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Villingendorf Gemeinde nach Familiendrama unter Schock

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Schwer bewaffnete Einsatzkräfte sind am Freitagmorgen im Wohngebiet unterwegs. Foto: Otto

Villingendorf - Ein Dorf steht unter Schock. Am Morgen nach der schrecklichen Tat herrscht im 3300-Seelen-Ort Villingendorf. Fassungslosigkeit. Drei Menschen wurden umgebracht, darunter ein Kind. Hier geht's zu unserem Liveticker.

Der Tod des Sechsjährigen sorgt für besondere Betroffenheit. Am Tattag war das Kind eingeschult worden. "Es war ein freudiger Tag, strahlende Eltern, fröhliche Kinder mit ihren Schultüten – und dann das", Bürgermeister Karl-Heinz Bucher kämpft mit den Tränen, als er den schrecklichen Verlauf des Donnerstags schildert. "So etwas haben wir in unserer Gemeinde noch nie erlebt und wollten es auch nie erleben. Ich bin fassungslos und bestürzt", sagt Bucher am Freitag. Die Mutter und ihr Sohn seien im Frühjahr in die Gemeinde gezogen, in eine Einliegerwohnung in der Klippeneckstraße. Auffälligkeiten habe es nicht gegeben. Der Sohn besuchte vor der Einschulung den Kindergarten St. Maria. Der 40-jährige Vater, nach dem die Polizei mit einem Großaufgebot fahndet, lebte nicht im Ort.

Am Abend gegen 22 Uhr war Bucher von der Feuerwehr über den Einsatz in der Klippeneckstraße informiert worden. Schnell war klar, dass sich etwas Schreckliches ereignet hat. Eine 29-jährige Frau, ein 34-jähriger Mann und der Junge werden Opfer einer Beziehungstat – davon geht die Polizei aus.

Der Bürgermeister ist bei allem Entsetzen froh über den Zusammenhalt im Ort, der sich dann in den Abend- und Nachtstunden gezeigt hat. Als für die immer zahlreicher heranrückenden Einsatzkräfte eine Unterkunft gefunden werden musste, öffnete Zimmermeister Andreas Nester sofort seine Halle, die Feuerwehr sorgte für die Verpflegung der Polizeitrupps. Um den Krisenstab unterzubringen, aktivierte Bucher morgens um fünf Sportheim-Pächter Roland Steiner, der ruckzuck die Türen öffnete.

Währenddessen stimmte sich die Verwaltung mit der Polizei über die Gefahrenlage ab. Weil der Täter flüchtete, war zunächst unklar, ob Schule und Kindergarten geöffnet werden können. Die Polizei gab das Okay, da keine akute Gefahrenlage herrsche, berichtet Bucher, der ständig mit der Polizei im Kontakt ist. Ein Einsatzfahrzeug ist vor dem Schulgelände postiert.

Dennoch: Den Eltern sei natürlich freigestellt gewesen, ob sie ihr Kind zur Schule bringen. Zehn Kinder, so berichtet der Schulleiter, seien weniger aus Angst, als vielmehr aus emotionalen Gründen zu Hause geblieben. Bürgermeister Bucher betont im Interview, dass bei den Bürgern "keine Hysterie" ausgebrochen sei, und die Bevölkerung auf den Schutz der Polizei vertraue.

Der Hubschrauber kreist den ganzen Freitag über unermüdlich über dem Ort und einem angrenzenden Waldstück. Dort seien in der Nacht ebenfalls Schüsse gehört worden, heißt es. "Nähere Informationen dazu gibt es vorerst nicht. "Es kann auch ein Jäger gewesen sein", so Polizeisprecher Ulrich Effenberger, der den zahlreichen Journalisten vor Ort Auskunft gibt. Die Wohnstraße ist weiträumig abgesperrt, Anwohner werden zu ihren Häusern begleitet. Schwer bewaffnete Einsatzkräfte sind zu sehen. Um 11.15 Uhr treffen Beamte des Landeskriminalamts am Tatort ein. RTL und weitere Fernsehteams bauen Kameras auf.

Plötzlich kursiert das Gerücht, dass auch die Mutter den Jungen verstorben sei. Eins von etlichen falschen Gerüchten an diesem Tag. "Die Mutter befindet sich in fachärztlicher Betreuung", stellt Effenberger klar. Sie hatte sich zu einer Nachbarin retten können. Seelsorger waren im Einsatz.

Während die Suche nach dem flüchtigen 40-Jährigen, dessen Auto im Dunninger Weg in Herrenzimmern gefunden wird, auf Hochtouren läuft, versuchen die Menschen im Ort die schreckliche Tat zu begreifen. "Dass so etwas bei uns passiert ist unfassbar. Sowas kennt man sonst nur aus dem Fernsehen", sagt eine Frau, die ein paar Straßen unterhalb des Tatorts ihre Blumen richtet.

"Ein Vater bringt sein Kind umbringt – das ist so unbegreiflich", sagt eine andere betroffen. Sie hat selbst einen sechsjährigen Enkel und ist völlig erschüttert. Dem Vernehmen nach soll die Frau mit dem Vater des Kindes, von dem sie getrennt lebte, schon zuvor massive Probleme gehabt und sich von ihm bedroht gefühlt haben.

Eine Anwohnerin der Lembergstraße hat am Vorabend die Schüsse selbst gehört. "Es hat dreimal geknallt. Ich habe mich gewundert und gedacht, da wird irgendwas gefeiert", berichtet sie. An so eine schreckliche Tat denke schließlich niemand in Villingendorf.

Fahndungsaufruf:

Die Polizei hat inzwischen einen Fahndungsaufruf veröffentlicht. 

Bei dem gesuchten und dringen tatverdächtigen Mann handelt es sich um den 40-jährigen Kroaten Drazen Dakic.

Personenbeschreibung: Dunkle, kurze Haare, braune Augen und dünne Lippen. Er ist 1,77 Meter groß und wurde zuletzt mit einer schwarzen, längeren Jacke bekleidet gesehen. Unterwegs ist er eventuell mit einem grünen Seat-Ibiza, welcher möglicherweise mit einem Kurzzeit-Kennzeichen mit KN-Zulassung versehen ist.

Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.

Liveticker: Reporter vor Ort

Aktuelle Informationen zum Geschehen gibt es in unserem Liveticker.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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