Narrozunft: Brauchtumsausschuss entdeckt Kuriositäten im Internet / Ratsherren ärgern sich über hohe Preise
Ob übertrieben hohe Preise für Schemen bekannter Schnitzer oder Imitate, die auf Verkaufsplattformen im Internet kursieren und mit der Villinger Fasnet nichts zu tun haben: Die Historische Narrozunft geht in die Offensive und möchte Hästräger von Fehlinvestitionen abhalten.
VS-Villingen. Schon längere Zeit beobachtet der Brauchtumsausschuss der Zunft einige Auswüchse, wie sich Gebote und Preisvorstellungen bei Schemen nach oben schrauben. Für Werke von Friedrich Moser oder Manfred Merz gehe es da um Summen von 6000 bis 8000 Euro, erklärt Peter Metzger, Sprecher des Brauchtumsausschusses. "Das sind natürlich alles tolle Schemen, aber keine Raritäten", betont er. Verständlich sei es höchstens, dass beispielsweise seltene Ölmüller-Schemen aus dem frühen 19. Jahrhundert solche Werte darstellen.
Ebenso wie Zunftarchivar Michael Bohrer und Schemenschnitzer Oliver Mauch, die auch dem Ausschuss angehören, tritt er aber dem Trend entgegen, dass sich aus diesen zur Villinger Fasnet gehörenden Schemen Spekulationsobjekte entwickeln, die weit über die Stadtgrenzen hinaus Absatz finden – und dann womöglich im Schrank liegen. "Sie landen im Tresor oder hängen für kurze Zeit an der Wand", bedauert Bohrer diese Entwicklung. "Dabei sind sie keine Kapitalanlagen, jede Scheme muss an der Fasnet laufen", nennt Metzger eine Prämisse aller Ausschusskollegen. Und sie kennen ihre Pappenheimer, beobachten den Markt genau: Es komme vor, dass Händler per Anzeigen nach Schemen suchen und diese später um ein Vielfaches der bezahlten Summe weiterverkaufen. Dass so der Nachwuchs keine Chance hat, an ein Häs zu kommen, bedauert der Schnitzer Mauch, ebenso wie die Tatsache, das viele Schemen von der Straße verschwinden und im Safe weggesperrt sind.
Aber nicht nur über diese Tendenzen ärgert sich die Zunft, sondern auch über schlechte Nachahmungen, die als Villinger Schemen angepriesen sind und kaum Ähnlichkeiten aufweisen. Da kann Metzger manches Foto von misslungenen Masken zeigen, die er während des historischen Umzugs am Fasnetmentig festgehalten hat. Ob Gesichtszüge, Proportionen oder Farben, manchmal können er und seine Kollegen vom Häs-TÜV nur den Kopf schütteln. Gerade jetzt vor der Fasnet tauche im Internet immer wieder die ein oder andere Kuriosität auf, die eher einem Kasperlekopf oder einem "Klingonen" gleiche als einem Surhebel. "Es gibt Menschen, die darauf reinfallen, und dann sind 150 oder auch 300 Euro futsch", erklärt Metzger – da sei jeder Cent zuviel.
Beim Umzug falle mancher Hästräger mit solch einer Maske auf. Ihr Ziel sei es, im Gespräch auf sie einzuwirken und ein Bewusstsein für die Tradition zu schaffen, sind sich die drei einig. Und sie stellen immer wieder fest, dass den wenig vorbildlichen Maschgere und Mäschgerle oft einfach das Wissen fehlt. "Im schlimmsten Fall ist es ein junger Mensch, der sich über seine neue Scheme freut", hat Mauch Mitleid mit all jenen, die auf Angebote im Internet hereinfallen. Zum Glück sei es nur ein geringer Anteil an Hästrägern, die negativ herausstechen, vielleicht gerade mal fünf Prozent der Umzugsteilnehmer, schätzt Metzger.
Die Zunft hat sich zum Ziel gesetzt, unermüdlich aufzuklären und den Mitgliedern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Jeder, der sich etwas fürs Häs anschaffen wolle, könne sich an die Zunft wenden, zum Narro- und Mäschgerleobed kommen, über die Homepage im Internet oder per Facebook Kontakt aufnehmen, ermuntert Bohrer alle, die Hilfe anzunehmen. Von einer Konrolle wie bei der Rottweiler Fasnet, bei der sich die Narren ihre Kleidle genehmigen lassen müssen, hält die Villinger Zunft nichts. In den 1980er-Jahren sei dies mal zur Diskussion gestanden, erinnert sich Metzger. "Aber wir haben uns für ein liberales Konzept entschieden." Im Mittelpunkt steht für die acht Mitglieder des Brauchtumsausschusses die Information.
Wer sich ein Häs anschaffen möchte, dem rät Mauch zudem, sich nach und nach die Ausstattung zuzulegen und Geduld mitzubringen, gebe es doch Wartezeiten – bei einer Scheme etwa zwei bis drei Jahre. "Für 900 bis 1300 Euro gibt es eine super gemachte neue Scheme", wirbt Metzger, sich an die Schnit zer der Zunft zu wenden und nicht unter Druck dubiosen Anzeigen auf den Leim zu ge hen oder sich in horrende Ausgaben zu stürzen. Ihnen liege es am Herzen, gemeinsam mit allen, die Spaß daran haben, eine schöne Fasnet zu feiern, betonen die drei – mit einem Häs und einer Scheme, die in der Tradition der Villinger Fasnet stehen.