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Villingen-Schwenningen Vom "Bruder Durscht" in der Stadt

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Die Baugerüste und Veränderungen zeigen: Da geht was, am Haus Gambrinus. In der Zähringerstadt Villingen hat es seit je her Geschichte geschrieben.Fotos: Bräun Foto: Schwarzwälder Bote

Wer hat ihn je so recht beobachtet? Den Gambrinus, in der Josefsgasse auf seinem Fass hockend, der an der Fassade darauf hinwies, was einst um ihn rum geschah: das Brauen von Bier. Viel Bier.

VS-Villingen. Aktuell wird die einstige Brauerei samt Wirtshaus an der Oberen Straße saniert und erhält endlich auch eine wohl strahlend neue Fassade.

Man mag sich in moderner Zeit zuhause damit beschäftigen "auf kleiner Flamme Bier" zu brauen, doch seit dem Mittelalter waren es eben die Wirtsleute, die sich auch als Brauer einen Namen machten.

Diese Hausbrauereien in direkter Nähe zum Wirtshaus sind für Villingen historisch belegt, denn im 18. Jahrhundert besaßen gleich neun Wirte das Braurecht. Mit der Entwicklung der lokalen und regionalen Industrie und des Kleingewerbes belieferten dann aber doch die größeren Brauereien die Wirtshäuser in der Stadt. Leider, so auch die Hobby-Historiker, ist außer den Namen nur wenig Lokales geblieben.

Ein hohes Renommee in der Stadt hatte einst ganz sicher das "Bürgerliche Brauhaus" mit seiner zentralen Lage in der Niedere Straße 46, das später zum "Meyerhof" wurde. Ursprünglich war das Brauhaus, das seit 1899 auch als Brauerei-Gaststätte geführt wurde, auch die Hausbrauerei der "Lilie".

Deren Brauer und Wirte waren seit 1812 Michael Ummenhofer, Josef bis 1884 und August Ummenhofer bis 1912 und als Pächter wirteten Heinrich Schafhauser ab 1912 und Kaspar Specker ab 1924.

Das Bräuhaus belieferte auch die Wirtschaft "Hohenzoller" bis 1930, den "Lindenhof" bis 1962, die "Bertholdshöhe" bis 1930 und den populären Antonius-Keller in der Rietstraße, heute "Citys", bis 1939.

Mitbewerber um den richtigen Biergeschmack war die Fortuna-Brauerei bei der Johanneskirche an der Gerberstraße, mit Postanschrift Bickenstraße 16 und der zugehörigen Gaststätte "Fortuna".

Deren Wirtsleute waren ab 1825 Benedikt Fischer, 1876 Wilhelm und 1884 Ernst Beck, von 1902 bis 1930 Franz Metzger und ab 1939 Luise Metzger. Das Fass- und Flaschenbier der Fortuna ging vor Ort an das Gasthaus "Schwanen" bis 1884 und bis 1939 an das Wirtshaus "Schwert", im Volksmund "de Sebbel" genannt, heute als vietnamesisches Restaurant geführt.

Ab 1984 war’s sogar einmal die Filiale eines Welt-Unternehmens

Eine deutlich kürzere Dauer war der Germania-Brauerei in der Gerberstraße 35 bis 1900 beschieden. Die Gaststätte, heute "Pulvertürmle", wurde später von der Kronenbrauerei übernommen und reizte als Wirtshaus zum Besuch bis in die 60er-Jahre auch mit einer Kegelbahn. In der Chronik findet man als Betreiber Johann Wößner (1874-1877).

Die nun im Fokus stehende ehemalige Gambrinus-Brauerei, geführt von 1884 bis 1954 auch mit Wirtschaft, ab 1984 für wenige Jahre eine Filiale des Welt-Unternehmens "Wienerwald", hatte sein hohes Sudhaus in der Josefsgasse. Die Chronik weist als Wirte aus Adolf Sigwarth 1884, bis 1930 Karl Faller und bis 1962 Karl und Erwin Faller. Abnehmer des Gerstensaftes war um 1902 auch der "Kronprinz" in der Niederen Straße.

Noch heute mit einem der auffälligsten Stechschilder ausgestattet, ist die ehemalige Kronen-Brauerei, die einst in der Niederen Straße begann und 1884 als "Schilling & Compagnie" in die heutige Kronengasse verlegt wurde.

Ursprünglich waren die Kronen-Brauer auch Hausbrauerei fürs "Lamm", das nach 1820 ins ehemalige Kapuzinerkloster verlegt wurde, und im abgegangenen "Felix-Kirchle" nutzte man das Recht, auch Schnaps zu brennen. Um 1900 übernahmen die Brauer der Germania die Kronen-Sudhäuser.

Historische Kronen-Brauer waren ab 1631 Mathias Schilling und wohl dessen Nachfahren Johann Baptist, Benedikt, 1789 Lukas, 1857 Johann Baptist II., 1902 Albert, Johann Baptist III., 1939 Claudia Beer-Schilling und 1945 Engelbert

Beliefert wurden von 1704 bis 1856 das Lamm, von 1789 bis 1939 die Krone, ab 1884 das Jägerhaus, 1884 der Kronprinz, 1884 bis 1939 der Hohenstein, 1898 bis 1912 der Löwen, 1901 bis 1912 das Waldschlössle, 1902 der Adler und der Schützen und schließlich 1912 der Schlachthof und das Paradies.

Bis heute in historischer Erinnerung ist die Romäus-Brauerei des Vincenz Sättele, dessen Initialen in Stein gehauen in der Färberstraße prangen, fortgeführt ab 1865 von Franz Ott, 1884 von Josef Ott, ab 1902 von Wilhelm Ott und ab 1930 Rosa Ott. Eine Sonderstellung der Ott-Wirte nahm nach 1945 auch der Storze Ernst ein, an dessen Stammtisch "hohe Politik" betrieben wurde und dessen Fasnet-Bälle legendär wurden.

In der Neuzeit versuchte sich Jankes Brauhaus mit Bierausschank und Flaschenbier, doch fand man nach geschäftlichem Flop längst zurück zum "Ott", dem beliebten Szenelokal. Nicht vergessen sei die Drehscheibe, wo bereits ab 1902 Romäusbier schmeckt.

Unvergessen ist auch die Tor-Brauerei am Riettor, die Karl Riegger von 1887 bis 1912 führte. Ihm folgten Willibald Riegger und Eugen Riegger, die das Torstüble, den Hirschen, das Obere Wasser, den Anker, den Großen und den Kleinen Storch und die Tonhalle mit Bier versorgten.

Dem Biergenuss frönt man in Villingen seit dem 14. Jahrhundert in drei Wirtschäusern

Dem Biergenuss frönte man in Villingen historisch gesichert schon seit dem 14. Jahrhundert in drei Wirtshäusern, von denen es um 1800 bereits 17 gab, neun davon mit Braurecht. Und schon 1850 lockten 24 Gastbetriebe ihre Gäste, 1900 bereits 41 und 1939 waren es 67. Wilhelminisch waren über Jahrzehnte viele ihrer Namen: Deutscher Hof, Deutscher Kaiser, Germania, Hohenzoller, Kronprinz und Reichsapfel.

Darf man also in 2020 gespannt sein, was sich in den nächsten Wochen im Gambrinus tut. Sind doch die bleiverglasten Fenster mit szenischen Fasnet-Motiven so ursprünglich und nahezu unversehrt, dass mit weiterer Gastronomie gerechnet werden darf.

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