Die Kultkneipe Kastanie in Villingen steht kurz vor der Wiedereröffnung. Was der neue Wirt mit dem Lokal vorhat und was die Flaute im Nachtleben damit zu tun hat.
Es ist kein Geheimnis, dass das Villinger Nachtleben – insbesondere rund um die Färberstraße – bereits bessere Zeiten erlebt hat. Auch im Zuge der Debatte um Sperrzeiten und Beschränkungen bei der Außengastronomie setzten diese den Wirten in der bekannten Kneipenmeile zu.
Das merkt auch Robert Reinhardt, besser bekannt als Rigo. Der 40-Jährige kam vor elf Jahren von Frankfurt in die Doppelstadt, erfüllte sich hier nach Zwischenstationen in der Industrie den Traum von der eigenen Bar. Im August 2024 übernahm er das Glunkenhaus in der Färberstraße. „In Frankfurt ist eine eigene Bar unbezahlbar“, erklärt der Quereinsteiger.
Rund anderthalb Jahre später zieht er eine gemischte Bilanz seines Einstiegs in die Gastrowelt. „Die Wochenenden sind bekanntlich mau geworden“, erklärt er mit Blick auf die schwächere Resonanz im Villinger Nachtleben. Rigo setzte seinen Fokus daher verstärkt auf die Internatsschüler der Hotelfachschule, die insbesondere unter der Woche eine Anlaufstelle suchen. Das Glunkenhaus war bereits in der Vergangenheit ein beliebter Treffpunkt für die „Hofas“.
Der 40-Jährige möchte nun weitere Möglichkeiten suchen, in Villingen noch stärker Fuß zu fassen und in diesem Zusammenhang zusätzliche Geschäftsfelder erschließen. Im Erdgeschoss des Glunkenhauses möchte der Gastronom deshalb einen Candyshop eröffnen und sich so das Tagesgeschäft sichern. Ganz klassisch im amerikanischen Stil sollen dort Süßigkeiten und Getränke verkauft werden – ehe am Abend der Fokus wieder auf den Barbetrieb gelegt wird. Die Umbauarbeiten für das Vorhaben haben bereits begonnen.
Am früheren Konzept soll nicht gerüttelt werden
Doch nicht nur neue Konzepte, sondern auch die Übernahme einer Kultkneipe sollen für zusätzliche Impulse sorgen. Denn Reinhardt zeichnet sich ab sofort auch für die Kastanie in der Goldgrubengasse verantwortlich. Viele Villinger erinnern sich noch gut an die Zeiten von Kultwirt Siegfried Zacker, der 24 Jahre lang – bis zu seinem Tod im Jahr 2013 – Alt und Jung in der Kneipe vereinte. Zuletzt übernahm 2020 der Schwenninger Gastronom Markus Stoll die Kastanie und später auch das Glunkenhaus, zog sich dann aber wieder aus Villingen zurück und ist nun in der Bierakademie beheimatet.
Abgesehen von einem kurzen Intermezzo während der vergangenen Fasnet ist die Kastanie verwaist – weshalb Rigo sich nun dazu entschloss, hier gemeinsam mit seinem Schwiegervater Marino Gnisci einzusteigen. Klar ist: Am früheren Konzept, das auch ältere Gäste mit einbezog, soll nichts geändert werden. Klassischerweise sollen in der Kultkneipe vermehrt Schlager laufen – also ein Kontrast zur Musikauswahl im Glunkenhaus. Zudem soll die eine oder andere Dartscheibe dort einen Platz finden.
Kastanie darf bis 5 Uhr öffnen
Mit der Übernahme der Kastanie erhofft sich der Gastronom, das Nachtleben wieder attraktiver gestalten zu können. „Viele gehen nicht mehr nach Villingen, weil sie mitten in der Feierlaune unterbrochen werden“, spielt Rigo auf die Sperrzeit ab 3 Uhr in der Färberstraße an.
In der Kastanie darf er hingegen – wie im nahegelegenen Schlössle – am Wochenende bis 5 Uhr öffnen. Angesichts des erweiterten Angebots hofft der 40-Jährige, dass wieder der eine oder andere Nachtschwärmer angelockt wird. Ein gutes Miteinander mit den Nachbarn und Anwohnern ist ihm dabei wichtig.
An der Fasnet durchgehend geöffnet
Los geht es bereits am kommenden Freitag, 6. Februar. Nachdem das Lokal nun wieder vollständig ausgestattet ist und der Gastronom die eine oder andere Änderung vorgenommen hat, sieht er sich auch für die Fasnet gewappnet. Vom Schmotzigen bis zum Fasnachtsdienstag möchte er daher durchgehend geöffnet haben. Unter’m Jahr ist die Kastanie freitags und samstags geöffnet (20 bis 5 Uhr). Sollte sich entsprechendes Personal finden, möchte Rigo auch donnerstags die Türen öffnen.