Fasnet: Trommlerwieber der Glonki-Gilde feiern ihr 40-jähriges Bestehen / Frauen stürmen die Stüble
Als sie sich gründeten, wurden sie als vermeintliche Eintagsfliegen belächelt – vor allem von den Männern. In diesem Jahr feiern die Trommlerwieber der Glonki-Gilde ihr 40-jähriges Bestehen. Totgesagte leben eben länger.
VS-Villingen. Yvonne Arno, Diana Maier und Ulrike Heggen sind drei der ehemaligen Tambourinnen und haben zwischen 19 und 36 Jahre "auf dem Buckel". Sie erinnern sich an die Anfänge, als Elke Dreher, Tina Jungwirth, Karin Dinser, Helga Ettwein, Ute und Karin Gässler, Ursula Erler und Brigitte König – acht Frauen von Blechtrommlern, keine Lust mehr dazu hatten, an der Fasnet alleine zu Hause zu sitzen, während es ihre Männer krachen ließen. "Was die können, können wir auch", und den Beweis trat die Gruppe an der Fastnacht 1980 an.
Mit vier bekannten Fastnachtsliedern auf den Lippen, aus Salatöl- und Essiggurkenfässern selbstgebauten Trommeln vor dem Bauch und im heute wieder angesagten "Jumpsuite der 80er", dem blau-weißen Hosenanzug, zog das kleine, feine Damenteam ab dem "Schmotzigen" eine Woche lang durch die Stadt, durch Kneipen und Gassen. "Wir haben teilweise durchgemacht", erinnert sich Ulrike Heggen und auch daran, dass dieses weibliche Lotterleben bei der Bevölkerung anfangs nur empörtes Kopfschütteln hervorrief.
Zehn Jahre lang sollte es dauern, bis die Trommlerwieber in der Gilde als eigenständiger Zug akzeptiert wurden. Heute gehören dem rund 40 Frauen im Alter von 20 bis Mitte 50 Jahren an, die die "ganz besondere Gruppenfasnet" schätzen und eine aus dem gemeinsamen Spaß gespeiste, ungeheure Kondition an den Tag legen, wenn sie in die Stüble stürmen, sich im Gänsemarsch durch die Straßen trommeln oder beim Glonki-Umzug am späten Montagnachmittag mitlaufen.
64 zum großen Teil selbstgedichtete Lieder wie "Der Zunftmeister", "Buckel schrubben", "Narro, komm" und andere werden vom Publikum stets eingefordert.
Die in der Villinger Fasnet einzigartige Frauengruppe hat sogar ihre eigene Satzung. Danach dürfen sie sich an den hohen Tagen nicht gemeinsam mit ihren männlichen Kollegen sehen lassen. Wer zehn Jahre lang alle Pflichttermine – auch unter dem Jahr stehen Geburtstage, Hochzeiten, Ausflüge und Sitzungen im Kalender – wahrnimmt, wird zur Ehrentrommlerin. Inzwischen gibt es zudem ein Gast- und auch ein Probejahr.
Lesley De Luca ist mit ihren 20 Jahren derzeit nicht nur die Jüngste, sondern zugleich "Tambour", dem es sich unterzuordnen gilt. Er bestimmt den Gesang, die Örtlichkeiten und den Zeitpunkt des Feierabends. Auf die weibliche Form wird verzichtet, denn "wir sind nicht so emanzipiert, wie anzunehmen wäre", sagt Diana Maier und lacht. Gleichwohl waren es die selbstbewussten Trommlerwieber, die bei der Mitgliederversammlung der Glonkis 1995 erstmals "Frauen in den Rat" forderten. Auch hierbei brauchten sie einen langen Atem: Erst 22 Jahre später, 2017, gab es die ersten Aspirantinnen für den großen Rat, seit 2018 sind Barbara Preisinger und seit vergangenem Jahr Miriam Uhrig Mitglieder des geschäftsführenden Vorstandes.
"Zickenkrieg" ist bei den Trommlerweibern ein Fremdwort. Es gelte das ungeschriebene Gesetz, dass Unstimmigkeiten nicht an der Fastnacht, sondern erst danach diskutiert werden. Und dazu gibt es dann ein Glas Sekt.