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Villingendorf Erfolgsgeschichte dank Vertrauen und Achtung

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Wehmut im Blick und Beifall im Auditorium (linkes Bild): Karl-Heinz Bucher lässt in Gedanken die vergangenen 16 Jahre als Bürgermeister vorbeifliegen. Mitnehmen kann er viele schöne Erinnerungen – und die Glocke aus dem Ratssaal. Da er einen disziplinierten Gemeinderat leitete, musste sie selten eingesetzt werden (rechtes Bild: mit Monika Bucher und Karl-Heinz Wachter). Fotos: Schmidt Foto: Schwarzwälder Bote

Karl-Heinz Bucher hat Spuren in der Gemeinde Villingendorf hinterlassen. Dies ist nur eine Feststellung von vielen, die bei der Verabschiedungsfeier des scheidenden Bürgermeisters getroffen werden.

Villingendorf. Eigentlich wollte Karl-Heinz Bucher leise gehen, das Rathaus und seine Gemeinde ohne Brimborium verlassen. Aus gesundheitlichen Gründen verlassen müssen. Dass dieser Wunsch nicht angemessen ist, war den Handelnden um Bürgermeister-Stellvertreter Karl-Heinz Wachter klar. So einigte man sich auf eine Feier mit geladenen Gästen. Die Örtlichkeit, der Ratssaal, gab den Rahmen vor. Etwa 80 Persönlichkeiten und Personen kommen zum Stehempfang und werden mit Ansprachen, Gesprächen und Häppchen gestärkt.

Buchers Persönlichkeit und sein Wirken in Villingendorf zeichnen elf Redner nach und vertiefen die Anwesenden in den Unterhaltungen in kleinen Kreisen, die sich nahtlos anschließen. Natürlich gibt es mehrere Überschneidungen, doch jeder setzt andere Schwerpunkte und fasst persönliche Erlebnisse und Eindrücke in wohlgesetzte Worte. Karl-Heinz Bucher, der in den 16 Jahren keineswegs den Eindruck vermittelt, dass er bei Lobpreisungen gerne im Mittelpunkt stehen will, freut sich und bleibt bei seinen Schlussworten dem Humor, dem schwäbischen, treu.

Ein Löwe im Laufschritt

Karl-Heinz Wachter spannt den Bogen vom 27. Oktober 2002, dem Tag der Wahl zum Bürgermeister, als Karl-Heinz Bucher sich mit 56,3 Prozent der Stimmen gegen vier Konkurrenten durchgesetzt hat, über die Wiederwahl 2010, als es 99,9 Prozent der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von mehr als 50 Prozent gegeben hat, bis zur für alle überraschenden Mitteilung Ende Juli 2018, dass er entgegen seiner Ankündigung in der ersten Jahreshälfte doch nicht mehr kandidieren werde. Dazwischen liegen inhaltsreiche, turbulente und zum Teil anstrengende Jahre, denen der Vollblutschultes seinen Stempel aufgedrückt hat. Mit seinen Mitteln.

Karl-Heinz Bucher war nie auf Effekthascherei aus; Nachhaltigkeit sei ihm immer wichtiger gewesen, verdeutlicht Wachter. Er habe sich als Rädchen in einem größeren Getriebe gesehen, trotzdem immer mit dem Fuß auf dem Gaspedal. Zum Bürgermeister müsse man sich berufen fühlen – das sei er. Er wollte gestalten. Und er, Sternzeichen Löwe, ging von Anfang an im Laufschritt voran.

Meister der Praxis

Wolle man ins Detail gehen, müsste man eine kluge Grundstückspolitik erwähnen – Wachter tut es –, aber auch über Verkehrsberuhigung mit den Kreisverkehren, über "Corporate identity" sprechen mit dem "Fahnenmeer" in der Ortsdurchfahrt (seit 2006 alle zwei Jahre während einer Fußball-Welt- oder Europameisterschaft), über Bildung und Soziales, über die Grund- und Werkrealschule, über die Sicherung des Schulstandortes, über Kindergarten, Kinderkrippe, über die Seniorenwohnanlage, den Seniorentreff und über die Schulden der steuerschwachen Gemeinde, die stetig abgebaut wurden (von 750 Euro bis aktuell 230 Euro pro Kopf), damit in diesem Jahr – endlich, endlich – das Großprojekt, der Bau der neuen Mehrzweckhalle, begonnen werden kann.

So hinterlässt Karl-Heinz Bucher ein gut bestelltes Feld und große Fußstapfen, in die sein Nachfolger, Marcus Türk, guten Mutes ab dem 17. Januar treten kann und will.

Doch das Feld ist nicht nur mit Theorie und Technik so gut von Karl-Heinz Bucher bestellt worden, sondern er hat es als Meister der Praxis und des Herzens beackert. Bewusst habe er auf Polemik verzichtet, habe Bürgernähe bei unzähligen Versammlungen und Bürgergesprächen praktiziert. Karl-Heinz Wach-ter bedankt sich bei ihm explizit für Aufrichtigkeit und Freundlichkeit.

Neben der Vielzahl an Geschenken, den der Bürgermeister – noch nicht a. D. – an diesem Abend erhält, gibt es auch die Glocke aus dem Sitzungssaal, die Karl-Heinz Bucher in all den 16 Jahren kaum benutzen musste. Er saß ja einem disziplinierten Gremium vor.

