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Villingen-Schwenningen Wirte leiden wegen Corona-Krise unter Vielfachstress

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Die Stimmung unter den Gastronomen ist teils so schlecht wie ein abgestandenes Bier. (Symbolfoto) Foto: Soeder

Villingen-Schwenningen - Anschwärzen, Unverschämtheiten, Ungerechtigkeiten im Umgang mit Corona-Regeln: Was Gastronome in Villingen-Schwenningen derzeit erleben, welche Ängste sie haben und was sie richtig ärgert, das lesen Sie im (SB+)-Artikel.

Die Stimmung unter den Gastronomen ist teils so schlecht wie ein abgestandenes Bier. Nicht nur wegen jetzt noch verschärften Regeln, fehlende Umsätze, ungehaltene Gäste und Anschwärzen sorgen für Missstimmung. Ungehalten sind einige auch, "weil wir schließen müssen und bei anderen steppt der Bär."

"Das Denunziantentum blüht"

Um eingebrochene Umsätze in Corona-Zeiten geht es dieses Mal nicht. Wenn Gastronome aus der Region offen über ihre Probleme sprechen, dann haben sie nur einen Wunsch an den Schwarzwälder Boten: "Bitte nicht mit Namen". Es reicht nicht nur, dass sie während der Geschäftszeiten mitsamt ihrem Service-Personal überall und bei jedem Gast ihre Augen haben müssen: "Werden Registrierlisten korrekt ausgefüllt, tragen meine Gäste auf dem Weg ins Lokal oder zur Toilette auch Masken?" "Wir trauen uns schon gar nicht mehr auf die Toilette", beschreibt ein Wirt den Dauerstress und die Angst. Angespannt sind einige auch aus anderem Grund: "Das Denunziantentum blüht", schildert ein Gastronom seine Erfahrungen. Eine Entwicklung, die sich auch in einigen Beschwerden niederschlägt, die beim Bürgeramt eingehen, weil Regeln zur Coronaverordnung nicht eingehalten werden. Für die befragten Wirte ist dieser Punkt keine Frage: "Wer die Schutzverordnung missachtet, der muss die Zeche dafür zahlen." Doch es gibt auch die Kehrseite: "Da zeigt eben gerne einer auch mal die Konkurrenz an, und zwar ohne Grund, weil bei ihm nicht so gut belegt ist?" Und damit sei auch Futterneid im Spiel. Hatte nicht unlängst Bürgeramtsleiter Ralf Glück bei einem Pressegespräch davon gesprochen, dass sich die Gewerbetreibenden der Stadt gegenseitig auch gerne mal gegenseitig anzeigen? Die Lage dürfte angesichts der aktuellen Verschärfung der Vorgaben und Einschränkungen noch schlimmer werden.

Diffamierungen belasten

Der Gast ist König, In Corona-Zeiten trägt dieses Selbstverständnis mitunter seltsame Blüten. Immer wieder, berichtet ein weiterer Wirt, sei er Schikanen ausgesetzt. Im Zuge des Corona-Regelwerks sei er dazu verpflichtet, regelmäßig zu lüften. "Dann ist es manchen Gästen zu kalt. Setzte ich sie an einen anderen Tisch, dann ist es ihnen wieder zu warm." Absurd werde es, dann wenn Gäste erst ohne Maske das Lokal betreten, von Servicepersonal oder Betreiber zum Aufsetzen ermahnt werden und als Reaktion sich dann beim Bürgeramt beschweren, "wir hätten gegen die Maskenpflicht verstoßen". Dem Gastronomen, auch er will seinen Namen nicht preisgeben, sieht man es an, wie ihm solche Diffamierungen und Lügengeschichten an die Nieren gehen.

Geschrei wegen Listen

Wenn es um Probleme geht, dann denkt ein Villinger Gastronom auch an die großen Schwierigkeiten, die er hat, Personal für den Service zu bekommen. Domenico Wittkopf ist erstaunt darüber, dass in solchen Krisenzeiten wie jetzt mit Kurzarbeit sich kaum jemand finde, der in Lokalen arbeiten möchte: "Das kann ich nicht nachvollziehen." Unangenehme Situationen erlebt er zwar eher selten, erzählt der Ott-Chef. Doch Ermahnungen durch ihn und seine Mitarbeiter, sich doch in die ausliegenden Registrierlisten einzutragen, stößt auch im Ott nicht immer auf Verständnis. "Erst kürzlich", erzählt er, "ist jemand ausgeflippt und hat uns alle beschimpft."

Hohe Umsatzeinbußen

Existenzängste, Schrumpfende Gewinne, Unverschämtheiten, Verleumdungen sind das eine, was einigen Gastronomen immer wieder zu schaffen macht. Das andere ist die Ungleichbehandlung, die manchen zusätzlich den Schlaf raubt. Der nächste, der in der Redaktion anruft und gleich erzählt, "was ihn gewaltig nervt". Es seien die Ungerechtigkeiten, die er erlebe, und dazu das Unverständnis von einem Teil seiner Gäste. Denn derzeit darf er das, was er gerne täte, nicht: Seine Lokation öffnen. "Party ist nicht", berichtet der Betreiber aus der Region, "zumindest bei uns". Bei anderen dagegen steppe der Bär, "als ob es noch nie einen Coronavirus gegeben hätte: keine Schutzmasken, keine Mindestabstände. Teile seines Stammpublikums vergnügten sich nun anderswo, im "gleichen Bundesland" und "halten mich für blöde und unfähig, weil ich nicht öffnen kann".

Hintergrund für die Breitseiten: Bei ihm sind seit März die Lichter aufgrund eines Betriebsverbotes aus und etwa 100 Kilometer weiter ist Party angesagt , ungerechter geht es wohl nicht mehr". Zähneknirschend schaut er dem Treiben zu. "Verpfeifen" oder "mal einen Tipp geben, wie dies offensichtlich andere tun", das kommt für ihn nicht in Frage. Untätig dürfte er und seine Club-Kollegen auch fürs nächste bleiben. Viele Getränke sind nun abgelaufen, die er im Vorfrühling geordert hat. "Und damit muss die alle wegkippen, für die ich hohe Ausgaben hatte. Dirk Bamberger, lange im Geschäft und selbst Besitzer diverser Clubs, kennt all die Probleme, die der verärgerte Mitbewerber anspricht. Während die einen geschlossen und Umsatzeinbußen zu 100 Prozent haben, rolle bei anderen der Rubel. Auch er hat sich über diverse Videos ein Bild machen können, "wie andernorts gefeiert und getanzt wird"

Wieso "zahlen nur wir?"

Wenn es um Ungerechtigkeit geht, spricht ein Gastronom noch anderes an: Warum müssen wir Gastronome zahlen, werden nur wir abgestraft wenn einer ohne Maske durchs Lokal rennt? "Da sollte die Verantwortung doch wenigstens geteilt werden", schlägt der VS-Wirt vor.

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