„Mein Schiff“ 5 liegt im Hafen von Doha – an Bord befinden sich auch Menschen aus Villingen, die nun im Kriegsgebiet gefangen sind. Foto: Jürgen Vogler

Der Villinger Jürgen Vogler sitzt wegen des Krieges gemeinsam mit seiner Reisegruppe auf „Mein Schiff“ 5 in Doha fest. An eine Evakuierung sei nicht zu denken. So schildert er die Lage.

Doha, Abu Dhabi und Dubai – acht Tage wollte Jürgen Vogler mit seiner Frau, seiner Tochter, ihrem Mann und einem befreundeten Paar die reizvolle Ecke im Orient mit dem Kreuzfahrtschiff erkunden.

 

Doch schon am Tag nach der Ankunft am Persischen Golf herrschte Ausnahmesituation. „Als wir in Doha eine Stadtrundfahrt gemacht haben, ging der erste Alarm los“, erklärt der ehemalige Polizeihauptkommissar. Denn: In die Region war nun plötzlich mitten im Nahost-Krieg. Und damit auch Voglers Familie und Freunde.

Der Villinger wirkt im Gespräch mit unserer Redaktion dennoch gelassen. Und das, obwohl die Reisegruppe eine unruhige Nacht hinter sich hatte. Unzählige Gewehrsalven durchschnitten die Nachtruhe, „dann sind Flugzeuge und Hubschrauber über uns hinweggeflogen“. Dabei handelte es sich offenbar um einen Angriff auf den Flughafen von Doha. Aber: Vogler ist sich bewusst, dass er sich trotz der Kriegsgebaren in Katars Hauptstadt in einer komfortablen Lage befindet.

„Wir haben hier gutes Essen, die Crew ist sehr zuvorkommend – wir dürfen uns eigentlich nicht beklagen“, macht er deutlich. Für die Bevölkerung, aber auch andere Reisende, die beispielsweise an den Flughäfen festsitzen würden, sei die Situation sicherlich eine andere. Teilweise hätten Passagiere des Kreuzfahrtschiffes bereits die Heimreise angetreten, seien in der Luft umgekehrt und ohne Gepäck wieder an Bord gekommen.

Rauchwolken von den Abschüssen zu sehen

Dort leben die rund 2500 Menschen in Ungewissheit – und erleben den Krieg hautnah mit. Nachdem die Stadtrundfahrt am Samstag abrupt geendet war, hatten die Verantwortlichen des Schiffes Pools und Sonnendeck gesperrt, ein überdachtes Deck sei zum – wie es Vogler etwas ironisch darstellt – „Hofgang“ freigegeben worden. Schon habe es erste Beschüsse in der Hauptstadt gegeben, Detonationen schreckten die Urlauber auf – „am Himmel waren Rauchwolken von den Abschüssen zu sehen“. Und: „Die Kabine vibriert bei den Detonationen.“

Kriegsschiffe gehören derzeit zum Bild rund um den Hafen der Hauptstadt von Katar. Foto: Jürgen Vogler

Selbstredend ist, dass deshalb jegliche Außenaktivitäten abgesagt sind. Die Bewegungsradius beschränke sich auf einen abgesperrten Bereich im Hafen und das dortige Terminal. Denn auch für die Bevölkerung gelte eine Ausgangssperre. Zumindest diese Bereiche nutze man, um etwas „Auslauf“ zu haben.

Doha unmittelbar vom Krieg betroffen

Ansonsten bliebe den Paaren nichts anderes übrig, als auszuharren. Denn ein Ende der Situation scheint vorerst nicht absehbar. Der Kapitän des Schiffes gebe, wenn es denn auch Neuigkeiten gibt, entsprechende Updates. Mit Medienberichten übereinstimmend erklärte er am Dienstag den Urlaubern, dass zumindest von Abu Dhabi erste Gäste von „Mein Schiff“ 4 ausgeflogen wurden. Auch werden laut der Deutschen Botschaft Evakuierungsflüge geplant, zunächst aber insbesondere für „vulnerable Gruppen“.

Jürgen und Monika Vogler (von links), Felix und Sarah Cramer, Thomas und Petra Prestele versuchen das Beste aus der Situation zu machen. Foto: Jürgen Vogler

Vogler sieht die 2500 Passagiere bei „Mein Schiff“ 5 noch weit davon entfernt: „Es ist nicht daran zu denken, dass wir evakuiert werden können.“ Das liege insbesondere am strategisch wichtigen US-Luftwaffenstützpunkt am Rande der Hauptstadt. Doha sei unmittelbar vom Krieg betroffen und auch Ziel von iranischen Angriffen. Wenn überhaupt sei eine „Flucht“ auf dem Landweg nach Abu Dhabi möglich. Eine zeitliche Perspektive gebe es dafür aber nicht.

Manche sitzen weinend in der Ecke

Weder dem Reiseveranstalter noch der Crew mache man deshalb aber in irgendeiner Form Vorwürfe. „Die Reise wurde von Monaten gebucht, diese Situation kam für alle überraschend – auch für die jetzt betroffenen Länder.“

Die Paare hoffen trotz der fehlenden Perspektive, dass sich die Situation bald kläre. Dass US-Präsident Trump erklärt habe, dass er mit einem vierwöchigen Krieg rechne, habe durchaus für ein ungutes Gefühl gesorgt. Denn dann könnte die bislang gelassene Stimmung auf dem Schiff durchaus kippen. Schon jetzt gebe es vereinzelt Passagiere, denen die Situation schwer zu schaffen macht. Vogler: „Es gibt manche, die furchtbar Angst haben und teilweise weinend in der Ecke sitzen.“

Derzeit hänge man völlig in der Luft – den Passagieren bliebe daher nichts anderes übrig, als die weltpolitische Lage weiter zu beobachten zu hoffen, dass ein Entkommen in die Heimat bald wieder möglich ist.