Fahrgeschäfte und Freizeitspaß wird es 2020 auf dem Schwenninger Messegelände mit ziemlicher Sicherheit nicht geben. Archivfoto: Pohl Foto: Schwarzwälder Bote

Corona: Keine Großevents bis 31. August

Aus der Traum von Normalität. Während sich viele Menschen ohnehin schon auf einen Sommerurlaub in der Heimat eingestellt hatten, ist seit Mittwochabend nun klar: Auch das Programm wird wenig abwechslungsreich sein. Denn Großveranstaltungen sind vorerst bis 31. August verboten.

Villingen-Schwenningen. Die Bundesregierung hat am Mittwochabend bekanntgegeben, dass Großveranstaltungen aufgrund der Corona-Pandemie vorerst bis Ende August verboten sind. Ein Entschluss, der den Bürgern die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zur Normalität nimmt. In der harten Realität angekommen dürfte dadurch vor allem die Veranstaltungsbranche sein. Denn, auch wenn die Definition einer Großveranstaltung letztlich Ländersache sein wird, bleibt bei den meisten Veranstaltern wenig bis keine Hoffnung, dass ihr Event stattfinden darf.

Volksfest VS vor Pause

Demnach steht in Schwenningen das "Volksfest VS" ziemlich sicher vor einer Zwangspause im Jahr 2020. Die Veranstaltung, die 2019 erst erfolgreich Premiere feierte, muss nun den ersten Rückschlag verkraften. Ralph Vogt von der Schaustellerfirma Gebauer sagte am Mittwochabend, noch während die Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Markus Söder im Fernsehen übertragen wird: "Unsere ganze Saison ist natürlich geplant gewesen. Und bis heute sind wir davon ausgegangen, dass bis 15. Juni keine Veranstaltungen stattfinden." Nun aber die bittere Erkenntnis, dass vermutlich die komplette Saison für die Schausteller gelaufen ist.

"Wir wissen noch nicht wirklich, inwiefern uns das Verbot trifft", sagt Vogt in Bezug auf die ausstehende Definition. "Wir hoffen natürlich, dass wir mit dem Volksfest in Schwenningen nicht unter die Regelung fallen. Das hängt wahrscheinlich von der Zahl der täglichen Besucher ab", hofft Vogt.

Grundsätzlich sei die Situation in der Branche schwierig. "Viele von uns haben gesagt, es sind jetzt mal drei Monate, die uns fehlen. Doch mittlerweile nimmt es schon gravierende Ausmaße an. Schließlich bleiben die Einnahmen aus." Einzelne Schicksale würden sicherlich davon abhängen, ob die Schausteller eigene Fahrgeschäfte hätten oder ob es Leasingverträge seien, die es zu bezahlen gelte. "Die Situation ist für viele existenzbedrohend", ist sich Ralph Vogt sicher.

Dass der Veranstalter im Falle einer Absage auf ein paar Kosten sitzen bleiben wird, ist für Vogt wahrscheinlich. "Werbekosten werden sicherlich bleiben. Wir werden aber bei einem Verbot der Veranstaltung wohl kaum für etwas bezahlen müssen, was wir nicht in Anspruch nehmen", geht er davon aus, dass sich in diesen besonderen Zeiten Lösungen finden lassen.

Neun am Münster abgesagt

Während Vogt noch hofft, haben andere Organisatoren bereits reagiert. So gaben die Verantwortlichen der Villinger Veranstaltung "Neun am Münster" noch am späten Mittwochabend bekannt, dass der Termin vom 17. bis 19. Juli abgesagt ist. In einer gemeinsamen Erklärung teilten sie mit, dass diese einstimmige Entscheidung jetzt "kurzfristig aufgrund der heutigen Entwicklung" getroffen wurde. Zwar hatte man bis zuletzt gehofft, dass sich die Situation bis im Juli wieder so beruhigt hat, dass "Neun am Münster" doch stattfinden kann, doch die Entwicklungen machten diese Hoffnung zunichte, heißt es.

Die Verantwortlichen bedauern diese Absage zutiefst, da ja bereits schon sehr viele Vorbereitungen getroffen waren. Sie zeigten sich aber optimistisch, dass die Veranstaltung "so bald wie möglich", vielleicht sogar schon im Jahr 2021 wieder an den Start gehen kann. Ähnliches dürfte für den Villinger Stadtlauf gelten, der ebenfalls für dieses Wochenende geplant war.

Sommersound VS in 2021

Realismus gepaart mit Optimismus, das ist es auch, was Christoph Römmler von der Agentur Karoevents versprüht, der gemeinsam mit dem Schwarzwälder Boten das erste richtig große Open Air in Villingen-Schwenningen veranstalten wollte. Der Sommersound VS kann 2020 nicht stattfinden – die Top-Acts Mark Forster, The Boss-Hoss und Revolverheld aber sollen stattdessen 2021 auftreten – dann will man es mit der verspäteten Premiere so richtig krachen lassen (siehe Berichterstattung auf der Termine-Seite).

Und die Sommerfeste?

Unter das Veranstaltungsverbot werden sicherlich auch unzählige Sommerfeste von städtischen Vereinen fallen. Somit wird die Festsaison auf der Schwenninger Möglingshöhe, die eigentlich am 1. Mai begonnen hatte und am 29. September beendet wäre, alles andere als normal ablaufen. Beim Blick in den Kalender bleiben nach dem 31. August gerade noch zwei Termine übrig. Und die sind in den vergangenen Jahren dann meist dem schlechten Wetter im Frühherbst zum Opfer gefallen. Während die Villinger Narrozunft mit ihrem Sommerfest-Termin Ende Juni keinesfalls Hoffnungen zu haben braucht, könnte zumindest die Hexenzunft von ihrem traditionell späten Termin am Ende der Sommerferien profitieren. Die Hexen könnten einer der wenigen Vereine dieses Jahr sein, der nicht auf diese nicht unerhebliche Geldeinnahmequelle verzichten muss.

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