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Villingendorf Metzgerei Digeser schließt im September

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Elvira und Uwe Digeser sowie Bürgermeister Marcus Türk hoffen auf einen nachfolgenden Metzgereibetrieb. Foto: Schmidt

Villingendorf - Leicht fällt dem Ehepaar Digeser die Entscheidung nicht. Umso mehr betonen sie: Wir haben unsere Lebensarbeitszeit erbracht. Sie schließen ihre Metzgerei in Villingendorf Ende September. Die Suche nach einem Nachfolger läuft.

Uwe Digeser arbeitet seit seinem 15. Lebensjahr in seinem Beruf. Elvira Digeser begann zwar eine andere Laufbahn, stieg aber mit der Heirat in den Familienbetrieb Digeser ein. Trotz der langen Lebensarbeitszeit: Mühsal war die Arbeit nie. Sie erzählen von Freude und Glück, vom guten und humorvollen Umgang mit der Kundschaft, vom Genuss am Essen und der Begeisterung am Kochen. Und dennoch: "Einmal muss Schluss sein." Paradoxerweise, weil es zu gut läuft. "Wir sind in einem Alter, wo das nicht mehr leistbar ist", sagen sie. Kein Tag habe acht Stunden und zu besonders hektischen Zeiten "sind wir fix und fertig". Vor allem das letzte Weihnachtsgeschäft habe geschlaucht. "Das schaffen wir nicht noch einmal."

Regionalität zählt

Ende September, zum 60. Geburtstag von Uwe Digeser sei daher Schluss. Die Metzgerei Digeser blickt auf eine lange Tradition zurück. Als Franz Merz die Metzgerei im Gässle 6 gründete, konnten sich die Villingendorfer noch zwischen zwei Metzgereien entscheiden. Die Nachfolger von Merz, Uwe Digesers Eltern Hans und Hannelore, übernahmen die Metzgerei 1962. Obwohl sich die Metzgerei abseits der Hauptstraße befindet, lief das Geschäft gut, erzählt der Metzgermeister.

Schwierig wurde es just, als er selbst vor 27 Jahren übernahm. Die Discounter warben ab diesem Zeitpunkt vermehrt mit günstigen Produkten und hatten damit Erfolg. Doch Digeser hatte bereits ausreichend Erfahrung in verschiedenen Betrieben gesammelt, was ihm zugute kam. Er gründete einen Partyservice, der weit über die Kreisgrenze hinaus bekannt wurde. Eine Passion, die er auch nicht aufgeben möchte. Vor kurzem wurden die Ladenöffnungszeiten auf Donnerstag bis Samstag verkürzt.

Der Partyservice hingegen läuft ungebrochen. "Mein Mann kocht so gerne", erklärt Elvira Digeser. Und vor allem gut. Nicht nur für seine kreativen Kompositionen finde er besondere Anerkennung, auch für die besonderen Schmankel wie Fleischsalat und Maultaschen. Daher ist es für die beiden auch gut vorstellbar, den Partyservice weiter zu betreiben, wenn ein Nachfolger gefunden ist.

Doch damit beginnen die Sorgen für das sympathische Ehepaar. Die Fühler wurden längst ausgestreckt. Erfolglos. Auch die Metzgerei-Innung kann nicht helfen. Obwohl sich das Einkaufsverhalten der Konsumenten längst wieder hin zur Metzgerei verändert habe, finde sich kein Nachfolger. Die Kunden wüssten regionale Produkte – die Metzgerei Digeser bezieht nicht nur aus der Region, sondern von zwei Landwirten direkt aus Villingendorf –- und die hauseigene Produktion wieder zu schätzen.

Immerhin einer wurde hellhörig: Bürgermeister Marcus Türk erfuhr auf seiner Tour durch das Villingendorfer Gewerbe eher zufällig von der geplanten Schließung. Ruhe hat er seither keine mehr. Villingendorf dürfe diesen Versorgungszweig nicht verlieren. Schon am nächsten Tag eilte er zur Gärtnerei Müller, die ihr Ladengeschäft innerhalb Villingendorfs erweiterte, dafür aber die Pforten in der Hauptstraße schloss.

Müller sei sofort begeistert von Türks Idee gewesen, die exponierte Lage in der Hauptstraße als möglichen Metzgerei-Verkaufsraum anzubieten, erzählt der Bürgermeister. Freilich stehe auch das Ladengeschäft der Metzgerei Digeser weiter zur Disposition, betont Türk. Der Verkaufsraum weise unverkennbaren Charme auf, im rückwärtigen Bereich befinden sich die Produktions- und Kühlräume, die im ehemaligen Gärtnerei-Geschäft fehlen.

Interessent an der Angel

Auf der Facebook-Seite des Rathauses habe er auf die Schließung aufmerksam gemacht. Das kam auch bei den Digesers an. Kunden hätten sie auf die Schließung angesprochen und ein Interessent habe sich gemeldet, freuen sie sich. Indes noch mehr über das Engagement ihres Bürgermeisters. In fünf Landkreisen habe er vergangene Woche 20 Metzgereien postalisch auf die drohende Lücke aufmerksam gemacht, erzählt Türk. Nun warte er auf Rückmeldung potenzieller Interessenten. Einen habe er bereits an Digesers verweisen können. Die weiteren Modalitäten werden nun hinter verschlossenen Türen verhandelt.

Ihre Redaktion vor Ort Rottweil

Armin Schulz

Fax: 0741 5318-50

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