Antonio (links) und Marco Garofalo verlassen den Löwen in Villingen – obwohl das Gasthaus brummt. Foto: Marc Eich

Die Gebrüder Garofalo kehren dem Löwen den Rücken – schuld daran ist ausgerechnet einer ihrer Gäste. Für das traditionsreiche Villinger Gasthaus ist man schon an einer Nachfolge dran.

Die Villinger Feinschmecker, die bisher im Gasthaus Löwen ihre verwöhnten Gaumen erfreuen ließen, müssen einen herben Verlust hinnehmen: Die Gebrüder Garofalo geben den Gastronomiebetrieb ab.

 

Damit ist das Zwischenspiel von Marco (Küchenchef und Inhaber) sowie Antonio (Servicechef und Gastgeber) Garofalo nach etwas mehr drei Jahren beendet. Spätestens Mitte Juni soll in der Villinger Innenstadt Schluss sein, wie sie im Gespräch mit unserer Redaktion erklären.

Eine Entscheidung, die den Beiden nicht leicht gefallen ist. „Es ist wirklich schwer loszulassen, weil wir uns hier etwas aufgebaut haben“, erklärt der Küchenchef und lässt die Anfänge in der Villinger Innenstadt Revue passieren.

Lange Überlegungen vor Übernahme

Nach einem langen Entscheidungsprozess („Wir hatten beide gute Jobs“) hatten sich die Brüder gemeinsam dazu entschieden, das Lokal zu übernehmen. Marco Garofalo (38) macht deutlich, dass er sich das nur gemeinsam mit seinem ein Jahr älteren Bruder vorstellen konnte.

Ein stimmiges Konzept, bei dem der Fokus auf der badisch-französischen Küche lag, ebnete schließlich den Weg für eine Neueröffnung des Löwens im Februar 2020. „Mein Anspruch war, hier die beste Küche anzubieten“, betont der Inhaber. Der Weg dahin war klar: Keine Convenience-, also Fertig-Produkte – von der Beilage zur Soße und bis zum Eis wird alles selbst gemacht.

Mit Corona auch neue Gäste gewonnen

Selbstredend, dass die Corona-Pandemie für Rückschläge gesorgt hatte, aber gleichzeitig auch neue Gäste in den Löwen lockte. „Einige Gäste haben über unseren Take-away und den Lieferservice unsere Küche erst kennengelernt, andere konnten wir so dauerhaft an uns binden“, erinnern sich die Brüder.

Von irgendeiner Krise ist derzeit keine Spur im Löwen, ganz im Gegenteil. Am Wochenende sei das Restaurant „immer voll“, abends „immer gut besucht“. Da stellt sich natürlich direkt die Frage: Warum die Entscheidung, den Löwen zu schließen?

Stammgast lockt die Brüder nach Donaueschingen

Hier kommt ausgerechnet ein Stammgast ins Spiel: Aron Pilz. Der Unternehmer (stammt aus Hüfingen, Geschäftssitz in Villingen) erzählt gemeinsam am Tisch mit den Garofalos, wie er regelmäßig mit seiner Clique im Löwen zu Gast ist und die deliziöse Küche genießt. „Da habe ich sie abgeworben“, sagt er.

Denn: Der 34-Jährige ist seit 2013 Eigentümer des ehrwürdigen Restaurants Schützen in Donaueschingen. Dort ziehen sich die bisherigen Pächter, das Ehepaar Baader, aus gesundheitlichen Gründen zurück. Die deutsche Küche auf hohem Niveau sollte aber nicht verwaisen. Kurzerhand quatschte er die Brüder im Februar an, „Ich habe gesagt, ’wir müssen da mal was besprechen’.“

Andere Möglichkeiten im Schützen

Pilz zeigte den Gastronomen die Entwicklungsmöglichkeiten auf, statt 30 würden dort 250 Sitzplätze zur Verfügung stehen. Hochzeiten, Veranstaltungen, Empfänge – all das ist im Schützen möglich. Pilz und die Garofalos sind sich einig, dass das hohe Niveau weiterhin Aushängeschild sein soll.

„Es ist deshalb keine Entscheidung gegen Villingen, sondern für Donaueschingen“, erklärt Marco Garofalo den Schritt, den das gesamte zehnköpfige Team geschlossen mitgeht. Weil ihm der Löwen mit seinem Verpächter Wilhelm Riesle am Herzen liegt, bemüht sich der 38-Jährige aber um eine saubere Nachfolgelösung.

Erste Interessen für die Löwen-Übernahme

Das Restaurant hinterlassen sie quasi grundsaniert mit passender Einrichtung und auch hinsichtlich der zukünftigen gastronomischen Qualität haben die Garofalos eine klare Vorstellung: „Hier muss einfach gute Küche rein!“

Mehrere Interessenten haben die Brüder schon an der Angel, angesichts des guten Rufs des Löwen kein Wunder. Eine Entscheidung, wie es nach dem Schnitt im Juni weiter geht, gibt es allerdings noch nicht.