Eventreihe: Die Finks lassen bei "story VS" tief blicken
Villingen-Schwenningen (bn). Alle Hände gingen hoch: jeder der rund 450 Zuschauer wurde schon einmal geröntgt. Das "Abenteuer Medizin", mit dem die jährliche Eventreihe "story-vs" von Michael Hoyer traditionell beginnt, drehte sich diesmal um die Radiologie.
Die beiden Professoren und Doktoren Ulrich und Barbara Fink gaben am Donnerstagabend in der Neuen Tonhalle einen anschaulichen Einblick in eine hochtechnische medizinische Disziplin. Und Landrat Sven Hinterseh ließ in seiner Begrüßung keinen Zweifel daran, dass das Schwarzwald-Baar-Klinikum dabei "beeindruckend ausgestattet" ist. Der ärztliche Direktor sowohl des gesamten Klinikums als auch des dortigen Instituts für Radiologie und Nuklearmedizin und seine Gattin, Dozentin an der Hochschule Furtwangen, belegten in ihrem Vortrag dann nicht nur den rasanten Fortschritt der Radiologie seit Wilhelm Konrad Röntgen, sie bildeten auch ab, mit welchen hochmodernen Technologien der Patient inzwischen durchleuchtet wird. Und sie zeigten sich zuversichtlich, dass man optisch bald auch noch tiefer in den menschlichen Körper eindringen kann.
Heute dauert es nur Bruchteile von Sekunden, um auch feinste Strukturen im Körperinneren sichtbar zu machen. Anna Berta Röntgen musste 1895 ihre Hand noch 90 Minuten stillhalten, damit ihr Mann eine Aufnahme mit "X-Strahlen" machen konnte. Was damals als Sensation auf Partys herumgezeigt wurde, stand noch lange immer wieder im Verdacht der "Spielerei", gab Ulrich Fink zu. Inzwischen sind die Unkenrufe verstummt. Für alle anderen medizinischen Fächer sei die Radiologie durch Früherkennung von Erkrankungen, bei der Gewebedifferenzierung und Therapieplanung längst unverzichtbar geworden.
Auf die frontale Röntgenaufnahme folgte 1972 die Computertomographie, bei der die Röntgenröhre und der Bildempfänger um den Patienten kreisen und somit in Schichten überlagerungsfreie Bilder seines Inneren entstehen. Das dauert heute mit einer wesentlich geringen Strahlendosis als noch zu Röntgens Zeiten weniger als eine Sekunde. Ganz ohne Röntgenstrahlen kommt die 1982 eingeführte Magnetresonanztomographie (MRT) aus.
Das "Kernspin" arbeitet mit Magnetfeldern und Radiowellen und lässt die Weichteile im Körper besser erkennen. Die Finks zeigten an Beispielen, wie gut man damit Tumore schon in einem frühen Stadium erkennen kann. Mit dem in allen Achsen um den Patienten kreisenden "Cyberlife" des Klinikums werden diese dann gezielt bestrahlt, ohne das Umgebungsgewebe zu schädigen. Anfang der Nullerjahre wurde in Deutschland das "Spiral-CT entwickelt, dass den Patienten bei der Durchleuchtung nicht "in Scheiben schneidet", sondern spiralförmig umkreist, was die Bildgebung in 3D-Optik und damit "ein noch besseres räumliches Verständnis" und den Chirurgen eine "bildgesteuerte Navigation" bei Operationen ermöglicht.
"Wir werden schneller" – auch das ist in der Radiologie eines der Ziele, damit auch die Darstellung von sich bewegenden Organen wie Herz und Lunge optimiert werden kann. Die neueste Entwicklung auf dem Gebiet ist das sogenannte PET-CT, das es ermöglicht, Stoffwechselvorgänge sichtbar zu machen. Was nützt’s? Sinn und Zweck aller Forschungen sei die Verbesserung von Therapien, das steht für Barbara Fink außer Frage: "Der individuelle Patient steht im Mittelpunkt."