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Villingen-Schwenningen Verein "Frauen helfen Frauen" steht Opfern bei

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Viele Frauen, die unter einem gewalttätigen Partner leiden, trauen sich vor lauter Scham nicht, das Hilfsangebot in Anspruch zu nehmen. Foto: Siam – stock.adobe.com

Sie werden von Männern grün und blau geschlagen, ohne Kontakt zuhause eingesperrt, von Eltern zwangsverheiratet: Mit den unterschiedlichsten Lebensgeschichten sind der Verein Frauen helfen Frauen und das Frauen- und Kindeschutzhaus im Schwarzwald-Baar-Kreis konfrontiert. Gemeinsam ist ihnen die Gewalt, die den Frauen widerfahren ist.

Villingen-Schwenningen - Ein Thema, das auch den Soroptimist Club Villingen-Schwenningen umtreibt, so dass er sich gemeinsam mit Soroptimist International Deutschland an den "Orange Days" beteiligt, einer weltweiten Kampagne zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen ab Mittwoch, 25. November, bis Donnerstag, 10. Dezember.

Allein 2019 hat das Bundeskriminalamt fast 142 000 Opfer von Gewalt in Partnerschaften in der Statistik aufgelistet – zumeist gegen Frauen und seit Jahren mit leicht steigender Tendenz. "Und die Dunkelziffer ist hoch", stellt Rosemarie von Strombeck vom Soroptimist Club VS fest. Zahlen, die sie bestürzen, wenn sie an all die Schicksale von Frauen und ihren Kindern denkt, die dahinter stehen. Die kennt auch ihre Mitstreiterin Veronika Bastian, die im Laufe ihrer beruflichen Karriere bei der Polizei auf verschiedenen Ebenen mit dem Thema konfrontiert war. So setzen sich die beiden zusammen mit den anderen Sor­optimistinnen für Frauen helfen Frauen ein. Der Club erfüllt Jahr für Jahr die Weihnachtswünsche der Kinder im Frauenhaus und spendet Geld, um die Arbeit des Vereins zu unterstützen. Denn die ist in den Augen der beiden unendlich wertvoll. "Es ist wichtig, den Frauen Mut zu machen, sich aus schlimmen Situationen zu befreien, und ihnen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind", betont Rosemarie von Strombeck.

Drei festangestellte Mitarbeiterinnen

Das ist einer der Aspekte, der sich die drei festangestellten Mitarbeiterinnen des Vereins annehmen. Die Arbeit beruhe auf drei Säulen, erläutert eine der zwei Sozialpädagoginnen, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte. Zum einen ist da die unabhängige Beratungsstelle, die Frauen anonym und kostenfrei unterstützt und gemeinsam mit ihnen nach Auswegen aus schwierigen Lebenslagen sucht. Das Team sei mit anderen Anlaufstellen vernetzt, begleite die Hilfesuchenden zu Ärzten und Behörden und kläre die finanzielle Situation, bei Bedarf auch mit einem Dolmetscher.

Wenn es erforderlich ist, finden Frauen samt ihren Kindern eine sichere Unterkunft im Frauenhaus, dem zweiten Tätigkeitsbereich des Vereins. Auch da stehe den Frauen umfangreiche Hilfe zur Verfügung, erklärt die Pädagogin. Ziel sei es, sie bei ihren Schritten in ein eigenverantwortliches Leben zu begleiten. Und eine ebenso bedeutende Rolle spiele der dritte Schwerpunkt: die Nachbetreuung, wenn die Frauen in eine eigene Wohnung umgezogen sind.

Dass das wegen der Wohnungsnot nicht einfach ist, weiß Hildegard Steinberger-Heitner vom Vorstandsteam des Vereins Frauen helfen Frauen. Sie stehe mit Vermietern wie der städtischen Wohnungsbaugesellschaft und der Baugenossenschaft Familienheim in Kontakt, aber bis die Frauen für sich und die Kinder eine neue Unterkunft haben, seien oft viele Anstrengungen erforderlich.

