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Villingen-Schwenningen Thomas-Cook-Pleite: Paar aus VS sitzt in Ägypten fest

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Das Paar aus VS ist noch nicht sicher, ob die Heimreise am Wochenende angetreten werden kann. (Symbolfoto) Foto: kieferpix/pertert2 – adobe.stock.com

Villingen-Schwenningen - Die einen fliegen erst gar nicht mehr auf die Kanaren, die anderen wissen nicht, wie und vor allem ob sie am Sonntag nach Hause kommen: Für ein junges Paar aus dem Oberzentrum entwickelt sich die Reise nach Ägypten zu einem Trip in das Dickicht jener Reiseveranstalter, die mit dem insolventer Thomas-Cook-Konzern verbandelt sind.

Von zweien, die ausflogen, um das Fürchten zu lernen, so könnte man die Urlaubswende am Roten Meer nach der ersten Woche beschreiben. Wenige Tage vor dem Abflug läuft man sich zufällig in der Villinger Innenstadt über den Weg. Die Vorfreude ist groß. Während der erste Reif morgens bereits die Wiesen der Doppelstadt überzieht, freuen sich Miriam und Tobias M. (Name von der Redaktion geändert) auf Sonne und Wärme in dem ägyptischen Badeort. Die junge Frau strahlt und erzählt: "Wir freuen uns riesig aufs Tauchen."

Doch die Freude ist von kurzer Dauer: Eine Woche nach der Ankunft schießen die ersten Meldungen von den finanziellen Turbulenzen des Reiseveranstalters Thomas Cook und damit einer ganzen Reihe vernetzter Anbieter durch das Netz. Unter anderem ist auch das Tochterunternehmen Bucher Reisen betroffen, über das das junge Paar die zweiwöchige Pauschalreise gebucht hat.

Am Anfang noch tiefenentspannt

Thomas Cook droht die Pleite? Eher zufällig bekommen Miriam und Tobias M. am Montag die Nachrichten vom Finanz-Gau des Reiseveranstalters in der Hotellobby mit. Erste Gäste seien unruhig geworden und "versuchten trotz schlechtem Wlan alles vom Hotel zu erledigen", erzählt sie.

Zunächst reagieren die beiden tiefenentspannt: Doch schon tags drauf, am Dienstag, "haben sie uns aus dem Essenssaal herausgeholt und eine Mail einer uns unbekannten Reiseagentur vorgelegt." Darin teilt die Agentur mit, dass "sie für uns nicht mehr zahlen". Während sie die Nachricht erst mal verdauen müssen, macht der Hotelmanager einer anderen Touristin eine klare Ansage: "Wenn Sie nicht selbst zahlen, dann packen Sie Ihre Koffer."

Telefon schweigt

Der Hotelmanager nimmt das Paar aus VS dann auf einen Ausflug in das Labyrinth jener Reiseagenturen mit, die an der Pauschalreise mitgewirkt haben: Das Cook-Tochterunternehmen Bucher sei zwar für den Flug zuständig, habe aber Transfer und Hotel an ein anderes Unternehmen abgegeben, "dessen Namen wir noch nie gehört haben, alles superundurchsichtig", so die junge Frau Anrufe sind vergebens: "Da nimmt keiner mehr ab", berichtet Miriam M.

Und selbst beim Branchengrößen Thomas Cook windet sich der Mitarbeiter: Ob Flugzeuge am Sonntag Richtung Deutschland abheben? Er wäre ein "Wahrsager", wenn er dazu Prognosen abgeben würde. Und nicht nur das: Während Thomas Cook die Insolvenz umgehend im Netz darstellt und für Medienvertreter erreichbar ist, bleibt ein Anruf des Schwarzwälder Boten bei Bucher Reisen ohne Reaktion.

Hotel muss aus eigener Rechnung bezahlt werden

Aus der Pressestelle des einstigen Branchenriesens Thomas Cook war für Gäste nur wenig Beruhigendes zu erfahren: Am Mittwoch und Donnerstag seien Rückflüge gesichert. Ob und wie Pauschalreisende wie Miriam und Tobias ab Freitag zurückkommen, bleibt ungewiss: "Wir sind darum bemüht, dass unsere Kunden zurückkommen", hieß es am Dienstag. Das letzte Wort sprechen Insolvenzverwalter und Reiseinsolvenzversicherer.

Der noch unsichere Rückflug ist das eine, die Hotelkosten das andere: Miriam und Tobias bleibt nichts anderes übrig, als zunächst das Hotel aus eigener Rechnung zu bezahlen. In der Hoffnung, dass sie mit ihrem Sicherungsschein das Geld wieder zurückbekommen. Eigentlich ihr gutes Recht, in Deutschland müssen Reiseveranstalter die Absicherung durch einen Sicherungsschein nachweisen.

Sorgfältig prüfen

Zu der Insolvenz von Thomas Cook und dem beantragten Überbrückungskredit der Condor äußert sich auch Marcel Klinge, tourismuspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion: "Das ist ein schwerer Schlag für alle Reisenden und Angestellten, die nun von der Insolvenz von Thomas Cook betroffen sind. Was die Reisenden jetzt brauchen, sind gesicherte Informationen." Und: "Die Bundesregierung sollte einen Überbrückungskredit nur nach sorgfältiger Prüfung und mit Zustimmung des Haushaltsausschusses bewilligen", betont Klinge.

Diese Diskussionen dürften Miriam und Tobias wohl erst Sonntag mitbekommen, wenn sie hoffentlich wieder zu Hause sind: Noch versuchen sie den Urlaub zu genießen: Nach den Hiobsbotschaften vom Dienstag "gehen wir jetzt an den Strand. Zum Tauchen."

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