Die Aktion „Fasnet für älle“ ermöglicht es erstmals, dass Menschen mit Behinderungen den Umzug am Dienstag in Villingen in einem geschützten Rahmen besuchen können.
Sie sind begeistert, auf welche Resonanz die Aktion „Fasnet für älle“ stößt, ob Unterstützer oder Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigung, bei allen hätte sie offene Türen eingerannt, erzählen Felicitas Bichweiler und Jörg Westermann.
Im Herbst hatten die beiden die Initiative ergriffen, unter dem Motto „Fasnet bunt und inklusiv“ Menschen mit einen Handicap zu ermöglichen, den großen Umzug am Dienstag, 17. Februar, in Villingen in einem geschützten Rahmen zu erleben. Die Idee haben sie von den Konstanzer Fastnachtsvereinen mitgebracht, die beim Umzug für Menschen im Rollstuhl abgeschirmte Flächen einrichten und für Sehbehinderte das Geschehen beschreiben.
Auch beim Jubiläum der Bad Dürrheimer Narrenzunft hätte dieses Angebot für große Freude gesorgt, erzählt Felicitas Bichweiler, die selbst bei der Hexenzunft aktiv und leidenschaftliche Fastnachterin ist.
Dieses unmittelbare Erlebnis der Fasnet wollten die beiden Menschen mit Handicap in Villingen ebenso zugänglich machen, mit der Zuggesellschaft und dem Lions Club fanden sie schnell Partner. Und sie ließen ihre Kontakte spielen, die Firma Zacke Hausverwaltung stellt den Platz im Klosterring zur Verfügung, eine Fahrschule den abschließbaren Anhänger, die Carl-Orff-Schule übernimmt mit dem „Café Mobil“ die Bewirtung.
Helfer stehen parat
Ein fester Kern an 15 bis 20 Helfern steht für den Dienstag parat, bei zwei Treffen haben sie sich kennengelernt und die Arbeit aufgeteilt. Die einen seien beim Auf- oder beim Abbau, die anderen während des Umzugs im Einsatz, manche auch den ganzen Nachmittag über, erklären Felicitas Bichweiler und Jörg Westermann.
Eine wichtige Rolle spielen die Umzugskommentatoren, die das bunte Geschehen auf der Straße anschaulich für Sehbehinderte und Blinde schildern. Julian Limberger, Blindenreporter beim Sport-Club Freiburg, hat sie in einer Schulung auf diese Aufgabe vorbereitet, der Lions Club rund 50 Kopfhörer samt Lautsprechern finanziert. Von der Zuggesellschaft bekommen sie das Regiebuch für die Umzugssprecher mit dem Ablauf der Gruppen, ihren Besonderheiten und den Narrenrufen. Dann gilt es, dies in einfacher Sprache verständlich zu machen.
Kurze Zusammenfassungen statt langer Erklärungen sei die Devise, betont Felicitas Bichweiler. Statt „An der Spitze kommt der Narrovater, der auf einem Pferd sitzt, das ein Begleiter führt“ könne es zum Beispiel heißen „Der Narrovater kommt. Er sitzt auf einem Pferd“. Knappe Sätze ohne Fremdwörter, die nicht mit Informationen überfrachtet seien, das sei die besondere Herausforderung für die Umzugssprecher, die sich immer wieder abwechseln. „Sie müssen gar nicht das Häs in allen Einzelheiten wiedergeben.“
Häs zum Anfassen
Viel bedeutender als die Sprache sei ohnehin das Tasten und Fühlen. Einige Helfer hätten den Auftrag, einzelne Teilnehmer aus dem Umzug zu holen, so dass die Blinden und Sehbehinderten das Häs anfassen und begreifen können. Viele Zünfte seien bereits über den Standort informiert. Alle ehrenamtlichen Mitarbeiter seien übrigens durch ihre einheitlichen Westen schnell erkennbar, stellt Felicitas Bichweiler fest, die natürlich hofft, dass viele Hästräger einen Stopp im Klosterring 4 einlegen.
Der Platz sei ideal, freut sich Westermann. Er biete nicht nur genügend Raum auch für Menschen im Rollstuhl, sondern auch die Möglichkeit, sich in den Hinterhof zurückzuziehen, wenn der Trubel zu groß ist. Westermann stellt allerdings klar, dass das Team nicht für pflegerische Betreuung der Zuschauer zuständig ist. Wer besondere Hilfestellung benötige, müsse einen Begleiter mitbringen. Zudem gebe es keine Toilette auf dem Gelände.
Konzept auf andere Veranstaltungen übertragbar
„Wir wollen jetzt einfach erste Erfahrungen sammeln“, sagt Westermann. Verbesserungen und Änderungen könnten dann in die nächste Auflage einfließen. Denn sicher ist er sich, dass sich das Konzept auch auf Veranstaltungen wie die im kommenden Jahr geplanten Heimattage übertragen lässt und es auch 2027 eine „Fasnet für älle“ gibt.
Schon jetzt sei die Reaktion bei Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen durchweg positiv, viele seien dankbar, dass sie dieses Inklusionsprojekt auf den Weg gebracht haben. Sie selbst sind jedenfalls gespannt und freuen sich auf den Fasnetsdienstag. „Wenn wir nur zehn Menschen die Freude an der schönen Villinger Fasnet vermitteln können, hat sich der Aufwand schon gelohnt“, bringt Westermann die Motivation aller Mitstreiter auf den Punkt.
Organisation
Der Platz
Das Team der Aktion „Fasnet für älle“ der Zuggesellschaft Villingen bietet für den großen Umzug am Dienstag, 17. Februar, einen abgesperrten Bereich für Menschen mit Beeinträchtigung auf dem Vorplatz der Hausverwaltung Zacke/Kanzlei Dr. Neumann im Klosterring 4 an. Geöffnet ist ab 13 Uhr. Zum Sitzen stehen Bierbänke zur Verfügung. Es gibt eine Umzugsmoderation in einfacher Sprache über Kopfhörer. Der Hin- und Rückweg ist selbst zu organisieren, die direkte Anfahrt mit dem Auto in den Klosterring am Dienstag nicht möglich. Mit einem kurzen Fußweg erreichbar ist das Gelände über die Friedrichstraße oder den Bickensteg. Wegen der Organisation ist eine Anmeldungen unter E-Mail inklusion@villinger-fasnet.de erwünscht.