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Villingen-Schwenningen Wirt verärgert über hohes Bußgeld

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Der Wirt der Bierakademie Lothar Anders ist sauer und will rechtlich gegen den Bußgeldbescheidvorgehen. Foto: Herfurth

VS-Schwenningen - Lothar Anders ist verärgert. Der Wirt der Bierakademie soll ein Bußgeld von fast 1500 Euro zahlen, nur weil an der "Langen Schwenninger Kulturnacht" ohne sein Wissen fremde Personen nach der Sperrzeit in seinem Biergarten saßen. Jetzt will er rechtlich gegen den Bescheid vorgehen.

"Wenn der Bußgeldbescheid nicht aufgehoben wird, mache ich näch­stes Jahr an der Kulturnacht nicht mehr mit – zumindest draußen", sagt Lothar Anders.

In seinem Lokal im Mauthepark darf Anders bis fünf Uhr morgens bewirten –­ der Innenraum fällt unter normale Sperrzeitregelungen. In seinem Biergarten müssen bei normalem Betrieb um 23 Uhr die Stühle hochgeklappt werden.

Während der Kulturnacht gibt es für Wirte eine Ausnahmeregelung. "Ich habe in eine erweiterte Sperrstundenerlaubnis investiert, damit ich bis zwei Uhr früh im Biergarten bewirten kann", sagt Anders. Daran habe er sich gehalten, beteuerte er im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. Bereits um 1 Uhr hätte er den Selbstbedienungstand draußen geschlossen und mit dem Abbau begonnen.

Um kurz vor 2 Uhr wäre das Ordnungsamt gekommen, um den Wirt auf die bevorstehende Sperrzeit aufmerksam zu machen. Zu diesem Zeitpunkt saßen noch mehrere Gäste an vier Tischen im Biergarten. Vorschriftsgemäß habe der Wirt die Gäste verabschiedet oder herein gebeten. "Währenddessen haben meine Kollegin und ich schon die Stühle im Biergarten zusammen geklappt", sagt Anders.

Als sich dann die letzte Gruppe überreden ließ, aufzustehen, sei die Terrasse nach den letzten Aufräumarbeiten gegen 2.30 Uhr geschlossen worden und Anders zurück ins Lokal gegangen, um sich dort den Gästen zu widmen.

Böse Überraschung

Um 3 Uhr sei dann das Ordnungsamt wieder gekommen, um den Wirt zur Rechenschaft zu ziehen. Ohne dass er es bemerkt habe, hatte sich eine Gruppe von sechs Männern an einen Tisch im Biergarten gesetzt. "Bei der Kulturnacht ist so viel los, dass ich nicht weiß, wo die herkamen. Gäste waren es wahrscheinlich nicht", meint Anders. Zumindest sei ihm keiner der Männer bekannt vorgekommen.

Nach der kurzen Aufregung verließ die Männergruppe den Biergarten. Anschließend habe die eine Mitarbeiterin die Terrasse in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Das sei an dem Abend auch nicht der einzige Fall gewesen, dass sich Besucher der Kulturnacht unerlaubt in den Biergarten der "Bierakademie" setzten.

Der Wirt hat kein Verständnis für das Ordnungsamt: "Alle anderen Stühle waren aufgestuhlt, man muss doch sehen, dass wir zu der Zeit nicht mehr draußen bewirtet haben." Jetzt soll Anders ein Bußgeld in Höhe von 1482 Euro zahlen.

Die Summe setzt sich aus zwei Bußgeldbescheiden zusammen. Zum einen soll der Wirt einen Betrag von 1053,50 Euro zahlen und eine von seinen Mitarbeiterinnen noch mal 428,50 Euro. "Ich verstehe nicht, wie dieser Betrag überhaupt zustande kommt. Außerdem ist es eine Unverschämtheit, dass meine Mitarbeiterin belangt wird. Bußgeldbescheide gehen als Inhaber an mich, alles weitere muss ich selbst entscheiden", sagt Anders.

Seine Sichtweise schilderte er in einer Stellungnahme dem Bürgeramt gegenüber, das darauf allerdings bis heute nicht reagierte. Bis Redaktionsschluss am gestrigen Montag hat sich die Pressestelle der Stadt in Schweigen gehüllt. Der Schwarzwälder Bote hat um Information gebeten.

In dem Schreiben bittet Anders unter anderem, "von einem Bußgeldverfahren Abstand zu nehmen". Und die Beschreibung, "er habe wiederholt vorsätzlich gegen das Gaststättenrecht verstoßen, will sich der Wirt nicht gefallen lassen.

Zwar gab es 2012 einen ähnlichen Vorfall, wo Anders gegen die Sperrzeiten verstoßen hat und 173,50 Euro zahlen musste, aber seither hätte er sich nichts mehr zuschulden kommen lassen. Zwar hat die Stadt für das Jahr 2013 und 2014 ebenfalls vermeintliche Verstöße registriert, die laut Anders allerdings keine waren und sich demnach klären ließen.

Rechtliche Konsequenzen

Security-Kräfte zu engagieren, um die uneinsichtigen Gäste anzutreiben, will Anders nicht. "Das ist zu teuer, dann kann ich gleich zu machen", sagt der Wirt. Er bemühe sich stets, die Sperrzeiten einzuhalten, sehe es aber auch nicht ein, jeden Abend seine Bestuhlung draußen komplett wegzustellen. "Das ist mit zu viel Arbeit verbunden, und die Situation muss anders gelöst werden", sagt er.

Im sozialen Netzwerk Facebook sorgt der Fall des Wirts für Wirbel. Viele Nutzer äußern ihren Unmut gegenüber der Situation. So schreibt zum Beispiel ein Nutzer: "Absolute Frechheit, wie die Behörden mit Gewerbetreibenden umgehen."

Anders freut sich über so viel Unterstützung und findet, dass endlich mal etwas passieren müsse, weil es "so einfach keinen Spaß mehr in Schwenningen macht". Am Mittwoch geht der Wirt zum Anwalt, um sich bei seinem weiteren Vorgehen beraten zu lassen. "Ich fühle mich momentan wie ein Schwerverbrecher", sagt Anders.

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