt, ist und spielt, hat entscheidenden Einfluss auf das Leben eines Menschen.

 

Im Vitra Design Museum kann man diesem Einfluss aus der eigenen Erfahrung heraus nachspüren.

Dabei ist immer wieder überraschend, auf wie viele „alte Bekannte“ man stößt, wenn eine neue Ausstellung eröffnet.

Zu seinem 100. Geburtstag wird dem 1998 verstorbenen dänischen Architekten und Designer Verner Panton im Vitra Schaudepot bereits seine zweite Schau gewidmet.

Mit seinen Möbeln und ganzen Inneneinrichtungen, mit Teppichen, Polstern, Lampen, Spielzeug und Schulstühlen hat er das kollektive Bildgedächtnis seit den frühen 1960er-Jahren ganz entscheidend mit geprägt.

Der Traum vom Raum mit vielen Kissen

Als kleiner Junge habe er davon geträumt, einen Raum mit ganz vielen Kissen zu haben, hat Verner Panton einmal gesagt.

Beim Blick auf die fast ausschließlich aus dem Bestand des Vitra Design Museums zutage geförderten „Schätze“ wird ersichtlich, dass er diesen Traum als erwachsener Mann auf beeindruckende Weise Wirklichkeit werden ließ.

Liegen, die im Raum schweben, die Gestaltung des Raums in die Senkrechte hinein -darin zeigt sich die Handschrift des Designers Verner Panton, dem im Vitra Schaudepot eine Ausstellung gewidmet ist. Foto: Beatrice Ehrlich

Gepolsterte Liegen, die an Seilen an der Decke befestigt sind, und in denen man sich mit Hilfe eines Flaschenzugs bis unter die Decke ziehen kann, Sofalandschaften, die sich über mehrere Etagen erstrecken – Panton brach mit seinen die Vertikale einbeziehenden Einrichtungsentwürfen bisher vorherrschende Gestaltungsgewohnheiten auf.

Auf Strümpfen durch die Polsterlandschaft

Die Polster-Fantasielandschaft „Fantasy Landscape“, ein Teil einer Ausstattung, die Panton 1970 für eine Einrichtungsausstellung schuf, steht als sehr konkrete Umsetzung eines „Zimmers mit Kissen“ im Zentrum der Schau.

Auf Strümpfen kann man in den farbigen Kubus hineinsteigen, sich hinsetzen oder – legen und diese wie eine begehbare Skulptur auf sich wirken lassen.

In einem echten „Panton“ liegen kann man in der aktuellen Ausstellung „Verner Panton – Form, Farbe, Raum“ im Vitra Schaudepot. Foto: Beatrice Ehrlich

An den intensiven Farben kann man ihn erkennen: Mit Polstermöbeln in leuchtendem Orange, Gelb und Blau setzte er zwischen 1968 und 1970 starke Akzente, wie Susanne Graner, neben Nina Steinmüller eine der beiden Kuratorinnen der Schau, beim Rundgang durch die Ausstellung deutlich macht.

Prototypen, Unikate, Skizzen und Modelle – eine absolute Besonderheit dieser Ausstellung ist einmal mehr, dass man den Weg von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt so genau nachvollziehen kann.

Ein ikonischer Stuhl und seine Geschichte

Paradebeispiel dafür ist der auf einer Skizze von 1957 erstmals festgehaltene „Panton Chair“, den Vitra unter der Verantwortung Willi Fehlbaums ab 1965 produziert wurde. Auf einem Foto aus dieser Zeit sind neben Verner Panton der junge Rolf Fehlbaum und Vitra-Techniker Manfred Diebold zu sehen.

Das Centre Pompidou hätte er auch gern gebaut

Dass Verner Panton, von Beruf Architekt, sich mit einem aufsehenerregenden Entwurf am Wettbewerb für das neue Centre Pompidou in Paris beteiligte, ist nur eine der vielen spannenden Neu-Entdeckungen, die man in dieser Ausstellung machen kann.

Wegen postalischer Probleme erreichte dieser wie auch andere Wettbewerbsbeiträge nicht sein Ziel – leider, möchte man angesichts der fantasievollen Handschrift dieses Entwurfs fast sagen.

Skizzen für futuristische Wohnviertel und Bauten

Im Vitra Schaudepot sind die Skizzen dazu ebenso zu sehen wie das Modell für einen für Karlsruhe geplanten Stadtteil der Zukunft mit kugelförmigen Gebäuden, die mit einer Art Gondel miteinander verbunden sind – ein Projekt, das ebenfalls nie zur Ausführung kam.

Ganz anders die Möbel, die über Möbelunternehmen und sogar Kaufhäuser trotz ihres extravaganten Aussehens den Weg in deutsche Wohnzimmer fanden. Ein von Panton designter Stuhl prangt in einem ausgestellten Ikea-Katalog von 1995. Kostenpunkt: 229 D-Mark – heute ist er ein begehrtes Sammlerstück.

www.design-museum.de

Die Ausstellung

Verner Panton – Form, Farbe, Raum
von Samstag, 23. Mai, bis 9. Mai 2027 im Vitra Schaudepot in Weil am Rhein

Öffnungszeiten
Die Ausstellung ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.