Marcus Türk, Bürgermeister von Villingendorf. Foto: Türk

Ein für viele Menschen schwieriges Jahr 2021 ist Vergangenheit. Und auch im neuen fällt es derzeit vielen schwer zu frohlocken.

Villingendorf - Villingendorfs Bürgermeister Marcus Türk ist nach einigen Urlaubstagen wieder im Amt und hat im Gespräch einen Blick zurück und nach vorne geworfen.

 

Wie ist Ihr momentanes Befinden?

Derzeit versetze ich mich in die Lage von vor einem Jahr. Zum Jahresbeginn 2021 hatten wir knapp ein Jahr Corona hinter uns. Ich kann mich noch daran erinnern, wie wir alle die Hoffnung hatten, dass es bald besser wird und wir möglichst schnell zur Normalität zurückkehren können. Heute wissen wir, dass sich dieser Wunsch leider bislang nicht erfüllt hat. Deshalb bleibt uns nichts anderes übrig, als hoffnungsvoll das Jahr 2022 zu begehen und weiter optimistisch in die Zukunft zu blicken.

Welche Eindrücke bleiben von 2021 haften?

Sowohl negative als auch positive Eindrücke. Negativ war aus meiner Sicht vor allen Dingen, dass so viele Veranstaltungen ausgefallen sind und dadurch das gesellschaftliche Leben deutlich ärmer war. Auch war es für mich immer ein negatives Erlebnis, wenn ich die Liste der mit dem Virus infizierten Villingendorferinnen und Villingendorfer erhalten habe.

Positiv erlebt habe ich hingegen das gute Miteinander so vieler Menschen in unserer Gemeinde. Egal, ob es darum ging, in Pandemiezeiten Hilfsbedürftigen zu helfen oder bei der Organisation von alternativen Veranstaltungen, die der Corona-Verordnung entsprachen. Hier habe ich eine unglaubliche Fülle an Ideenreichtum, Engagement und Einsatzbereitschaft so vieler in unserer Gesellschaft erlebt.

Mit welchen Erwartungen und Hoffnungen haben Sie vor einem Jahr Silvester gefeiert? Und erlebt?

Mit der Hoffnung, dass dies das einzige Silvester in dieser Art bleiben sollte – was sich ja leider nicht bewahrheitet hat. Abgesehen von der Thematik Corona habe ich mir vor einem Jahr noch sehr viele Gedanken darüber gemacht, wie es mit unserem "Jahrhundertprojekt", dem Neubau der Mehrzweckhalle, weitergeht.

Wenn man sich andere Großprojekte der öffentlichen Hand der vergangenen Jahre ansieht, so hat man das Gefühl, dass die allermeisten davon sowohl zeitlich als auch finanziell sämtliche Berechnungen und Planungen sprengen. Hier war meine Hoffnung, dass wir es schaffen, unsere Ziele einzuhalten.

Was davon ist in Erfüllung gegangen?

Das mit Silvester – wie wir heute wissen – ja leider nicht. Was die Halle angeht, gibt es bislang vergleichsweise geringe Verzögerungen, die vor allen Dingen mit der Materialknappheit und der allgemeinen Auftragslage in der Baubranche zu tun haben. Finanziell gesehen, befinden wir uns momentan sogar noch unterhalb unseres Kostenansatzes.

Welche positiven Erlebnisse gaben Ihnen Kraft und schenkten Ihnen Freude?

Neben den bereits bei der zweiten Frage genannten positiven Erlebnissen habe ich mich besonders darüber gefreut, wie stark auch der Zusammenhalt der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister im Landkreis ist.

Wenn ich daran zurückdenke, in wie vielen Onlinezusammenkünften wir uns über die jeweils aktuellen Probleme der Kommunen unterhalten haben und darüber, wie wir uns gegenseitig helfen können, bin ich äußerst dankbar darüber, derart hilfsbereite Kolleginnen und Kollegen zu haben. Durch diese hervorragende Zusammenarbeit konnten wir gemeinsam viel für unsere Bevölkerungen erreichen.

Ebenso muss ich an dieser Stelle die aktive und äußerst engagierte Hilfestellung des Landratsamtes Rottweil loben, wodurch ebenfalls des Öfteren Positives für die Bevölkerung erreicht werden konnte.

Wer ist Ihr persönlicher Aufmunterer?

