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Villingen-Schwenningen Tiefer Blick ins Herz eines Wuescht

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Wueschtgeschichten gibt Roland Weißer beim Kulturcafé zur Ausstellung "Wuescht 2-3-4" zum Besten. Foto: Zieglwalner

Villingen-Schwenningen - Er brennt für die Villinger Fasnet, hat sich voller Leidenschaft der Wueschtgruppe verschrieben und reißt mit seiner Begeisterung mit: Roland Weißer, der 20 Jahre "Diä Schönschte" angeführt hat. Beim Kulturcafé im Franziskaner zur Ausstellung von Ingeborg Jaags Figuren plauderte er aus dem Nähkästchen.

"Wueschtgeschichten" könne wohl niemand besser erzählen als Roland Weißer, stellte die ­Restauratorin Ina Sahl vom Team des Franziskanermuseums fest, er sei der perfekte Redner, steht die Ausstellung dieses Jahr doch unter dem Motto "Wuescht 2-3-4". Das bewies der neue Ehren­wueschtvatter von den ersten Augenblicken an, er nahm die Zuhörer mitten in die Fasnet mit und gewährte ihnen einen Blick hinter die Kulissen.

Kaum einer verfügt wohl über solch einen Schatz an Erfahrungen, geht Weißer doch seit 1962 mit der Wueschtgruppe auf die Gass. Er erinnerte daran, wie sich nach dem Zweiten Weltkrieg so langsam wieder das Fasnet­virus regte. 1948 habe es den ersten genehmigten Umzug gegeben, allerdings nur unter der Vorgabe, dass zur Dunkelheit alles vorbei ist. Schon damals habe sich eine Wueschtgruppe zusammengefunden.

Noch gut hat Weißer im Gedächtnis, wie er als Fünfjähriger mit seinem Vater und seinem Bruder Peter zum ersten Mal am Umzug teilnehmen durfte – in weißen Leinenkleidern, denn ein bemaltes Kinderhäs sei undenkbar gewesen. Dennoch war es ein Schlüsselerlebnis: "Es war ein Traum für mich, da hat sich eine andere Welt aufgetan", erklärt er, seither hat er keine Fasnet verpasst. Sehr zum Leidwesen des Jungen war aber in den ersten Jahren hinter dem Riettor Schluss: Die Mutter holte ihn ab, unter den "wilden Kerlen" ist damals kein Platz für Kinder gewesen.

Der Schwarzwälder Bote hatte die "Wueschte" im vergangenen Jahr besucht. Mehr dazu im Video:

Und schon damals ist in ihm die Idee gereift, dass eines Tages auch der Nachwuchs mit der Wueschtgruppe durch die Wirtschaften ziehen und die Fasnet auf diese Art kennenlernen darf. Ein Wunsch, der auch durch ihn und seine Vorgänger in Erfüllung gegangen ist. "Für mich ist es die größte Freude, wenn ich sehe, mit wie viel Spaß die Kinder auf die Tische stehen, Lieder singen und Sprüchle sagen", betont Weißer und freut sich, dass inzwischen 34 Jungen und Mädchen das Brauchtum erleben und zur Gruppe gehören. Diese hat sich über die Jahre hinweg ebenso verändert, aus dem lockeren Haufen, dem sich niemand verpflichtet fühlte, ist eine verschworene Gemeinschaft entstanden, die mit dem Schuppen in der Vöhrenbacher Straße seit 1980 auch ihr Lager und einen Raum zum Ausstopfen hat. Davor ist es ins Riet gegangen in die alten Häuser, in denen die Bewohner das Stroh für ihre Kleintiere noch unter dem Dach gelagert hatten.

Eine Anekdote nach der anderen

Weißer fällt eine Anekdote nach der anderen ein, verrät, wie sich aus einem Streich am Fasnetmentig das Schmücken des Wueschtbrunnens entwickelte, und hält die Erinnerung an Originale lebendig. Das Publikum kommt aus dem Lachen nicht mehr heraus, wenn es beispielsweise erfährt, dass die Bärenscheme des Wuescht­vatters ursprünglich die Larve der Schuttig aus Elzach war, der Pfarrer aus dem Elztal hatte den Narren aber die Fasnet verboten, es sei denn, sie kämen mit einem so freundlichen Gesichtsausdruck wie der Villinger Narro daher. Über erste Beziehungen zwischen den Zünften ist die Bärenscheme als Gastgeschenk in Villingen gelandet und zeichnet inzwischen den "starken Mann" an der Spitze der Wuescht aus. Manch eine Geschichte über seine Vorgänger gibt Weißer ebenso zum Besten, weiß von einer Wette, beim Schwenninger Umzug mitzulaufen, die zur Fasnet ohne Wueschtvatter führte, da er sich mit dem Zunftrat überworfen hatte.

Mit diesen und weiteren Episoden vergeht die Zeit im Kulturcafé wie im Nu. Die Freude, mit der Weißer ein Bild "seiner" Wueschtgruppe zeichnet, springt auf die Zuhörer über, die ihm noch lange zuhören könnten.

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