Landrat Wolf-Rüdiger Michel geht in seiner Rede auf die erste Hälfte von Buchers Berufsleben ein und stellt fest, dass er in den ersten 15 Jahren im öffentlichen Dienst sein Amt ausgefüllt und gelebt habe, sei es als "Quotenmann" im Umweltamt, sei es als Leiter der Kreiskasse. Michel schätzt an Bürgermeister Bucher dessen Besonnenheit, Aufrichtigkeit und Korrektheit. Vereinbarungen seien mit Handschlag getroffen worden. Ein Mann, ein Wort.

Johannes Blepp, Bürgermeister von Bösingen, hebt die gute Nachbarschaft und die sehr produktive und angenehme Zusammenarbeit – auch im Gemeindeverwaltungsverband und im Zweckverband Eschachwasserversorgung – hervor. Menschliche Großzügigkeit, Warmherzigkeit und Humor sind Pfeiler von Karl-Heinz Buchers Persönlichkeit. Johannes Blepp empfindet sein Ausscheiden als einen persönlichen Verlust.

Nicht minder gefühlvoll drückt sich Markus Huber aus – der Bürgermeister von Dornhan spricht für alle Bürgermeister des Landkreises und im Namen der ehemaligen Gemeindeoberhäupter –, als er Bucher, Bürgermeister mit Herz und Leidenschaft in einer Vorzeigekommune im Landkreis, als sehr integer, zuverlässig und humorvoll beschreibt. Und er hofft in dieser Stunde des Abschieds auf Bucher als ein aktives Mitglied der Ruheständler.

Michael Hardtmann – als Kämmerer und Buchers interner Stellvertreter zusammen mit Chefsekretärin Angelika Bantle die guten Seelen des Rathauses – beschreibt den im Mittelpunkt Stehenden als nie aufbrausend, nie polternd und stets mit einem offenen Ohr für Anliegen aller Art. Die Nähe an den Menschen, die Nähe an den Themen sind Geheimnisse seines Erfolgs. Deshalb kann das Fazit eigentlich nur wie folgt lauten: "Villingendorf hat sich sehr gut und zukunftsgerichtet entwickelt."

Schwäbisch g’schwätzt

Prägnant fasst Clemens Hummel im Verbund mit Thomas Haller und im Namen des Vereinsrings seine Stimmungslage zusammen: "Mit ’m Schultes hätt’ ma schwätze könne." Er drückt seine persönliche Hochachtung vor Karl-Heinz Bucher aus und möchte nicht von einem traurigen Abschied reden, sondern hofft auf ein freudiges Wiedersehen.

Buchers Jahrgängerin Sabine Gaiselmann, stellvertretende Vorsitzende der Kirchengemeinde St. Gallus, und Pfarrer Hermann Barth schenken dem Scheidenden ein Lichtzeichen, eine Kerze. Pfarrerin Esther Kuhn-Luz denkt an viele sehr intensive und gute Gespräche zurück und hat ein Buch voller Engel mitgebracht.

Rektor Rainer Kropp-Kurta hat dem Bürgermeister bereits vor den Ferien ein Schulzeugnis mit nahezu ausschließlich Spitzennoten (Die Eins minus in Deutsch erklärt sich wegen des Dialekts) ausgestellt (Bucher: "Das beste Zeugnis, das ich je bekommen habe"). Er erinnert aber auch an die Tage nach dem Dreifachmord in Villingendorf, als sich "in dieser Krise gezeigt hat, was Sie für ein toller Bürgermeister sind".

Da Bucher ebenfalls ein großer Unterstützer der Feuerwehr ist, bekommt er an diesem Abend von Jürgen Eber­hardt, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands, unter-stützt von Ortskommandant Robert Flaig, die deutsche Feuerwehrehrenmedaille angesteckt und eine entsprechende Urkunde überreicht. Diese seltene Ehrung verdient reichlich Applaus.

Jener steigert sich noch gewaltig, nachdem der so oft Angesprochene zum Rednerpult geht und zu den Anwesenden gesprochen hat. "Jetz isch g’nug Hei hunna", sagt Bucher nach all dem Lob. Er versucht sich an die Regel zu halten, dass Abschiedsworte kurz sein müssten wie Liebeserklärungen.

Er gesteht in dem Ratssaal, in dem "unzählige richtungsweisende Entscheidungen" gefallen seien, dass er mit sehr viel Wehmut scheide. Er spricht von Vertrauen und Achtung als Grundpfeiler einer guten Partnerschaft. Und er bedankt sich bei all den Wegbegleitern.

Er erinnert sich an Anekdoten – so jene, als er als "Fahrer" der Villingendorfer Delegation mit Kropp-Kurta und Hardtmann in Stuttgart vor dem Landtag falsch geparkt hatte und erst zu der Projektvorstellung Mehrzweckhalle mit den hohen Herren hinein durfte, nachdem das Auto korrekt abgestellt war – und an "trübe Tage". Wie nach dem Dreifachmord. Licht in diesem Dunkel: Zu 100 Prozent habe in Villingendorf das Netzwerk und das Krisenmanagement funktioniert.

Karl-Heinz Bucher fällt der Abschied "ganz gewiss nicht leicht", er blickt mit einem gewissen Stolz auf das Erreichte und er bittet, seinem Nachfolger ebenso das Vertrauen zu schenken. "Auf ein erfolgreiches 2019 für Villingendorf", sagt er. Dann endet der offizielle Teil eines denkwürdigen Abends.

Wie es weitergeht

Am Donnerstag, 17. Januar, beginnt um 17 Uhr die öffentliche Festsitzung des Gemeinderats in der Festhalle mit der Amtseinsetzung und Verpflichtung von Marcus Türk als Bürgermeister der Gemeinde Villingendorf.

Ihre Redaktion vor Ort Rottweil

Armin Schulz

Fax: 0741 5318-50

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