Villingendorf investiert weiter. Die solide Planung der vergangenen Jahrzehnte macht sich, trotz finanzieller Herausforderung, bemerkbar.
Einstimmig verabschiedete der Villingendorfer Gemeinderat die Haushaltssatzung für das Jahr 2026. In den Beratungen wurde deutlich: Die Gemeinde ist finanziell nicht auf der Sonnenseite, profitiert jedoch von einer seit Jahrzehnten soliden und konservativen Haushaltsführung und einem „guten Händchen“.
Der Ergebnishaushalt 2026 weist ordentliche Erträge in Höhe von rund elf Millionen Euro aus. Dem stehen ordentliche Aufwendungen von rund 11,9 Millionen Euro gegenüber.
Zu den Hauptursachen dieses Defizits zählen steigende Personalaufwendungen, die sich auf etwa 3,8 Millionen Euro belaufen und gegenüber dem Vorjahr um rund sieben Prozent ansteigen.
Gründe hierfür seien Tarifsteigerungen sowie zusätzliche Stellen im technischen Bereich, sagte Kämmerin Daniela Duttlinger. Hinzu komme die erhöhte Kreisumlage, die von 29 auf 31,5 Prozent steige und die Gemeinde mit rund 174 000 Euro zusätzlich belaste.
Anbau an die Grundschule
Auf der Einnahmeseite könne Villingendorf zwar von höheren Anteilen an der Einkommens- und Umsatzsteuer sowie steigenden Schlüsselzuweisungen profitieren, aber vollständig sei die Ausgabensteigerung durch diese Mehreinnahmen nicht auszugleichen. Wenngleich jüngst bewilligte Mittel aus der Schulbauförderung die Rechnung noch einmal verbessern könnte.
Der Investitionshaushalt 2026 umfasst Einzahlungen von 2,6 Millionen Euro und Auszahlungen von knapp 4,4 Millionen Euro. Der Finanzierungsmittelbedarf beläuft sich auf 1,29 Millionen Euro und soll über vorhandene Liquidität und Kreditaufnahmen gedeckt werden.
Ein Schwerpunkt liegt auf dem Anbau für die Ganztagesbetreuung und die Kindertageseinrichtung an der Grundschule. Das Gesamtprojekt umfasst rund 3,6 Millionen Euro, wovon im Jahr 2026 Auszahlungen von mehr als 2,1 Millionen Euro vorgesehen sind. Ein erheblicher Teil der Kosten wird durch Fördermittel getragen.
Kredite müssen sein
Ein weiteres zentrales Projekt ist der Anschluss der Kläranlage Rottweil. Für 2026 sind hierfür nochmals eine Million Euro eingeplant. Die Gemeinde rechnet mit weiteren Fördermitteln von rund 800 000 Euro.
Zudem ist die Ersatzbeschaffung eines Unimog für den Bauhof vorgesehen. Das 16 Jahre alte Fahrzeug ist stark verschlissen. Die Kosten von 280 000 Euro sollen teilweise durch Zuschüsse und Verkaufserlöse ausgeglichen werden.
Der Haushaltsplan sieht für 2026 eine Kreditaufnahme von insgesamt 1,2 Millionen Euro vor. Da noch Kreditermächtigungen aus dem Vorjahr in Höhe von 400 000 Euro bestünden, betrage die genehmigungspflichtige Neuaufnahme 800 000 Euro.
Das vielzitierte blaue Auge
In der Beratung äußerten sich die Ratsmitglieder kritisch zu den Kreditaufnahmen. Verwiesen aber gleichzeitig darauf, dass in den vergangenen Jahren zentrale Infrastrukturprojekte umgesetzt worden seien, für die Gemeinde unverzichtbar. Dazu zählen vor allem der Bau der Mehrzweckhalle, Ertüchtigung der Kanalisation, des Bauhofs und der geplante Neubau des Feuerwehrhauses.
Bürgermeister Marcus Türk, Frank Moosmann und Martin Schwellinger betonten, dass die Gemeinde von ihrer vorsichtigen und konservativen Planung profitiere. Befürchtungen, die Pro-Kopf-Verschuldung könne deutlich steigen, hätten sich, zumindest nach dem Bau der Mehrzweckhalle, nicht bestätigt, so Türk.
Hoher Aufwand
Villingendorf sei trotz einer vergleichsweise schwachen Finanzkraft auch dieses Mal „mit einem blauen Auge“ davongekommen. Besonders betont wurde die Rolle der Fördermittel. Über Jahre hinweg, war die Gemeinde stets bemüht, Zuschüsse zu erhalten, was meist gelang. Diese Fördergelder hätten Investitionen, die aus eigener Kraft nicht realisierbar gewesen wären, überhaupt erst ermöglicht.
Gleichzeitig verwies Martin Schwellinger auf den hohen Aufwand, der insbesondere von der Verwaltung geleistet werde, um diese Mittel zu sichern.
Was ab 2027 geplant ist
Der mittelfristige Investitionsplan umfasst für 2027 die Erweiterung der Ganztagesbetreuung, die erste Rate für das neue Feuerwehrhaus und die Erschließung des Gewerbegebiets Wasen. Für 2028 folgt der Neubau des Feuerwehrgebäudes als Schwerpunkt und 2029 die Erschließung des Wohnbaugebiets Hoheim/Wirtsgasse und die Beschaffung eines Löschfahrzeugs.