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Villingen-Schwenningen Überlastung der Justiz entlastet Vergewaltiger

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Eine Frau hat Alkohol getrunken und Tabletten geschluckt. Danach hat der Angeklagte sie vergewaltigt. Foto: Pixabay

Villingen-Schwenningen - Die heillose Überlastung der Justiz kam am Donnerstag einem Vergewaltiger zupass. Sein Opfer war bei dem Prozess vor dem Amtsgericht in Villingen nicht erschienen – "das hatte ich mir anders vorgestellt", gab der Vorsitzende Richter Christian Bäumler frei heraus zu und auch, dass die Tat, eine Vergewaltigung, eigentlich gar nicht in sein Ressort am Amtsgericht gefallen wäre. Weil auch die Landgerichte unter einem Berg von Verfahren ächzen, musste man am Villinger Gericht ran.

Dort saß auf der Anklagebank ein 47-Jähriger, hagerer Mann, dem die Vergewaltigung einer 27-Jährigen aus dem Umfeld der Doppelstadt unter ungewöhnlichen Umständen vorgeworfen wurde: Im März diesen Jahres soll er sich an der Frau vergangen haben, nachdem diese Medikamente gegen eine Epilepsie eingenommen hatte, die "stark sedierend" gewirkt haben.

Aus freien Stücken sei die Frau, so war es in der Anklageschrift vermerkt, zu dem Mann nach St. Georgen gekommen. Sie habe sich nach Beziehungsstress von ihrem Partner getrennt und mitten in der Nacht eine neue Bleibe gesucht. Zwei weitläufig Bekannte hätten die Frau schließlich zu dem Mann nach St. Georgen gebracht, damit sie dort Unterschlupf finden könne.

Der Angeklagte und sein Opfer hatten getrunken. Sechs Bier soll die Frau intus gehabt haben, ehe sie zu den Tabletten gegriffen hat. Mit Alkohol hat sich die Arznei offenbar nicht vertragen. Die Frau sei auf dem Sofa des Mannes in einen tiefen, deliriumartigen Schlaf gefallen. Das nutzte ihr angeblicher Helfer aus: Er zog die Frau untenherum aus, verging sich zunächst oral an ihr, um sie schließlich zu vergewaltigen. Als der Mann auf ihr lag und sie penetrierte, sei das Opfer aufgewacht. Ihren Peiniger habe die Frau von sich gestoßen, ihn angeschrien, dass er aufhören solle. Von seinem Opfer habe er sofort abgelassen. Vor der späteren Anzeige, die die Frau gemeinsam mit ihrem ehemaligen Partner erstattet habe, bewahrte das den Wahl-St.-Georgener jedoch nicht. In einer Art Salamitaktik und nach vehementem Nachbohren der Kriminalbeamtin gab der Mann bei der Polizei später scheibchenweise zu, dass all das so passiert ist.

Verstörter, gar "traumatisierter" Eindruck

Trotzdem hatte er Glück: Obwohl die Frau bei der Kriminalbeamtin, die bei der Verhandlung im Zeugenstand des Amtsgerichts saß, mehrfach auf das Verfahren gedrängt hat, weil sie das Erlebte offenbar endlich zu Ende bringen und abschließen wollte, fehlte sie unentschuldigt. Auf die Polizistin machte sie einen verstörten, gar "traumatisierten" Eindruck, sie leide an Epilepsie und Depressionen, erzählte die Beamtin. Seit der Vergewaltigung könne sie kaum mehr schlafen. Vor der Konfrontation mit ihrem Peiniger vor Gericht flüchtete die 27-Jährige jetzt offenbar. Eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe aber werde es ohne die Anwesenheit der Geschädigten nicht geben, stellte Richter Christian Bäumler klar. Für einen zeitnahen Fortsetzungstermin fehle die Zeit, "wir sind einfach übervoll". Vor Februar oder März ergebe sich kaum Gelegenheit. Fazit: Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung zogen sich zurück und einigten sich: Der Angeklagte, dem auch 50 000 Euro Schulden im Nacken sitzen und die Trennung von seiner Frau und seinen beiden Töchtern, wurde schließlich zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Wegen seiner Alkoholsucht muss er die Fachstelle Sucht besuchen, seine Tat soll er außerdem bei der forensischen Ambulanz Baden aufarbeiten und 200 Sozialstunden muss der 47-Jährige ableisten.

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