Das Dorf Nordstetten feiert im Juli sein 1250-jähriges Bestehen mit einem dreitägigen Fest im Ort. Archivfoto: Kienzler Foto: Schwarzwälder-Bote

Nordstetten begeht 1250. Geburtstag mit Bankett und dreitägigem Fest

Von Kirsten Bäckermann

 

Villingen-Schwenningen. Nordstetten ist zwar nicht offiziell als Stadtteil anerkannt, doch das Ortsleben ist umso intakter: Hier kennt (fast) jeder der 110 Einwohner jeden und ist gern bereit, an den Vorbereitungen zum Jubiläum zum 1250-jährigen Bestehen mitwirken.

Seine erste urkundliche Erwähnung vor 1250 Jahren feiert Nordstetten mit einem dreitägigen Fest, das im Rahmen des üblichen Dorffests vom 27. bis 30. Juli stattfinden wird. Ausgerichtet wird es traditionell alle zwei Jahre (wegen des Jubiläums diesmal nach drei Jahren) von der Landjugend Mönchweiler, in der sich auch junge Nordstetter engagieren. Zudem wirken die Landfrauen und natürlich viele Einwohner mit.

Wie aktiv der Wohnbezirk vor den Toren der Stadt Villingen auch ohne eigene Vereinswelt ist, hat sich schon im Januar gezeigt: Mehr als 50 Einwohner brachten sich in die erste Planungsbesprechung ein. "Ein Erfolg", berichtet Helmut Fleig, der die Leitung des Festkommitees übernommen hat. "Die Euphorie und die Hilfsbereitschaft sind groß", stellt er fest. "Alle sind bestrebt, etwas zum Jubiläum auf die Beine zu stellen."

Den Auftakt des Jubiläums bildet ein Festbankett am Freitag, 27. Juli, auf dem Hof von Hartmut Benzing. Einwohner, Ehemalige und Ehrengäste werden 1250 Jahre Nordstetten feiern. Tags darauf lädt das Dorf zur Höfewanderung mit geschichtskundlichen Führungen ein, die unter anderem von Stadtrat Ernst Reiser geleitet werden.

Reiser ist nicht nur alteingesessener Nordstetter, sondern auch ein ausgewiesener Kenner der Historie des Ortes, der nach Forschungserkenntnissen als "Vorzeigeort", als "nördliches Stetten" von Villingen, schon 762 in einer Schenkungsurkunde erwähnt wurde. Am 18. August 762 wurde im Kloster St. Gallen die Schenkung einer gewissen Rodsinda beurkundet, die ihren Besitz zu Nordstetten an die Gallusabtei vermachte.

Diese urkundliche Ersterwähnung von Nordstetten beinhaltet zugleich den ältesten schriftlichen Verweis auf Villingen selbst, da der Name, das "nördliche Stetten", unabdingbar den Zentralort einer Urmark voraussetzt, von welchem aus Nordstetten nördlich gelegen war: Villingen.

Ihre explizite erste schriftliche Erwähnung hingegen finden sowohl Villingen als auch Schwenningen, die beiden namengebenden Teilorte der Doppelstadt, erst 817 in ein und derselben Urkunde.

In einer Chronik ist die Historie Nordstettens festgehalten. Da die ersten Ausgaben bereits vergriffen seien, werde diese nun in einer Neuauflage zum Jubiläum herausgegeben, berichtet Helmut Fleig. Zudem arbeitet Ernst Reiser derzeit an einem zweiten Teil. Sechs bis sieben Ordner an Material hat er bereits gesammelt. "Es wird keine Chronik im Sinne einer wissenschaftlichen Arbeit", verdeutlicht er, sondern eine Darstellung seiner Ergebnisse zur Erforschung der 21 Höfe Nordstettens. In zwei Jahren werde das Werk voraussichtlich fertiggestellt, schätzt Reiser. Zum Jubiläum werden aber Bilder in einer Dia-Show gezeigt.

Parallel zu den Recherchen des Stadtrats bringt sich das städtische Archiv mit einer Jubiläumsschrift im Rahmen der Reihe "Blätter zur Geschichte der Stadt VS" ein, die laut Stadtarchivar Heinrich Maulhardt rechtzeitig, noch vor dem Jubiläumsfest, herausgegeben werden soll.