Letzte Runde im „Kanönle“: Thomas Wegwert schließt am Samstag letztmals die Tür auf. Er steht noch einmal hinter der Theke, die fast 25 Jahre nicht nur für ihn ein Wohnzimmer war.
Wie viele Kanonen er besitzt, dies weiß „Thomi“ Wegwert nicht genau. „Aber rund 20 werden es schon sein“, hat sich seit November 2002 die Kneipe in der Villinger Bärengasse zu einer kleinen Piratenhöhle entwickelt.
„Manche meinten, dass ich mit den Rastas und dem Stirnband etwas wie Johnny Depp als Captain Jack Sparrow in der Fluch der Karibik aussehe. Das Motto der Bar war dann Pirates of the Black Forest“, schmücken Totenkopfflaggen, Modellschiffe verschiedener Epochen und viele weitere Seemannsutensilien das „Kanönle“.
Das Motto
„Ein Weg zum Wegwert ist ein Weg wert“, heißt es auf dem Plakat vor der Kneipen-Tür. Öffnet sich diese, warten wenige Treppen und schon ist der Gast an der Theke. Sechs, sieben Barhocker, zwei Tische, ein Dart, zwei Spielautomaten und eine gemütliche Sitzecke samt Ledereckbank – das ist die Welt von „Thomi“ Wegwert noch bis zu diesem Samstag.
Was macht einen guten Wirt aus? „Loyalität zu den Kunden. Es wird verlangt, dass man immer gut gelaunt ist, immer eine Lösung hat. Da muss man auch etwas ein Schauspieler sein“, meint der Villinger und lacht. Dazu komme ein gutes Gefühl über den Musikgeschmack und die Stimmung der Gäste, ob diese in Metal-, Schlager- oder Punklaune im „Kanönle“ auftauchen.
CDs und Spotify
Früher spielte „Thomi“ Wegwert CDs ab, die sich oft bis an die Decke stapelten. Heute setzt der Wirt auf Spotify. „Ich hatte nun seit fast 25 Jahren, bis auf die Corona-Zeit, fast jeden Tag offen“, hat der 66-Jährige, der 1984 als Croupier nach Villingen kam und vor der „Kanönle“-Übernahme das „Wehrhaus“ betrieb, im letzten Vierteljahrhundert viel erlebt. Und dies nicht nur in der Kneipe, sondern auch im Sommer im Schatten der alten Kastanie im kleinen Biergarten der Gaststätte.
Gutes und weniger Gutes. „Die ersten sieben Jahre waren die beste Zeit“, erinnert sich der 66-Jährige an die Nullerjahre, als er teilweise drei Angestellte hatte. „Der Laden brummte. Wir waren hier mit die erste Bar in Villingen, die Halloween-Partys veranstaltete. Dann gab es unsere berühmt-berüchtigten Nikolausfeiern mit Stripperinnen als Überraschungspaket“, hat sich seit diesen Hochzeiten („Damals gab es hier noch einen Flipper, die Leute spielten Schach oder Karten“) viel verändert.
Corona und Co.
„Corona war der Anfang vom Ende“, verzeichnete er immer weniger Gäste, dazu machte dem früheren Croupier zuletzt teilweise die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung.
„Stammtische kamen nicht mehr, Stammgäste starben. Das ganze Ausgehverhalten hat sich zudem verändert“, verweist „Thomi“ Wegwert darauf, dass auch andere Bars in Villingen ihre Türen geschlossen haben. Zuletzt habe es wohl das „Crazy“, das frühere „Limba“, erwischt.
So geht es weiter
„Ich wünsche dem Kanönle, dass es weiter ein Treffpunkt für Jung und Alt ist. Mir ging es immer um Gemütlichkeit, das Zusammengehörigkeitsgefühl“, kann sich der 66-Jährige aber nach einer Pause vorstellen, dass er als „Aushilfe“ wieder hinter einer Theke steht. „Aber eben nicht mehr regelmäßig.“
Die letzte Runde
Vielleicht sogar im „Kanönle“? „Es gibt auf jeden Fall einige Interessenten“, sei es aber an der Eigentümerin, über die Nachfolge zu entscheiden. Zunächst aber schließt „Thomi“ Wegwert am Samstag ein letztes Mal auf. Die letzte Runde im „Kanönle“ ist nah. Ein Villinger Unikat schließt ab.