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Villingen-Schwenningen Zwischen Idylle und Weltpolitik

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Sogar rockige Klänge sind von Kabarettist Josef Brustmann am symbolisch besonders aufgeladen Musikinstrument bayerisch-österreichischer häuslicher Gemütlichkeit, der Zither, zu hören. Mit hoher Bühnenpräsenz begeistert der Oberbayer das Publikum im Capitol. Foto: Trenkle Foto: Schwarzwälder Bote

2018 erhielt er die Tuttlinger Publikums-Krähe als bester Kabarettist. Dass der Preis, wie auch bereits zahlreiche sonstige an ihn verliehene, berechtigt war, bewies Josef Brustmann am Samstagabend ein paar Kilometer weiter im fast voll besetzten Schwenninger Capitol.

VS-Schwenningen. Unter ständigem Singen, Musizieren und Lärmen einer Unzahl größerer Geschwister wuchs Brustmann als achtes von neun Kindern im oberbayerischen Dorf Waldram bei ­Wolfratshausen auf. "Sozusagen aus Notwehr" entwickelte er nach eigenen Angaben eine kräftige Stimme und erlernte zahlreiche "große und möglichst laute Instrumente". Gitarre, Glockenspiel, Ziehharmonika, ein selbsterfundenes tragbares und vor allem rotierendes Alphorn aus Gartenschlauch mit Trichter und im Zentrum "das" bayerisch-österreichische häusliche Heimatinstrument schlechthin, die Zither, nutzt Brustmann, um musikalische Einlagen zwischen die klugen satirischen Textbeiträge zu flechten.

Vermutlich keiner der Zuschauer erwartete im Programm "Fuchstreff – Nix für Hasenfüße" bayerische Gemütlichkeit. Wer doch, wurde enttäuscht, denn der einstige Musiklehrer kam mit trocken vorgetragenen frechen Beiträgen daher und nahm die heimatliche Selbstzufriedenheit seiner bayerischen Landsleute, insbesondere deren Politiker, gewaltig auf die Schippe. So finde man nicht wenig Fremdenfeindlichkeit, obwohl viele Bayern erst selbst vor ein paar Generationen eingewandert seien, sei stolz auf das ewige Brauchtum und genieße es doch, beim polnischen Pfarrer zu beichten, da der nichts verstehe und dennoch brav die Absolution erteile.

Der Kabarettist blickte auch weit über Bayern und sogar Europa hinaus: "Ich stelle mir manchmal mein Publikum als eines aus den USA vor: Wie wäre das für mich, wenn jeder Vierte hier einen Colt in der Tasche hätte?" Eigentlich sei klar, warum die USA ständig in Kriege verwickelt seien – zu Hause ist es unsicherer. Und: "Trump ist Präsident und ­Cohen hinüber. Verzeih‘, lieber Gott, andersrum wär’s mir lieber."

Immer wieder der Fuchs

Immer wieder nahm Brustmann auf den in seinem Programmtitel auftauchenden Fuchs Bezug. Der komme manchmal frühmorgendlich in den Hühnerstall und sage den Hühnern "Aufstehen, raus aus den Federn." Eine von Lobbyisten durchsetzte Demokratie gleiche nicht selten der scheinbar demokratischen Abstimmung von sechs Füchsen und einem Hasen, was es denn am Abend zu essen gebe. Füchse seien schlau, sie werden auch den Menschen überleben, ganz so wie in den 80ern "der Fuchsschwanz an der Windschutzscheibe den Manta-Fahrer".

Selbstironisch berichtete Brustmann im oberbayerischen Dialekt von seinem ­ersten Liebesversuchen, davon, sich vom Goldfisch seiner Freundin beobachtet gefühlt zu haben. Er schaute in einem Lied sehnsüchtig in die Kindheit zurück, in welcher er und die Nachbarskinder nicht Indianer spielten: "Nein, wir waren Indianer." Überhaupt: "Das Glück, man begreift es erst immer, wenn es schon vorbei ist – rum ums Eck." Das gelte für die Jugend wie für den Führerschein, wenn die Polizei frage, ob man noch Restalkohol habe. "Ich mag diese Bettelei der Polizei nicht."

Der Wechsel zwischen der unidyllischen Schilderung der kleinen oberbayerischen Welt und dem Weltgeschehen prägte Brustmanns Programm. Die Bürgermeisterin habe ihn neulich gefragt, ob er nicht zum Besuch von Markus Söder bei der feierlichen Einweihung des Glasfaseranschlusses etwas aufführen könne. Das habe er getan und hierbei darauf hingewiesen, dass seltsamerweise sehr viele bayerische CSU-Politiker wie Strauß, Stoiber oder Seehofer mit S den Namen beginnen: "So viel Glück am Stück hält nur Bayern aus." Irgendwann habe Söder mit langer Leitung trotz Glasfaser bemerkt, dass auch er gemeint sei.

Einer der Höhepunkte des Abends waren sogenannte Gstanzl, traditionell kurze bayerisch-österreichische Spottgesänge. Darin kam auch Sigmar Gabriel vor: "Ein genialer Schauspieler ist der Gabriel schon – Dick und Doof in einer Person." Ursula von der Leyen bekam auch ihr Fett ab: "Es wird Zeit, dass sie geht. Für den Doktor zu dumm, zum Verhüten zu blöd."

Ohne lautstarke Zugabe-Rufe ließ das Publikum Josef Brustmann nicht von der Bühne des Schwenninger Capitol. Der Kabarettist wies darauf hin, dass er sich das Ritual des Bühnen-Hin und Her eigentlich gerne ersparen würde: "Ich spar’ mir gerne den Blödsinn und hab‘ auch schon überlegt, statt mir das Publikum raus und wieder reingehen zu lassen."

Neben dem fast spektakulären Einsatz des mobilen Alphorns kamen in einer seiner Zugaben eine Reihe witzig-tiefsinniger Fragen auf: "Warum braucht man eigentlich beim Hellseher auch einen Termin?" und "Besteht eigentlich Lebensgefahr, wenn Minderjährige Gesichtscreme verwenden, die ein 20 Jahre jüngeres Aussehen versprechen?"

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