Nicht aus einer Weltraumkapsel, wohl aber aus einer für Hobby-Astronomen bezahlbaren Sternwarte-Kuppel blicken die Messe-Organisatoren Walburga und Siegfried Bergthal sowie Kuppelanbieter Michael Suchodolski (links). Das in der Sternwarte gezeigte High-Tech-Teleskop schwebt mit einem Preis von 70 000 Euro allerdings in anderen Sphären. Foto: Trenkle Foto: Schwarzwälder-Bote

8. Astronomie-Messe AME 2013 lockt rund 2000 Besucher / 65 Aussteller aus mehreren Nationen

Von Wolfgang Trenkle

Villingen-Schwenningen. Wo in Frankfurt nun noch eine Woche lang auf der IAA der neueste Trend in der zweidimensionalen Fortbewegung zu bestaunen ist, ging es am Samstag auf dem Schwenninger Messegelände längst ab in die dritte Dimension.

Autos sind von Laien meist auch in sehr kühnen Entwürfen noch als solche zu erkennen. In zwei Schwenninger Messehallen auf rund 3000 Quadratmetern fand sich hingegen so manches, was einem zweiten Blick oder gar der Nachfrage bedurfte, um seine Funktion preis zu geben. Die vielen Fernrohre, egal ob Linsen- oder Spiegelteleskope konnten selbstverständlich gut identifiziert werden, aber was beispielsweise war die riesige schwarze Halbkugel mit Lüftungsgeräusch, in die theoretisch mehrere Mittelklassewagen hätten Platz nehmen können? Nein, keine fliegende Untertasse, eher schon eine nichtfliegende Tasse: ein mobiles, aufblasbares Planetarium war es. Eingestiegen durch eine Luft- und Lichtschleuse, ward der Besucher schnellstens visuell in den Weltraum entführt – sozusagen "gebeamt".

War die faszinierende Halbkugel eher am Ende des Rundgangs angesiedelt, fanden sich zwei ganze, dafür gänzlich Weiß gestrichene, zu Beginn: Schutzgehäuse für Teleskope. "Die Sternwarte-Kuppeln kommen langsam in den bezahlbaren Bereich für Hobby-Astronomen", so Messe-Organisator Siegfried Bergthal aus Rottweil. Die größere stammte von einem polnischen Hersteller und konjugiert angesichts 4000 Euro preislich mit räumlich expansiven Gartenhäusern. Was allerdings in der Kugel zu sehen war, nähert sich monetär dann doch eher den Nobelmarken auf der IAA: ein Hightech-Teleskop mit gänzlich erschütterungsfreier Nachführmotorik zur Langzeitbelichtung schnell bewegter kosmischer Ereignisse wie beispielsweise dem Erdeintritt eines verglühenden Meteoroid. Kostenpunkt: 70 000 Euro.

Anbieter weit über das Ländle hinaus finden sich inzwischen einmal im Jahr in der Neckarstadt ein und zeigen hier so ziemlich alles, was mit dem Weltraum zu tun hat, solange man dabei auf dem Boden bleibt. So war keine Rakete zu sehen und kein Astronautenanzug.

Vertreten waren aber viele einschlägige Fachverlage, zahlreiche Teleskop-Hersteller von Deutschland über Österreich bis hin zu China mit Präzisions-Instrumenten und mehr und mehr im Angebot Reiseanbieter zum Erleben kosmischer Ereignisse: Nicht ins All, aber doch beispielsweise all-inclusive nach Norden, um Polarlichter zu sehen oder auf die andere Seite des Planeten zum Blick aus der ersten Reihe auf die nächste Sonnenfinsternis.

Vielleicht gibt’s bei der 50. AME in Schwenningen im Jahr 2055 ja doch schon Flüge zum Mond zu buchen. Angedockt an 2014 hat die Messe ihrerseits jedenfalls schon: Am Sonntag, 13. September, gibt’s die 9. Internationale Astronomie-Messe Schwenningen. Der vorausrechnende Blick in die Zukunft zeigt für diesen Termin: abnehmender Mond im Sternzeichen Stier.

Die Internationale Astronomie-Messe, kurz AME, fand schon in ihrer achten Auflage statt. Für die Vereinigung der Sternfreunde e.V. – der mit über 4000 Mitgliedern größte Verein von Amateur-Astronomen, ist sie eines der Highlights. Traditionell hält bei der Veranstaltung Stefan Seip, der bekannte Astrophotograph aus Stuttgart, den Eröffnungsvortrag. Aber auch andere Fachleute, wie in diesem Jahr der Kometen-Experte Wilhelm Seggewiß oder der Teleskop-Profi Joachim Biefang kommen im Programm zu Wort. Hintergrundinformationen und Tipps und Tricks vermitteln bei der Veranstaltung den Besuchern Workshops und Vorträge. Auch der Erfahrungsaustausch kommt nicht zu kurz. Infos zur Messe gibt es unter www.astro-messe.de