Das ist eindeutig meine Sekretärin! Durch ihre ruhige und gut gelaunte Art schafft sie es, mich auch in Stresssituationen – wie sie in den vergangenen zwei Coronajahren ja leider häufig vorgekommen sind – aufzumuntern.

Wobei mussten Sie "schlucken"? Was hat Sie deprimiert? Enttäuscht?

Besonders enttäuscht war ich im vergangenen Herbst. Als ein Ergebnis des Jugendforums, welches ich im Sommer in Villingendorf durchgeführt hatte, war ja die Idee zur Schaffung eines Fitness- und Generationenparks bei der Halfpipe neben dem Sportgelände entstanden. In einer Bürgerbeteiligung haben sich viele Institutionen, Gruppen und Vereine mit eingebracht und mit ihren Ideen zur Weiterentwicklung des Projektes beigetragen. Es waren auch schon etliche Spenden hierzu eingegangen. Auch der Gemeinderat befürwortete das Projekt.

Leider wurde der hierzu gestellte Zuschussantrag abgelehnt, so dass das Projekt – zumindest vorläufig – nicht zur Umsetzung kommen kann. In Anbetracht der Vielzahl an Mitwirkenden und des großen Arbeitspensums, das von verschiedenster Seite bereits erfolgt ist, hat mich diese Entwicklung dann doch sehr deprimiert.

Dennoch bleibt ein Lichtblick: Es besteht weiterhin die Chance, in den kommenden Monaten doch noch in den Genuss einer Förderung zu kommen, so dass dieses, der gesamten Bevölkerung dienende Projekt vielleicht doch noch umgesetzt werden kann. Hierfür werde ich mich mit ganzer Kraft einsetzen.

Lässt sich ein Fazit des Jahres 2021 ziehen? Wenn ja, welches ziehen Sie?

Spontan fällt mir da der Ideenreichtum der Leute ein, den ich bereits unter der zweiten Frage genannt habe. Dies hat mir gezeigt, dass man immer Mittel und Wege finden kann, etwas zu erreichen, wenn man nur den Willen dazu hat und auch die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Dieses Fazit ziehe ich für 2021.

Was erhoffen Sie sich von 2022?

Natürlich, dass es mit der Pandemiesituation endlich besser wird. Ebenso, dass unser Hallenprojekt weiter so positiv voranschreitet, wie dies bisher der Fall war. Des Weiteren natürlich, dass auch die kommenden Projekte in der Gemeinde erfolgreich bewältigt werden können.

Pandemie: Vierte Welle, fünfte Welle, Dauerwelle? Oder wird alles 2022 besser?

Zu diesem Thema hat wohl jeder eine Meinung, aber wenn wir ehrlich sind, hat keiner eine Ahnung! Die Zukunft vorherzusehen, ist jedenfalls nichts, was ich mir anmaßen möchte…

Was macht Ihnen Mut?

Auf jeden Fall die große Anzahl an Personen, an die man sich wenden kann, wenn man ein Problem hat, bei dem man einen Rat benötigt. Seien es Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung, Mitglieder des Gemeinderates, Bürgermeisterkolleginnen und -kollegen oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landratsamtes Rottweil.

Was wollen Sie 2022 anstoßen, anpacken und/oder erledigen?

Hier wäre auf alle Fälle die bereits angesprochene Mehrzweckhalle zu nennen. Dann möchte ich 2022 den neuen Flächennutzungsplan auf den Weg bringen, so dass hierdurch die Grundlage für zukünftige Wohn- und Gewerbeflächen entsteht. Bis es soweit ist und neue Gebiete ausgewiesen werden können, dauert es zwar noch einige Zeit, aber dennoch sollte der Prozess baldmöglichst angestoßen werden.

Noch eine banale Frage zum Schluss: Wer wird Fußball-Weltmeister 2022? Das Endspiel ist ja für das vierte Adventswochenende angesetzt. Wie gut schneidet die deutsche Nationalmannschaft ab?

Um ehrlich zu sein, habe ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht. Bei der vergangenen Fußball-Europameisterschaft jedenfalls hatte ich gar keine besonders große Lust darauf. Bedingt durch das ganze Pandemiegeschehen und die sich hieraus ergebenden Sorgen war die Stimmung einfach nicht dieselbe!

Wer ist momentan Ihr Weltmeister des Herzens?

Dänemark. Eine vergleichsweise kleine Fußballnation, die jedoch immer mal wieder mit ihrer Elf ("Danish Dynamite") überzeugen kann.  Das Gespräch führte Andreas Pfannes.