Blaue Wand: Die neue Mehrzweckhalle von Villingendorf erhält demnächst eine exquisite Schließanlage. Und sie dominiert den 2022er-Haushalt der Gemeinde. Foto: Pfannes

Wer über den 2022er-Haushaltsplan der Gemeinde Villingendorf spricht, kommt am Hallenneubau nicht vorbei. Er – vor allem ein großer Teil der Restfinanzierung – prägt das Zahlenwerk. Und verleiht somit dem gesamten Komplex eine spezielle Gewichtung.

Villingendorf - Wie Kämmerer Michael Hardtmann zusammenfasst, übersteigen im Ergebnishaushalt die Aufwendungen (8,806 Millionen Euro) die Erträge (8,406 Millionen Euro). Somit steht unter dem Strich eine rote Zahl (400 000 Euro). Das ist zwar nicht schön, aber kein Beinbruch, da in der jüngeren Vergangenheit Überschüsse erwirtschaftet werden konnten: 2019 beachtliche 1,079 Millionen Euro statt den geplanten 191 100 Euro und 2020 beeindruckende 1,404 Millionen Euro statt 215 000 Euro. Dieses Geld kam den Rücklagen zugute und kann Fehlbeträge kompensieren.

Erfreulich ist außerdem, dass die Finanzplanung ab 2023 positive Salden im Ergebnishaushalt ausweist.

Ein extra erwähnenswerter Punkt im 2022er-Ergebnishaushaltsentwurf ist zum Beispiel eine Planungsrate für ein Starkregenmanagement über 50 000 Euro. Die jüng­sten Ereignisse in Deutschland und ebenso in der unmittelbaren Nachbarschaft machen nachdenklich.

Bei den Investitionen ist eine Hallenfinanzierungsrate von 3,0 Millionen notiert. Generell sind von den 9,5 Millionen Euro über Zuschüsse 2,43 Millionen Euro abgedeckt.

Die Baumaßnahme ist ja weit fortgeschritten – an diesem Abend vergibt der Gemeinderat dann noch den Auftrag für eine hochmoderne, aber laut Experten wie Jose Garcia sinnvolle Schließanlage (Chip-Lösung, W-Lan-basiert, da 43 Türen und etwa 100 Chips, also Nutzer, gezählt wurden) mit 40 000 Euro an die Firma Edwin König aus Balingen. (Überraschend ist, dass lediglich 8500 Euro im Planansatz standen. Eine längere Diskussion im Ratsrund, auch Grundsätzliches über Schließanlagen, ändert nichts an der Entscheidung.)

Über den Winter soll die alte Halle abgebrochen und der zweite Bauabschnitt in Angriff genommen werden.

Im Zusammenhang mit der Turn- und Bewegungslandschaft, also des zweiten Bauabschnitts, stehen im Haushaltsplanentwurf 300 000 Euro für den Sportverein bereit. Weitere Projekte im kommenden Jahr betreffen den Pausenhof der Grund- und Werkrealschule (ebenfalls zweiter Bauabschnitt Halle, soll im Sommer über die Bühne gehen).

Das Baugebiet "Hoheim-Wirtsgasse – nördlicher Teil" wird erschlossen; dort gibt es jedoch lediglich zwei Gemeindebauplätze. Auch der angedachte Anschluss an die Kläranlage Rottweil findet sich mit einer Finanzierungsrate für Planungsleistungen wieder. (Insgesamt könnte laut Ingenieur Maier das Projekt etwa 4,5 Millionen Euro kosten.) Ebenso die Erweiterung des Gewerbegebiets Wasen (Geld für Grundstückskäufe) und der Fitness- und Generationenpark, eine Maßnahme, die jedoch auf Leader-Zuschüsse angewiesen ist (wir haben berichtet).

Beim 2022er-Finanzhaushalt stehen bei den Ausgaben 5,204 Millionen Euro und bei den Einnahmen 869 000 Euro.

Beim Blick auf den Schuldenstand lässt sich feststellen, dass das Darlehen über 3,0 Millionen Euro im Jahr 2021 nicht benötigt wurde. Jedoch müsste es 2022 ganz oder teilweise in Anspruch genommen werden.

Sollte es so sein, steigt die Pro-Kopf-Verschuldung rapide: von 166,87 Euro Ende 2021 auf 1027,07 Euro Ende 2022. Tja, und dann ist wieder Schuldenabbau vorgesehen. Wie bereits einmal nachhaltig praktiziert: Knapp 900 Euro waren es schließlich bereits im Jahr 1998 – und dann ging es stetig bergab – bis auf einen kleinen Ausrutscher 2011.

Die Liquidität der Gemeinde ist eine gute. Der Kämmerer rechnet zum 31. Dezember 2021 voraussichtlich mit 2,244 Millionen Euro. Somit können 2,1 Millionen Euro bei Bedarf und Notwendigkeit entnommen werden. Als Mindestbestand müssen 144 024,13 Euro im Sparstrumpf verbleiben.