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Villingen-Schwenningen Zeitplan

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Mit der musikalischen Umrahmung des Wächterchores und der Studenten der Musikhochschule Trossingen, Johannes Häusle und Nicolas Ousseni, sprach die polnische Jüdin Henriette Kretz am Sonntagabend bei der "Stolperstein"-Mahnwache auf dem Villinger Münsterplatz. Foto: Heinig Foto: Schwarzwälder-Bote

Das Thema Mahnmal für das Gedenken an jüdische Bürger wird in der Sitzungsrunde des Gemeinderats im März auf die Tagesordnung kommen. Dies teilte Nicolas Lutterbach, Pressesprecher der Stadt, gestern mit. Der Technische Ausschuss befasst sich am 11. März, der Verwaltungs- und Kulturausschuss am 12. März und der Gemeinderat am 19. März mit dem Thema. CDU und Freie Wähler haben beantragt, so Lutterbach, entweder jeweils ein Mahnmal in Villingen und Schwenningen zu errichten – hierzu wurden von den Fraktionen die zwei Rathäuser als mögliche Standorte benannt – oder als Alternative ein Mahnmal für beide Stadtbezirke in Erwägung zu ziehen. Für die Gestaltung des Mahnmals solle die Verwaltung Künstler aus der Region anfragen. Für die Planung des Projekts seien auf Wunsch der beiden Fraktionen bereits 20 000 Euro in den Haushalt eingestellt worden. Über den Antrag müsse nun der Gemeinderat entscheiden. (uwk)

Villingen-Schwenningen (bn). Bei den Mahnwachen, die seit Ablehnung der "Stolpersteine" durch den Gemeinderat an jedem Sonntagabend auf dem Münsterplatz stattfinden, werden Biographien jüdischer Nazi-Opfer vorgelesen. Diesmal berichtete eine direkt Betroffene. Henriette Kretz ist seit vielen Jahren als Zeitzeugin für das Maximilian-Kolbe-Werk unterwegs und erzählt "für die, die nicht mehr sprechen können". Nicht um der Vergangenheit Willen. "Die ist passiert, da kann man nichts mehr ändern", sondern für die Zukunft und damit junge Leute diese "ohne Hass, Ausgrenzung und Ideologie" gestalten.

Als Kind polnischer Juden – der Vater Arzt, die Mutter Anwältin – habe sie eine "0,5-prozentige Überlebenschance" gehabt, erzählte Henriette Kretz bei Kerzenschein auf dem Münsterplatz. Mehr als eine Million Kinder starben. Damals habe sie nicht begreifen können, warum sie mit ihrer Familie von einem Tag auf den anderen in ein Ghetto im ostpolnischen Sambor ausgegrenzt wurde, nicht mehr frei sein durfte, sich verstecken musste. "Warum will man mich umbringen?" stellte sie die Fragen von damals am Sonntagabend noch einmal.

Ihre Eltern wurden vor ihren Augen erschossen, auch Tante, Onkel und Großeltern wurden umgebracht. Als Waisenkind überlebte sie, weil es Menschen gab, die ihr unter Einsatz ihres Lebens halfen "und mir damit den Glauben an die Menschheit zurückgegeben haben".

Henriette Kretz ist Mitglied des Vereins "Kinder des Holocaust", in dem sich Menschen gefunden haben, die ähnlich Grausames erlebten. "Jetzt bin ich eine junge, alte Frau", sagt sie. Heute lebt die 80-Jährige in Antwerpen, wo sie nach dem Krieg Kunstgeschichte studiert hat, bevor sie als Französischlehrerin in Israel tätig war. Sie ist verheiratet, hat zwei Söhne und drei Enkel.

In Villingen-Schwenningen bleibt Henriette Kretz bis einschließlich Mittwoch. Nach der Teilnahme an der Mahnwache am Sonntag – es war die 13. – besuchte sie gestern die Georg-Müller-Schule, das Hoptbühl-Gymnasium, Oberbürgermeister Rupert Kubon und am Abend den "runden Tisch Stolpersteine". Heute spricht sie vor Schülern der Werkrealschule am Deutenberg in Schwenningen, und morgen ist sie Gast an der Karl-Brachat-Realschule in Villingen. Um gegen das Vergessen anzuarbeiten und gerade junge Leute auf die Schrecken des Nationalsozialismus aufmerksam zu machen, wie sie sagt.

 
 

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