Dort, wo einst Schafe grasten, ist heute an eine landwirtschaftliche Nutzung nicht mehr zu denken: Ende der 1960er-Jahre begannen im Norden von Villingen die Vorbereitungen für ein neues Wohngebiet – die Wöschhalde entsteht.
VS-Villingen - Anfang der 1970er-Jahre steht Villingen – damals noch ohne den Stadtteil-Kompagnon Schwenningen – vor einem Wandel. Für die rund 37 000 fassende Zähringerstadt stehen einige Veränderungen bei den Wohngebieten an. Der Mittlere Steppach wird erschlossen, der Bebauungsplan für den Kopsbühl wird aufgestellt und für 6000 Menschen entwickelt sich der neue Stadtteil Wöschhalde.
Von der "Wäsch"-Halde zur Wöschhalde
Woher stammt eigentlich der Name? Laut des Geschichts- und Heimatvereins dürfte das Areal, welches zuvor Ackerland war, als "Wäsch"-Halde gedeutet werden. Der Grund: In dem am Fuße dieser Halde gelegene Haslenweiher wurden früher vermutlich die Schafe gewaschen. Diese seien danach auf die Halde selbst zur Weide getrieben.
Doch Schafe in diesem Gebiet zwischen dem Haslach und Nordstetten gehören längst der Vergangenheit an. Denn für Villingen wurde in jenen Jahren Platz für Wohnraum benötigt. Im Sommer 1969 legte der Gemeinderat mit dem Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplans den Grundstein für das Wohngebiet.
Startschuss im Jahr 1973
Ein Jahr später stand der Entwurf schließlich fest, durchlief anschließend das baurechtliche Prozedere, ehe er 1973 rechtsverbindlich wurde. Der Startschuss für die Wöschhalde konnte somit erfolgen.
Acht mächtige Wohnblöcke im Osten Richtung Nordstetten sowie im Westen Richtung Obereschach, in denen mehrere Mehrfamilienhäuser zusammengefasst sind, sorgen bis heute für ein charakteristisches Bild des Wohngebiets. Von Ost nach West – zwischen der Straße "Wöschhalde" und der Weichselstraße – ergibt sich ein anderes Bild: Weitere Mehrfamilienhäuser aber auch Kettenhäuser lassen das Areal hier kleinteiliger wirken.
Ab 1986 entsteht die südliche Wöschhalde
Insgesamt wurden damals acht Spielplätze eingeplant, darüber hinaus zwei Kindergärten: Der städtische Kindergarten Wöschhalde sowie die Kindertagesstätte Am Ziegelbach in Richtung Haslach. Von der Stettiner Straße des bestehenden Wohngebiets Haslach erfolgte die Erschließung: Von Nord nach Süd entwickelte sich die Wöschhalde Stück für Stück.
Erst in der Folge entstand zwischen Oderstraße und Severin-Kern-Straße die durch Einfamilien- und Doppelhäuser geprägte südliche Wöschhalde. Hier erfolgte 1986 der Startschuss. In dieser Zeit wurde auch der heutige Netto-Markt realisiert. Zuvor nutzten die Bewohner der Wöschhalde die Kaufmöglichkeiten beim ehemaligen Gottlieb im Norden des Wohngebiets und die Infrastruktur im Haslach. Mit der Erweiterung durch die Wöschhalde-Süd folgte eine weitere Zufahrt in das Gebiet über den Außenring.
Ausgedünnte Infrastruktur
Heute leben in der Wöschhalde fast 7000 Menschen. Abgesehen von einem Imbiss in der Egerstraße und dem noch vorhandenen Netto-Discounter, der voraussichtlich Ende 2022 zu einem Nahkauf wird, sowie den Kindertageseinrichtungen und einem Behindertenwohnheim ist die Infrastruktur – im Gegensatz zum Haslach – recht ausgedünnt.
Für Ärger sorgt dort hingegen seit Jahren eine Bauruine, die nach einem Baustopp aufgrund von finanziellen Engpässen entstand. Bislang ist die Abrissverfügung der Stadt für das heruntergekommene Holzhaus aber noch nicht durchgesetzt worden.