Deutsche Trans-Dia-Meisterschaften stehen bevor. Fünf Protagonisten, fünf Leben, fünf fremde Organe.
VS-Villingen - Bernd Schwarzwälder, Stefan Weiner, Heike Bippus, Martin Storz und Beate Bea haben viel gemeinsam: sie leben in VS, lieben den Sport, treten bei den Deutschen TransDia-Meisterschaften vom 10. bis 12. Mai gegen 110 Sportler an – und sie tragen alle eine fremdes Organ in sich.
Die Meisterschaft für Dialysepatienten und Transplantierte ist für sie bei weitem nicht einfach nur eine sportliche Herausforderung, sondern eine Möglichkeit, auf den herrschenden eklatanten Mangel an Spenderorganen hinzuweisen. Ein Ziel, das sich auch der Verband TransDia-Sport Deutschland neben der Förderung körperlicher Aktivitäten der Betroffenen in die Satzung geschrieben hat, und aus diesem Grund die Meisterschaft in vielen Sportarten jedes Jahr veranstaltet. "Wir wollen zeigen, dass Organspende funktioniert".
Teilnehmer verdanken ihr Leben Organspendern
Alle fünf Teilnehmer aus Villingen sind Transplantierte und gehören zu den Glücklichen, die ein Organ bekommen haben: Seit eineinhalb Jahren trägt Bernd Schwarzwälder ein neues Herz in der Brust, Heike Bippus retteten vor dreieinhalb Jahren zwei Lungenflügel, Martin Storz wurde 2011 eine Leber transplantiert, Stefan Weiner erhielt von einem Freund eine Niere, und auch Beate Bea ist seit zwölf Jahren nierentransplantiert. Sie hat die Meisterschaft schon zum zweiten Mal nach Villingen-Schwenningen geholt, war selbst mehrfache Tischtennis-Weltmeisterin der Nierentransplantierten und wird aufgrund des hohen Organisationsaufwandes diesmal "nur" beim Eröffnungslauf im Germanswald und bei den Leichtathletik-Wettbewerben dabei sein. Die gelernte Hotelfachfrau und amtierende Behindertenbeauftragte der Stadt ließ während ihres jahrelangen Leidensweges mit einer Schrumpfniere nie ab von ihrem Lieblingssport. Ihm habe sie es zu verdanken, davon ist die 57-Jährige überzeugt, dass sie mit ihrer transplantierten Niere trotz aller nach wie vor vorhandenen Einschränkungen Lebensqualität genießt.
"Wir sind jeden Tag glücklich und sehen unsere Organspende als das größte Geschenk an", spricht Martin Storz allen aus dem Herzen. Er wird bei den Tischtenniswettbewerben in der Steppachhalle antreten. Als er 20 Jahre alt war, wurde bei einer Blutspende eine Autoimmunerkrankung festgestellt, die sukzessive seine Leber zerstört hätte. Immer wieder kam es zwar zu dramatischen gesundheitlichen Zwischenfällen, doch erst 2011, mit 50, fand er Platz auf einer Organspendeliste. Zwei Monate später war es soweit. Heute sagt Martin Storz: "Es geht mir gut".
Das Wunder von Freiburg und noch mehr
Stefan Weiner denkt, wie er sagt, kaum an sein fremdes Organ. Zwar habe er durch die Medikamente sehr zugenommen, sei aber über den Sport derzeit dabei, sein Gewicht wieder in den Griff zu kriegen. Er hat neben seiner Niere auch eine zweite Familie geschenkt bekommen. Die Lebendspende seines Freundes verbindet die beiden Männer auf das Engste. Weiner ist im Vorstand sowohl des Billardvereins als auch des Sportverbandes VS. Er wird bei den Meisterschaften in seinem Sport nicht teilnehmen können – "Billard ist leider nicht vorgesehen". Doch er unterstützt seine Vorstandskollegin im Sportverband Beate Bea bei der Organisation.
Heike Bippus’ Leben hing am seidenen Faden. Ihr fehlte das Eiweiß, das ihre Lunge elastisch hielt. Mehrfach wurde sie als Organempfängerin abgelehnt, soziale Kontakte gingen verloren. Mit Hilfe von Michele Godest vom Diakonischen Werk schaffte es die Versicherungskauffrau schließlich auf die Hochdringlichkeitsliste und erhielt eine neue Lunge. Bei der Trans-Dia-DM wird sie auf dem Hubenloch zwei Kilometer walken.
Dramatischer Mangel an Spenderorganen
"Ohne mein Spenderherz würde ich heute nicht mehr leben", sagt Bernd Schwarzwälder. Der 55-Jährige war früher Schwimmer und trainiert derzeit wieder fleißig für die DM. Erst vor eineinhalb Jahren erhielt er ein neues Herz, nach 18 Jahren der Berufsunfähigkeit. Arbeiten wird der Krankenpfleger zwar nie wieder können, doch seine gesundheitliche Entwicklung mit einem Spenderherz gilt an der Uni-Klinik als das "Wunder von Freiburg".
Fünf transplantierte Menschen und ein Wunsch: "Wir wollen, dass sich jeder Mensch über Organspende Gedanken macht", sagt Bernd Schwarzwälder, der glaubt, dass die meisten Menschen nicht gegen Organspende sind, sondern einfach nicht daran denken, einen Organspendeausweis auszufüllen. Der Mangel an Spenderorganen hat längst dramatische Züge angenommen.
Martin Storz etwa trägt eine "Dominoleber" in sich. Sie wurde einem leberkranken Patienten entnommen, "war aber noch besser in Schuss als meine". Heike Bippus bestätigt, dass inzwischen sogar Raucherlungen transplantiert werden – Mangel senkt die Ansprüche. Erreichen wolle man mit der Ausrichtung der Deutschen Trans-Dia-Meisterschaft idealerweise eine Gesetzesänderung nach österreichischem Vorbild. Dort muss aktiv widersprechen, wer nach seinem Tod kein Organ spenden will.