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Villingen-Schwenningen Wenn die Seele den Körper verlässt

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Viele haben genaue Vorstellungen von ihrer Bestattung sagen (von links) Bruno Bandle, Sofie Ketterer und Elisabeth Hummel. Foto: Schwarzwälder Bote

Die Auswahl der Bestattungsmöglichkeiten in Villingen-Schwenningen ist groß. Die meisten von ihnen sind liebevoll und haben etwas sehr intimes. Doch auf dem Vormarsch sind die sogenannten Entsorgungen.

Villingen-Schwenningen. Ob die Bestattung stillschweigend oder pompös sein soll, für jeden gibt es auch in der Doppelstadt verschiedene Möglichkeiten sich die Verabschiedung von den Liebsten so zu gestalten, wie es einem lieb ist.

 Welche grundsätzlichen Bestattungsarten gibt es?

Grundlegend gibt es zwei Prinzipien der Bestattung, die sich beide wiederum in weitere Unterkategorien aufteilen. Die Erdbestattung bildet den ersten Zweig. Hier wird der Verstorbene in einen Sarg gelegt und in das Erdgrab beigesetzt. Die Gräber unterscheiden sich nur zwischen der Personenanzahl, die gemeinsam ruhen sollen. So gibt es das Einzelgrab, das Partnergrab und das Familiengrab. Für den zweiten Zweig, die Feuerbestattung, gibt es wesentlich mehr Möglichkeiten, seinen Frieden zu finden.

"Die Vielfalt liegt mehr in der Feuerbestattung", sagt Norbert Hirt, Leiter des Bestattungshauses am Friedhof. Bei allen Feuerbestattungen wird der Verstorbene zuerst in einem Krematorium eingeäschert und dann in einer Ascheurne aufbewahrt. Anschließend sind der Vielfalt kaum Grenzen gesetzt: Von der klassischen Erdbestattung, über Wandbestattungen, Friedwaldbestattungen, Seebestattungen, Wildbachbestattungen, Almwiesenbestattungen und Bergbestattungen ist bis hin zu Diamant- und Edelsteinbestattungen oder sogar Weltraumbestattungen ist vieles möglich. Doch durch eines der strengsten Bestattungsgesetze weltweit, sind die meisten dieser Bestattungsarten in Deutschland gar nicht erlaubt.

 Welche Bestattungswünsche gab es schon aus Villingen-Schwenningen?

Das Bestattungsinstitut Bandle in der Gerberstraße hat schon eine Diamantbestattung und mehrere Naturbestattungen in der Schweiz durchgeführt. Das Bestattungshaus am Friedhof hat ebenso eine Diamantbestattung, mehrere See- und Friedwaldbestattungen und eine Wildbachbestattung möglich gemacht. Auch einen Fingerprint des Verstorbenen für die Angehörigen wünschte sich ein Kunde. Die Baum- und Seebestattungen hätten in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen, meint Geschäftsführer Hirt.

 Wie wichtig ist es den Menschen aus Villingen-Schwenningen, wie sie bestattet werden?

Den meisten sei es sehr wichtig und viele würden eine genaue Vorstellung von ihrer Bestattung haben, sagt Bruno Bandle vom gleichnamigen Bestattungsinstitut. So würden sich Menschen, die sich zum Meer hingezogen fühlen, eine Seebestattung wünschen. Für Menschen, die sehr naturverbunden sind, kommt eher eine Friedwaldbestattung in Frage. Diejenigen, die ihren Angehörigen die späteren Grabbesuche und die eventuell damit verbundene persönliche Grabpflege erleichtern wollen, würden die Bestattung in einem der vielen Grabarten auf dem örtlichen Friedhof wählen. Letzteres sei bei ungefähr 95 Prozent der Bestattungen der Fall, erläutert Bandle.

Hirt unterscheidet hier zwischen zwei Teilen der Bestattung. Der größere Teil sei die Bestattung im klassischen Sinne. Sie seien sehr detailliert und oft gebe es persönliche Wünsche wie selbst geschriebene Liedtexte, Events oder Grabreden von Angehörigen. Ihm sei persönlich die Vorsorge sehr wichtig. Hier könne die ganze Bestattung geplant werden, wodurch sichergestellt werde, dass die zu bestattende Person genau so bestattet wird, wie sie es sich wünsche. So seien die Personen abgesichert und beruhigter.

Der kleinere zweite Teil, die Entsorgung, laufe meistens übers Internet ab. "Für uns als Bestatter ist das schockierend", sagt der Bestatter. Die Entsorgungen würden meistens so ablaufen, dass mehrere Personen von einem Fahrer eingesammelt werden, um dann in einem günstigen Krematorium eingeäschert zu werden und danach anonym und meistens im Ausland, in Massengräbern beigelegt werden.

Der einzige Grund für eine Entsorgung anstatt einer Bestattung sei der günstige Preis, erklärt Hirt. Bei komplizierten Familienverhältnissen sei die Wertschätzung des Verstorbenen oft sehr gering. "Der Anteil an Entsorgungen nimmt ganz klar zu", bedauert der Leiter des Bestattungshauses am Friedhof.

 Welchen Sinn sehen die Bestatter in der Bestattung?

Bandle zählt mehrere Gründe auf, die die Art der Bestattung beeinflussen. So gebe es religiöse Aspekte, dass zum Beispiel im Islam keine Feuerbestattung erlaubt sei. Dasselbe gelte für strenggläubige Katholiken, obwohl die katholische Kirche heute keine Einwände mehr gegen die Feuerbestattung hat. Auch sei die Grabpflege ein Faktor, den die Angehörigen beachten sollten. Ein Erdbestattungsgrab benötige meist mehr Pflege als zum Beispiel ein Urnengrab. Manche Personen möchten nicht, dass ihr Körper verwest und würden sich deshalb einäschern lassen. Da auch die Kosten eine große Rolle spielen würden, werde darauf geachtet, für welche Bestattungs- und Grabart man sich entscheide und ob das Grab selbst gepflegt werden könne oder ob dafür jemand beauftragt werden müsse.

Hirt sieht in der Bestattung eine Art von Heimat für den Verstorbenen. Wichtig sei dass der letzte Wunsch des Verstorbenen in Erfüllung gehe. "Wir Bestatter sind die Fürsprecher der Verstorbenen", sagt er. "Die Bestattung ist eine Art Widerspiegelung der Kultur. So wie wir bestattet werden, so leben wir. Es ist eine Art Versinnbildlichung: Woher kommen wir, wohin gehen wir?" Auf die Frage nach außergewöhnlichen Bestattungen, antwortet Hirt: "Jede Beerdigung ist einzigartig. Es ist schwierig, einzelne Bestattungen hervorzuheben. Die Besonderheit der Bestattung ist nicht von der Anzahl der Gäste anhängig". Er fände es immer wieder faszinierend, dass die gesamte Lebensgeschichte einer Person, mit ihren Höhen und Tiefen, genau zu diesem Punkt komme, wo er sie berate, ihre Bestattung plane und den Angehörigen Beistand leiste.

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