Mit Blumen bedankt sich Pfarrer Johannes Hruby (rechts) bei Josef Kratochvíl und Aneta Kratochvílová. Foto: Meinert

"Orgel plus Sopran" – so lautete der Titel des Konzerts in der Ostdorfer Medarduskirche. Ausführende waren das Tschechische Ehepaar Josef Kratochvíl und Aneta Kratochvílová.

Balingen-Ostdorf - Elf Werke, die bei Musikkennern als höchst anspruchsvolle Literatur bekannt sind, bildeten ein abwechslungsreiches Programm, das durch die gute Akustik der Kirche und die Orgel mit ihrer romantischen Disposition nuanciert zum Ausdruck kam.

Helle und klare Stimme

Den Auftakt bildete Johann Sebastian Bachs Orgelwerk "Dies sind die heiligen Zehn Gebot’". Kraftvoll registriert und frisch und temperamentvoll vorgetragen füllte es den Kirchenraum mit Leben und Klangfülle. Mit "Ombra mai fu" aus Georg Friedrich Händels Oper "Xerxes" füllte Aneta Kratochvílová den Kirchenraum mit ihrer hellen und klaren Stimme – die Orgelbegleitung wechselte effektvoll zwischen Forte- und Pianopassagen und ließ so einen dynamischen Klangraum entstehen, der von der Sopranistin bewegend gestaltet wurde.

Virtuos an der Orgel

Das Gloria-Lied "Allein Gott in der Höh’ sei Ehr"“ in Johann Sebastian Bachs Orgelbearbeitung erhielt durch die zarte Registrierung der Orgel einen ungewohnt und zugleich reizvollen besinnlichen Charakter. Die Liebesarie "Vegin tutto amor" von Francesco Durante wurde von Aneta Kratochvílová mit viel Timbre vorgetragen. Seine hohe Virtuosität auf der Orgel bewies Josef Kratochvíl beim Bach-Stück "Präludium und Fuge g-Moll": Rasches Vortragstempo und teilweise überraschende Registerwechsel ließen das Werk zu einem besonderen Hörerlebnis werden.

Als weiterer musikalischer Höhepunkt erwies sich die Sonate Nr. 6 d-Moll über "Vater unser im Himmelreich" von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Mendelssohn verbindet in seiner Komposition barocke und romantische Stilelemente. Eine besondere aparte Klangfärbung verlieh Kratochvíl dem Stück durch Passagen, in denen er ausschließlich die weichen Gedackt-Register der Orgel einsetzte.

Lieder erklingen flehend, freudevoll, verzweifelt

Die große Wandlungsfähigkeit ihrer Stimme bewies Aneta Kratochvílová mit fünf der "Biblischen Lieder" von Antonin Dvorák in ihrer tschechischen Muttersprache. Die Titel wurden mal flehend, mal freudevoll, mal verzweifelt und in jeder Facette mitreißend interpretiert, verstärkt durch die gekonnte Registrierung der Orgel.

Mozart für den Pfarrer

Zu einem fulminanten Schlusstück wurde die "Fantasie f-Moll" von Wolfgang Amadeus Mozart. Pfarrer Johannes Hruby hatte das Werk mit seiner prägnanten Motivik vor 40 Jahren in der Stuttgarter Stiftskirche gehört und seither den Wunsch gehegt, es auch einmal in "seiner" Ostdorfer Kirche zu hören – ein Wunsch, dem Josef Kratochvíl gerne nachkam: Er brachte die kompositorische Verspieltheit Mozarts mit großer Virtuosität zum Ausdruck und beeindruckte abermals durch seine galante Spielweise, mit der er der anspruchsvollen Komposition eine große Transparenz und Leichtigkeit verlieh.