Romäusring-Gymnasium: Mathias Reyher vom Klinikum erläutert Hintergründe
VS-Villingen. Die Hintergründe von Organspenden standen im Mittelpunkt einer von den Lehrkräften Tanja Neininger-Armbruster und Gerlind Maske-Lange organisierten Informationsveranstaltung für die Zehntklässler des Villinger Gymnasiums am Romäusring. "Organspende geht uns alle an", mit diesem Titel begann der aufschlussreiche Fachvortrag des Transplantationsbeauftragten des Schwarzwald-Baar-Klinikums, Mathias Reyher.
Reyher klärte auf, "dass ein Organspendeausweis nicht automatisch bedeutet, dass man Organe spendet, man kann auch Nein ankreuzen". Es gehe nicht um richtig oder falsch, jeder müsse diese Entscheidung selbst treffen. Das Transplantationsgesetz erlaubt Jugendlichen ab dem 16. Geburtstag, ihre Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende zu erklären. Und daher sei es auch wichtig, sich mit diesem Thema, zwangsläufig mit dem Tod und der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen. Alle Schülerfragen, beispielsweise, wer spenden könne oder welche Organe gespendet werden können, beantwortete der Vortrag.
"Auch die Organe von älteren oder vorerkrankten Menschen können erfolgreich transplantiert werden", betonte Reyher. Entscheidend sei die aktuelle Organfunktion und die sorgfältige Auswahl der Empfänger. Eine Übertragung infektiöser Erkrankungen oder die Transmission eines Tumorleidens müsse durch geeignete Voruntersuchungen ausgeschlossen werden. Der Tiefpunkt der Organspende in Deutschland lag im Jahr 2017 mit nur 797 Organen, 2018 waren es insgesamt 955. Die Zahl der Wartepatienten in Deutschland sei jedoch viel höher, denn im Januar 2019 lag die Kennzahl bei 9403 Patienten, die aktiv auf der Warteliste für eine Organspende registriert sind.
Fehlt der Organspendeausweis oder die Zustimmung zu Lebzeiten des Verstorbenen, müssen die Angehörigen nach dem mutmaßlichen Willen der verstorbenen Person oder nach persönlichen Wertvorstellungen entscheiden. Diese so genannte Entscheidungslösung gilt in Deutschland. In anderen Ländern wie Frankreich, Italien und Spanien gilt die so genannte Widerspruchslösung. Ohne eindeutigen Widerspruch ist der Bürger dort ab Geburt ein potentieller Spender.
Um das Vertrauen in das System zu bestärken, erähnte Reyher auch, dass sich seit dem Transplantationsskandal 2012 einiges geändert hat und es eine Überwachungs- und Prüfungskommission gibt, welche die Transplantationszentren überprüfe. Auch ging er auf kritische Schülerfragen ein, zum Beispiel, wie man den Hirntod feststellen könne und was genau im Hirn geschehe. Beim Hirntod sei das Gehirn vollständig von der Blutversorgung abgeschnitten. Durch die Schwellung des Gehirns stoppe der Blutzufluss an der Eintrittsstelle zur Schädelhöhe und in wenigen Minuten würde die Hirnzellen auf Grund von Nährstoff und Staustoffmangel unwiederbringlich absterben.
Nach dem informativen Vortrag erhielten die Schüler Organspendeausweise und haben nun die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, denn "nur wer entscheidet, nutzt sein Selbstbestimmungsrecht", gab ihnen Reyher mit auf den Weg.