Präsentieren das 46. Jahrbuch des Geschichts- und Heimatvereins Villingen (von links): Schatzmeister Werner Blum, Schriftführerin Gabriele Eckert, der zweite Vorsitzende Edgar H. Tritschler und der Vorsitzende Rupert Kubon. Foto: Zieglwalner

Es ist prall gefüllt mit Beiträgen zur Heimatgeschichte, enthält neue wissenschaftliche Erkenntnisse, wirft aber auch einen Blick über die Region hinaus und schlägt einen Bogen in die Zukunft: das 46. Jahrbuch des Geschichts- und Heimatvereins (GHV) Villingen.

VS-Villingen - "Es ist das umfangreichste Jahrbuch, das der Verein je herausgegeben hat", blickt der Vorsitzende Rupert Kubon auf die neue Ausgabe, die mehr als 190 Seiten umfasst. Der Titel "Jahresheft" sei für die Bände mit dem Titel "Villingen im Wandel der Zeit" schon lange nicht mehr zutreffend. Auch für 2023 seien spannende und abwechslungsreiche Texte zusammengekommen.

 

Stolz sind Kubon und der stellvertretende Vorsitzende Edgar H. Tritschler, der die Redaktionsleitung inne hat, auf die Qualität der Artikel, die auch bislang unerforschte Aspekte der Stadtgeschichte aufgreifen. So die jüdische Kunsthistorikerin Lotem Pinchover aus Tel Aviv, die im Rahmen ihrer Dissertation auf die Ablasstafeln im Villinger Bickenkloster stieß, den Kontakt zu Johannes Kaiser, Leiter der St. Ursula-Schulen, aufnahm und die Gebäude vor Ort besichtigte. Wie einzigartig diese Kunstwerke sind und welche Bedeutung sie für die symbolischen Pilgerreisen der Klarissenschwestern hatten, ist in ihren Ausführungen zu erfahren. Dies sei auch Christine und Michael Tocha zu verdanken, die sich der Übersetzung annahmen, betont Tritschler.

Thema bei einem bauwissenschaftlichen Kongress

Wie die mittelalterlichen Dachkonstruktionen das Villinger Stadtbild prägen und welche Besonderheiten sie aufweisen, schildert der Bauingenieur Burghard Lohrum. So sei manches alte Haus, das bisher kaum Beachtung fand, unter ganz anderen Blickwinkeln zu entdecken, erklärt Tritschler. Gerade für Schreiner und Zimmerleute sei diese Untersuchung eine Fundgrube und nun auch Thema bei einem bauwissenschaftlichen Kongress.

Kulturelle Glanzlichter beleuchten die Berichte über Lovis Gremliza und die vor 75 Jahren gegründete Schwenninger Lovis-Presse oder das seit 110 Jahren bestehende Sinfonieorchester Villingen-Schwenningen. Die Gedanken von Rupert Kubon zum Jubiläum der Baden-Württemberg-Stadt haben ebenso Eingang in das Buch gefunden wie die Beziehung von Ferdinand von Steinbeis zur Region und die Rolle des Steinbeis-Transferzentrums. Ein Nachruf ist dem gestorbenen Ehrenvorsitzende Günter Rath gewidmet.

Wirken der Großherzogin Luise von Baden

Zurück in die Geschichte führen beispielsweise die Aufsätze über die mehrfachen Herrschaftswechsel im "Epochenjahr" 1806, das Wirken der Großherzogin Luise von Baden, die Münsterglocken oder die Entstehung der Stadtbibliothek. Die Ausschnitte aus dem Tagebuch des holländischen Fremdarbeiters Thijs Jonker thematisieren die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Auf Seuchen und Pandemien geht Hatem Saleh, Leiter des Gesundheitsamts, vor dem Hintergrund der Corona-Krise ein.

Vor welchen Aufgaben die Stadt steht, zeigt sich in Sachen Klimaschutz. Und wie sich die historische Vielfalt für die Gegenwart und Zukunft nutzen ließe, skizziert Michael Hütt, langjähriger Leiter der städtischen Museen, in seinem Konzept für das geplante Museumsquartier Bürk. Einen Einblick in das Vereinsleben hat zudem Schriftführerin Gabriele Eckert zusammengestellt.

Vorstands- und Redaktionsteam hofft auf viele Leser

Der Band decke dank der Autoren viele interessante Themen ab, stellt denn Tritschler fest. Froh sei er auch über die gute Zusammenarbeit mit der Druckerei Leute und deren Layouter Marcus Ditsch, die das rechtzeitige Erscheinen gewährleistet hätten. Ein Dank gelte ebenso den Sponsoren, unterstreicht Schatzmeister Werner Blum. Diese Unterstützung ermögliche es, Jahr für Jahr ein solches Buch herausgeben zu können. Jetzt hofft das Vorstands- und Redaktionsteam, dass auch der 46. Jahrgang viele Leser findet.

Info: Bezugsquellen

Das 46. Jahrbuch des Geschichts- und Heimatverein Villingen ist für 18 Euro im örtlichen Buchhandel, bei der Tourist-Information im Franziskaner Kulturzentrum und in der Geschäftsstelle im Münsterzentrum erhältlich. Für Mitglieder sind die Beiträge zu Kultur, Geschichte und Gegenwart im Jahresbeitrag von 40 Euro enthalten.