So ist die Zeit, die sie im Frauenhaus verbringen, unterschiedlich lang, sagt die Pädagogin. Dieses Jahr hätten bereits 23 Frauen und 20 Kinder Zuflucht in den geschützten Wohnungen benötigt – 2019 seien es 17 Frauen gewesen. Da mache sich die Corona-Krise durchaus bemerkbar. "Gewalt gab es auch schon vorher, aber jetzt eskaliert es oft", schildert sie ihre Eindrücke. Auch die Nachfrage nach Beratungen habe zugenommen. Ob Kurzarbeit und die damit einhergehenden Existenzängste, der Stress, wenn in Zeiten von Homeoffice, Kindergarten- und Schulschließung die Rückzugsmöglichkeiten fehlen: An Konflikten mangelt es nicht, die zu handgreiflichen Auseinandersetzungen führen können, sind sich Rosemarie von Strombeck, Veronika Bastian, Hildegard Steinberger-Heitner und die Mitarbeiterin des Frauenhauses sicher.

Verein hat Hilfsnetz

Um so wichtiger ist es ihnen, auf das Hilfsnetz des Vereins Frauen helfen Frauen aufmerksam zu machen und die Opfer von Gewalt zu bestärken, diesen Beistand in Anspruch zu nehmen. Denn dass es Wege aus der Gewaltspirale gibt, das erleben die Pädagoginnen des Frauenhauses immer wieder. Da ist beispielsweise eine junge Frau, die in Deutschland geboren ist und nach der Ausbildung in einem ihr fremden Land zwangsverheiratet werden soll. Direkt am Tag ihrer Abschlussprüfungen gelingt es ihr, über das Frauenhaus in ein selbstbestimmtes Leben aufzubrechen. Ebenso wie eine Flüchtlingsfrau, deren Mann sie eingesperrt und ihr sogar die Teilnahme an einem Deutschkurs verboten hatte. Übers Internet hat sie sich die Sprache selbst beigebracht und nach Unterstützung beim Bewerbungsschreiben jetzt eine Ausbildung begonnen.

Soroptimist International ist eine der weltweit größten Service-Organisationen berufstätiger Frauen mit gesellschaftspolitischem Engagement. In Deutschland zählt die Organisation aktuell über 6700 Mitglieder in 223 regionalen Clubs. Dem vor 23 Jahren gegründeten Soroptimist Club Villingen-Schwenningen gehören Mitglieder aus der Doppelstadt, Rottweil, Oberndorf, Donaueschingen und Niedereschach an. Das Netzwerk hat es sich zum Ziel gesetzt, die Gleichstellung der Frauen in rechtlicher, sozialer und beruflicher Hinsicht zu erlangen und setzt sich für einen höheren Anteil an Frauen in Führungspositionen, für die Verhinderung jeglicher Gewalt gegen Frauen und Mädchen und für den ungehinderten Zugang zu Bildung und Ausbildung für Frauen und Mädchen ein.

Soroptimist International beteiligt sich so an den "Orange Days" , die sich seit 1991 weltweit für die nachhaltige Verwirklichung der Grundrechte von Frauen stark machen. Die Kampagne unter dem Motto "Orange the world – Stand up for Women" startet heute, Mittwoch, 25. November, dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und enden am Donnerstag, 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte. Die 16 Tage sind gefüllt mit Aktionen, die den Blick auf die Benachteiligung von Frauen und geschlechtsspezifische Formen von Gewalt richten. Die Soroptimistinnen nutzen gerade soziale Medien, da Veranstaltungen wegen Corona nur beschränkt möglich sind. Der Club Villingen-Schwenningen strahlt den Triberger Wasserfall zum Auftakt der "Orange Days" am 25. November orange an, um Solidarität für die Beseitigung aller Formen von Gewalt zu zeigen.

Hilfsangebote sind anonym und kostenlos

Frauen und Mädchen, die unter körperlicher oder seelischer Gewalt leiden, steht der Verein Frauen helfen Frauen zur Seite. Die Beratungsstelle ist da für alle Frauen, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden, Opfer häuslicher Gewalt sind oder sich wegen Problemen in der Partnerschaft informieren und aussprechen wollen, zudem für Mädchen mit familiären Problemen. Die Hilfsangebote sind anonym und kostenlos. Im Frauen- und Kinderschutzhaus finden alle Frauen vorübergehend eine Zufluchtsstätte, die körperlichen oder seelischen Misshandlungen ausgesetzt sind. Die Mitarbeiterinnen sind rund um die Uhr unter dem Notruf-Telefon 07721/5 44 00 erreichbar. Um Schutz und Beratung anbieten zu können, ist der Verein auf Spenden angewiesen. Derzeit sucht das Team auch Winterkleidung für Frauen in den Größen 38 bis 42. Eine Kontaktaufnahme ist ebenfalls unter Telefon 07721/5 44 00 möglich.

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